Das eiserne Gesetz
Das eiserne Gesetz
Datum: 03.12.2016, 12:46
Ich erlaube mir in unregelmäßigen Abständen, den geschätzten Leserinnen und Lesern Auszüge aus Reden oder Interviews Viktor Orbáns zu übersetzen und vorzustellen, weil eine so klare Sprache wie die seine in der deutschen Politik ausgestorben zu sein scheint, ausgenommen sie richtet sich gegen die Deutschen selbst.
Die Interviewerin kommt gegen Ende auf den nächsten EU-Gipfel zu sprechen und die erneute schwere Auseinandersetzung um die „Flüchtlingsquote“, wiederholt Orbáns Verweis auf die Visegrader Vier, die wie David dem Goliath der Migrationsbefürworter gegenüberstünden, zitiert dann Miloš Zeman, dass weder Tschechien noch Frankreich die Quote akzeptieren würden, dass in Italien und Österreich Abstimmungen anstünden, dass François Hollande nicht mehr antreten würde, und will schon fragen, was das in Bezug auf die Quote bedeute, als Orbán einhakt:
„Schauen Sie, ich möchte hier eine stärkere Formulierung gebrauchen. Also, diejenigen Regierungen und die Länder, die nicht verstehen, dass die Leute keine Einwanderung wollen, keine Fremden unter sich sehen wollen, gerne denen helfen, die wirklich in Schwierigkeiten stecken, aber nicht solche Leute einlassen wollen, mit denen sie nicht werden zusammenleben können, deretwegen die öffentliche Sicherheit sich verschlechtert, weswegen die Terrorgefahr wächst. Sie denken überhaupt nicht, dass jedermann ohne Anstrengung auf das gute Leben Anspruch hat, dass man deshalb hierher kommen kann und an dem, was wir aufgebaut haben, teilhaben kann oder es uns wegnehmen kann. Also diese Regierungen, die diese Volksmeinung nicht beachten, werden alle stürzen und das ist nur eine Frage der Zeit. Und das passiert, nur müssen wir durchhalten, bis die Demokratie wiederhergestellt ist, weil heute in Europa die Demokratie zerfallen ist, kein demokratisches Gleichgewicht existiert. Das Volk denkt Anderes, als was seine Führer ihm aufzwingen wollen. Es kommt die Zeit, wo dieser Unterschied verschwindet, weil er nach den Regeln der Demokratie verschwinden wird, und wir wissen seit Petőfi, dass das Wasser der Herr ist und sich nicht das Wasser dem Schiff anpassen wird, sondern das Schiff wird sich dem Wasser anpassen. Das ist ein eisernes Gesetz und wird eintreten. Die nicht von Anfang an von dieser demokratischen Einstellung ausgegangen sind, auch die werden darauf kommen, dass sie entweder Demokraten werden oder stürzen. Und das geschieht heute in Europa. Der Reihe nach, Schritt für Schritt, ja, es ist meiner Meinung nach sogar in Amerika passiert. Das wird eintreten, wir müssen nur durchhalten, bis am Ende wir in der Mehrzahl sein werden, die, die klar sagen, dass wir in Europa keine Einwanderung wollen.“
Orbán spielt auf ein Gedicht des Dichters Sándor Petőfi an, das dieser unmittelbar nach den revolutionären Ereignissen des März 1848 geschrieben hat; er geht im Gegensatz zum Dichter aber von einem durch Wahlen legitimierten demokratischen Wandel aus:
Ein Meer hat sich erhoben,
Aufbäumt sich seine Flut.
Im donnernden Getümmel
Erbeben Erd und und Himmel
Ob seiner wilden Wut.
Seht an den Tanz, den tollen,
Hört die Musik und wißt,
Habt ihr’s noch nicht erfahren:
Das ist des Volks Gebaren,
Wenn es die Freiheit grüßt.
Das Meer heult auf im Sturme,
Die Schiffe taumeln rund
Mit Segeln, die zerrissen,
Und Masten, die zerplissen,
Hinab zum Höllengrund.
Ja, tobe, Sintflut, tobe,
Daß der erboste Gischt
Empörter Wogen brüllend,
Der Tiefe Schlund enthüllend,
Hoch zu den Wolken zischt.
Der Welt zur ew’gen Lehre
Schreib an des Himmels Zelt:
Die stolzeste Galeere
Versinkt im wilden Meere,
Die Flut bleibt Herr der Welt!
(Übers.: Martin Remané)
Ob die Österreicher und die Deutschen die Kraft haben werden, den Negativ-Mythos von ihrer einzigartigen historischen Schuld abzuschütteln, der verhindert, dass sie neue Wege abseits des linksliberalen Establishments gehen, ist leider zu bezweifeln. Aber vielleicht gehen andere Völker Europas voran.
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