Auftragsforschung vom Feinsten
Auftragsforschung vom Feinsten
Datum: 15.06.2016, 21:21
„Enthemmte Mitte“: Damit entspricht die Studie genau dem neuen Kampfbegriff der links-grünen veröffentlichten Meinung (dem, was man „Wahrheitspresse“ nennt), nämlich der seit den sich abzeichnenden Erfolgen der AfD vermehrt aufgestellten Behauptung, dass „die Mitte“ radikal, ja eigentlich terroristisch sei. Schon diese Übereinstimmung von medial eingeführten und angeblich wissenschaftlichen Begriffen läßt aufhorchen.
Man kann sich die Studie, die federführend ein Privatdozent Dr. Oliver Decker geleitet hat, auch im Internet anschauen, sodass ich hier nicht zu ausführlich werde. Sie ist auch im Psychosozial-Verlag erschienen; zum käuflichen Erwerb würde ich jedoch nicht raten. Die beteiligten Soziologen arbeiten am „Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung“. Für das penetrante Selbstlob, sich Kompetenz zuzusprechen, können sie nichts, denn das ist mittlerweile Usus an deutschen Universitäten. Es fällt aber auf, dass eine Bedrohung der Demokratie für die selbsternannten Kompetenten nur vom „Rechtsextremismus“ her kommen kann.
Schauen wir uns trotzdem wenigstens eines der Themen an, die diese Studie abdeckt: Chauvinismus. Bei einer Befragung kommt es bekanntlich auf die Fragen an. An den Fragen, die den 2400 „bevölkerungsrepräsentativen“ Leuten gestellt wurden, kann man deshalb erkennen, was die Leipziger Soziologen für „Chauvinismus“ halten, nämlich „Mut zu einem starken Nationalgefühl“, den Wunsch nach einem „harten und energischen Durchsetzen deutscher Interessen“ und die Erwartung an die Politik, „Deutschland die Macht und Geltung zu verschaffen, die ihm zusteht“. Nach diesen Kriterien sind z. B. die USA eine superchauvinistisch-rechtsextreme Macht mit ebenso superchauvinistisch-rechtsextremen Bürgern. Zudem wurden von rot-grünen Bundesregierungen ebenso wie den Großen Koalitionen deutsche Interessen innerhalb der EU teilweise knallhart durchgesetzt wie auch, u. a. durch den drittgrößten Waffenexport weltweit, zur deutschen Geltung beigetragen, ohne dass dies unsere Leipziger Soziologen zur Verurteilung von Schröder, Fischer, Merkel und Gabriel als „autoritäre Rechtsextreme“ geführt hätte.
Den Vogel schießt die Studie aber mit ihren stolz aufgeführten Förderern ab. Es sind dies die Heinrich Böll-Stiftung, die Rosa Luxemburg-Stiftung und die Otto Brenner-Stiftung, natürlich im Original alle mit „Deppen-Leerzeichen“. Na, da haben wir doch die Grünen, die LINKE und die IG Metall beisammen! Die SPD war natürlich zu feige und hat die Gewerkschaft vorgeschickt. Was soll man da noch sagen? No comment.
Die Stoßrichtung der Studie ist damit sonnenklar: Sie schlussfolgert, dass „die AfD“ zur „Heimat“ für Rechtsextremisten geworden sei. Das ist ziemlich global behauptet und ungefähr so aufschlussreich wie die sicher korrektere Feststellung, dass die Grünen und die LINKE die Heimat der Linksextremisten seien. Die damit einhergehende linksextreme „Enthemmung der Mitte“ ist aber anscheinend kein soziologisches Problem. Natürlich wird mit dieser Studie heute schon breit Wahlkampf gemacht in allen Wahrheitsmedien. Übrigens sind solche Machenschaften mit der Grund, warum man gegenüber NGOs, zu denen Stiftungen ja auch gehören, durchaus skeptisch sein darf. Sie sind Mittel der politischen Einflussnahme, die sich humanitär oder wissenschaftlich tarnen. Das ist nicht mehr wirklich unschuldig.
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.
Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.


Add new comment