Prof. Dr. Adorján F. Kovács

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Äpfel mit Birnen vergleichen

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Äpfel mit Birnen vergleichen
Datum: 21.06.2018, 11:57

Richtig ist, dass „etwa jeder fünfte Mensch im Zedernstaat [...] damit ein syrischer Flüchtling [ist], in keinem Land der Welt leben, gemessen an der einheimischen Bevölkerung, mehr Flüchtlinge", wie SPIEGEL ONLINE schreibt. Das wären auf Deutschland umgerechnet etwa 16 Millionen Menschen. Dies wiederum entspricht ziemlich genau den 12 Millionen Ostpreußen, Pommern und Schlesiern, die zu Kriegsende aus den deutschen Ostgebieten vertrieben wurden. 

Das hat sicherlich immense Kosten verursacht und auch zu gewissen Auseinandersetzungen mit den West- und Mitteldeutschen geführt, was angesichts der Nachkriegsumstände nur zu verständlich ist. Aber das Problem wurde in kürzester Zeit gelöst. Warum? Weil es sich um Deutsche gehandelt hat, die kulturell nur minimale Unterschiede zu den übrigen Deutschen aufwiesen.

Nimmt man alle Flüchtlinge im Libanon zusammen, so sind es wohl zwei Millionen bei einer ursprünglichen Bevölkerung von etwa vier Millionen. Vergleicht man das mit einem Land gleicher Größenordnung, zum Beispiel Österreich, das knappe neun Millionen Einwohner hat, und nimmt man Deutschland als Nachbarn her wie es Syrien für den Libanon ist, dann hieße das, dass vier bis fünf Millionen Deutsche als Flüchtlinge in Österreich leben.

Das wäre wohl schwierig, aber im Grunde kein großes Problem, weil die Deutschen mit den Österreichern bis auf einige sprachliche und konfessionelle Unterschiede kulturell identisch sind. Genauso ist das im Libanon mit libanesischen und syrischen Arabern. Wenn die „FAZ" gestern schreibt, man würde im Libanon nur „den Kopf schütteln über Deutschland", weil man sich hier angeblich so anstellen würde, dann muss man den Libanesen und der „FAZ" klar sagen, dass Äpfel mit Birnen zu vergleichen falsch ist.

Deshalb verbietet sich jeder Vergleich der gegenwärtigen Situation im Libanon mit jener in Deutschland heute, und darum haben die deutschen Qualitätsmedien nicht recht, wenn sie suggerieren, dass Deutschland noch viel mehr sogenannte Flüchtlinge aus kulturell fremden Gegenden aufnehmen könnte, bis zahlenmäßige Verhältnisse wie im Libanon erreicht sind.

Dass, ergänzend bemerkt, die palästinensische Massenflucht in den Libanon in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts zur kriegerischen Dezimierung der christlichen Bevölkerung Libanons geführt hat, wird natürlich auch verschwiegen. Überall, wo Muslime hinkommen, geht es den Christen relativ bald wesentlich schlechter. Das ist so sicher wie ein Naturgesetz.

Sven von Storch

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