Privates Geld, warum nicht?

Dass Mobiltelefone, Autos oder Flugverbindungen von privaten, miteinander in heftigem Wettbewerb stehenden Anbietern wesentlich besser und billiger bereitgestellt werden können als von staatlichen Monopolbetrieben, bezweifelt heute – vielleicht mit Ausnahme von Wiener SPÖ-Funktionären – kein halbwegs vernünftiger Mensch mehr.

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Der populäre, teils im chinesischen Tianjin und teilweise in Wien lebende Zukunftsforscher und Bestsellerautor John Naisbitt („Megatrends“) prophezeit uns deshalb, dass früher oder später auch eine ganz spezielle Ware nicht mehr von einem staatlichen Monopol angeboten werden wird, sondern von konkurrierenden Privaten: die Ware Geld.

Die Vorstellung, die Geldproduktion zu privatisieren wie einst das Mobilfunknetz, die Voest oder die AUA, erscheint freilich auch vielen hartgesottenen Liberalen irgendwie suspekt, weswegen das staatliche Monopol auf Geldproduktion den meisten als unabänderlich erscheint.

Und trotzdem beginnt, seit der Euro und seine Reputation unter der Gelddruckpolitik seiner vermeintlichen Retter leiden, eine vorerst leise, aber interessante Debatte über die Frage, ob das staatliche Geldmonopol tatsächlich so eine tolle Idee ist. „Währungsprivatisierungen gegen Notenbankexzesse“ erörterte erst jüngst in durchaus zustimmendem Tonfall die superseriöse „Neue Zürcher Zeitung“. In Deutschland fordert der FDP-Politiker Frank Schäffler: „Das staatliche Geldmonopol muss fallen.“ Und der österreichische Ökonomienobelpreisträger Friedrich August von Hayek verlangte 1976 in seinem Buch „Denationalization of Money“ die Privatisierung des Geldes – und zwar mit einem ebenso simplen wie überzeugenden Argument: Würden verschiedene Anbieter (also etwa Banken) Geld anbieten, würde die Qualität dieses Geldes, also vor allem seine langfristige Werthaltigkeit, besser werden. Genauso, wie Qualität und Preis des Telefonierens in dem Moment dramatisch besser wurden, nachdem das staatliche Monopol durch privaten Wettbewerb ersetzt worden war.

Derzeit geschieht ja eher das Gegenteil: Indem sie massenhaft Geld drucken, gefährden die Notenbanken der USA, Japans und Europas die Werthaltigkeit ihrer Währungen – also die Qualität des Geldes – massiv. Das staatlich geschaffene Geld wird eher schlechter als besser. Das Argument, durch mehrere parallel nebeneinander existierende Währungen verschiedener privater Emittenten würden hohe Transaktionskosten, Unübersichtlichkeit und Chaos entstehen, stimmt nur begrenzt.

Inzwischen dämmen nämlich immer mehr Staaten in der EU die Verwendung von Bargeld sukzessive ein; in Schweden dürfte Bares über kurz oder lang überhaupt ganz verschwinden. Damit jedoch wird die Verwendung allfälliger unterschiedlicher Währungen enorm erleichtert, weil deren Verwendung für den elektronischen Zahlungsverkehr weitgehend problemlos ist.

Wenn mittlerweile jeder zweite Deutsche befürchtet, seine Euro würden in Zukunft massiv entwertet werden, dann ist das jedenfalls kein sehr überzeugendes Argument dafür, dass das staatliche Geldmonopol eine Ware namens Geld in erstklassiger Qualität und zur vollen Zufriedenheit der Kunden produziert. Privater Wettbewerb hat in solchen Situationen noch selten geschadet.

Beitrag erschien zuerst auf: ortneronline.at

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Oliver Kloss

Selten habe ich in so wenig Text so viel Unsinn gelesen.
Die Fans von Friedrich August von Hayek sind unter den Rechten eine ähnliche Plage wie die Marxisten unter den Linken; sie lieben ihre Ideologie weit mehr als allen Erkenntnisgewinn. Popper verachtete diesen Denkstil und kann zur heilsamen Lektüre nur empfohlen werden!

Die monetaristische "Geldmengentheorie der Inflation" war schon vor Keynes nicht mehr des Glaubens wert, erfuhr aber wackere Wiederbelebungsversuche. Inzwischen gab es große Experimente in Japan und seit Jahren auch in Europa, die noch einmal überdeutlich gezeigt haben, dass diese Theorie auch tatsächlich falsch war. Dies lohnte sich zur Kenntnis zu nehmen.
Es wäre zwar schön, wenn "Gelddruckpolitik" genügen könnte, um Inflation zu erzeugen, aber so simpel funktioniert Makroökonomie eben (leider!) nicht.
Sonst hätten wir ein sehr einfaches Instrument zur Vermeidung von Deflation, aber die Wirklichkeit will sich gewünschten Analogien zwischen Ware und Geld nicht fügen.

Inflationsängste zu schüren lohnt nicht, solange das Reallohnniveau gar jämmerlich hinter der Produktivitätsentwicklung hinterher hinkt.

Übrigens dürfen Sie bereits so etwas wie "privates Geld" schaffen, indem Sie Schuldscheine ausstellen können. Auch mit Schuldscheinen lässt sich handeln. Die Frage wäre dann lediglich: Reicht Ihre machtvolle Autorität aus, um den Glauben an deren "langfristige Werthaltigkeit" zu stiften? - Im Unterschied zu Ihnen sind Staaten daher beim Buchgeld-Schaffen bzw. Geldschöpfen klar im Vorteil.
Daher erheben sich bereits Stimmen in Gestalt der Vollgeld-Initiative, die endlich ein Geldmonopol des Staates im Bereich des Geldschöpfens fordern.
Nicht jede beliebige Bank soll noch (kraft staatlicher Lizens) die Geldmenge durch Geldschöpfen erhöhen dürfen und im Falle des Totalversagens nach staatlichen Rettungs-Milliarden gieren können.
Wer für Vollgeld eintritt, will das Monopol des Geldschöpfens allein beim Staate und dessen Zentralbank sehen. - Eine liberale Idee!

Gravatar: Jan van Bowens

Lieber Autor, selbst wenn Sie mit dieser Idee genau 100 Jahre früher gekommen wären, wäre sie noch uralt gewesen. Die Bank of England war da schon Jahrhunderte privat, die FED wurde es in diesem Moment und andere "Staatsbanken" waren es auch. Bevor Sie in dieser Zeitung genau den Unsinn schreiben, wie auch andere, lesen Sie mal ein Buch oder zwei. Vor allem, wenn Sie so abstruse Forderungen aufstellen.

Gravatar: Hans von Atzigen

Freigeist 19.04.2013. 13oo.Mit Anmerkungen kann man diesem Ansatz zustimmen. Grundsaetzlich sind jegliche Monopole Kontraproduktiv. Egal ob Privat oder Staatlich. Es gibt zweifellos einen eng einzugrenzenden Bereich der sich sinnvollerweise am effizientsten Gemeinschschaftlich loesen laesst. Dies nur soweit diese einer neutralen Grundversorgung dienlich sind. Anvorderungsprofil: Demokratische Legitimation = gemeinschaftlich oeffentlicher Auftrag auf der Basis eines klar umschriebenen Aufgaben und Pflichtenheftes. Uneingeschraenkter Transparenz bezueglich Planung und Rechnungspruefung. Sinnvol ist solches jedoch nur soweit es einer mindest-Grudversorgung dient.Vergemeinschaftungen die ein eng einzugrenzendes Mindestmass uebersteigen sind letztlich immer Kontraproduktiv. Denn Vortschritt und Entwicklung gedeihen nur auf der Basis, Freiheit und Selbstverantwortung. Einschraenkungen sind nur zur Vermeidung von Exzessen sinnvoll, zum Beispiel zur Unterbindung Kontraproduktiver Privater Monopole.

Gravatar: Freigeist

Beim "Telefonieren" liegen Sie ganz und gar falsch. Die Entmachtung der Deutschen Bundespost fiel zusammen mit einer Technischen-Revolution. Das Monopol hätte erhalten werden sollen um einen einheitlichen Standard zu gewährleisten und mit einer Flat könnten das ganze Volk nebst Firmen prima leben, viel billiger als mit den vielen privaten Anbietern heute.
Bleiben Sie bitte bei der Wahrheit, dass die Wasserköpfe der vielen Telefonanbieter enorm teuer sind und dem Volk auf der Tasche liegen. Wie viele junge Leute sind übers Handy total verschuldet.?

Gravatar: AchNee

Der deutsche Dichter, Heinrich Heine, sagte:
"Das Geld ist der Gott unserer Zeit und Rothschild ist sein Prophet." - Lutetia. Erster Teil. Aus: Werke und Briefe in zehn Bänden. hg. von Hans Kaufmann, 2. Auflage, Berlin und Weimar: Aufbau, 1972. Band 6, S. 378

Die US of A sind uns doch da schon einen Schritt vorraus:

Der Federal Reserve Act (1913) ermöglicht es der Federal Reserve bis heute, Geld ohne intrinsischen Wert als Kreditgeld zu schaffen und es beispielsweise der amerikanischen Regierung gegen Zinsen zu leihen (→ fractional-reserve banking).

Da gibt es spannende Infos im Netz, auch Fernab irgendwelcher Theorien.

Gravatar: Hans von Atzigen

Geld ist keine Wahre sondern eine Verrechnungseinheit fuer den Realleistungstausch. Nachhaltiges Wirtschaften verlangt nach einer bestmoeglich verlaesslichen Verrechnungseinheit. Ohne verlaessliche Verrechnungeinheit wird unternehmerisches Handeln zum unkalkulierbaren Himmelfahrtskomando. Nicht das Geldmomopol des Staates ist das Uebel sondern der laengst laufende Missbrauch des Mediums Geld zur Wirtschaftssteuerung. Wohien sog.Freie Ferrechnungseinheiten = Geld fuehren, kann man aktuell am Bitcoin beobachten. Sog.Freigeld hat einen gemeinsamen Grundnenner, das kuerzeste Verfallsdatum aller Moeglichkeiten das belegt die Geschichte seit Menschengedenken. Die besten Ergebnisse lieferte bis dato das Staatliche Geldmomopol vorausgesetzt dies basierte auf einer bestmoeglich an die Realwirtschaftsergebnisse gekoppelte Mengenpolitik. Nicht das Staatsmonopol gehoert auf den Pruefstand sondern die Parameter zur Ermittlung der notwendigen Geldmenge. Aufgabe einer unabhaengigen Institution Nationalbank ist die Ermittlung des Geldmengenbedarfes anhand bestmoeglich aussagekraeftiger Realwirtschaftsparameter. Nur so ist ein bestmoeglicher Tauschwerterhalt realisierbar. Angesichts teilweise sehr unterschiedlicher Nationalrealwirtschaftlicher Ergenisse wirken Uebernationale Waehrungseinheiten destruktiv. Dafuer liefert der Euro ein abschreckendes Beispiel. Da koennen nur Floutende Wechselkursmechanismen korrigierend wirken. Ein wie auch immer Fixgeldwert ist fundamental NICHT MOEGLICH. Sondern nur auf der Basis Realwirtschaftlicher Ergebnisse gekoppelt mit strikter Mengenpolitik bestmoeglich Realisierbar. Es gibt nur einen variablen Annaeherungs jedoch keinen Absoluten Geldrealwert. Traeumen ist legitiem doch Traeume haben immer eines gemeinsam, ein Verfallsdatum. Freundliche Gruesse.

Gravatar: Kullmann

Entschuldigen Sie Herr Ortner, wenn ich sie jetzt korrigieren muß, aber das Geld ist heute schon in privater Hand. Staaten bezitzen kein eigenes Geld. Es wäre schön wenn es so wäre, denn dann brauchten sie keine Zinsen zu zahlen.

Dieser Artikel ist leider völliger Unsinn.

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