Und auch vom Sessel

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Und auch vom Sessel
Datum: 21.10.2014, 10:48

Nicht nur vom Sofa, wie Klaus Kelle in seinem Blogartikel fordert, sondern auch vom Sessel, vom Gartenstuhl, von der bequemen Liege, ja von allem, was uns so schön gemütlich erscheint, sollten wir uns langsam erheben.

Recht hat er, wenn er sich fragt:

Und wieso sitzt die berühmte schweigende Mehrheit auf dem Sofa und schaut zu, wenn nicht gerade etwas anderes im Fernsehen läuft?

Die Mehrheit ist es in der Tat. Wir sind die Mehrheit, die so denkt, die die Familie mit Mutter, Vater und Kindern als ein Ideal empfindet. Wir sind die Mehrheit, die Genderideologie ablehnt. Mir sind noch nicht viele begegnet, die diesen Mist gutheißen, wenn man erklärt, was dahinter steckt und wohin die Entwicklung geht. Niemand will wirklich, daß seine Kinder im Kindergartenalter Sexspiele spielen. Niemand will wirklich, daß seine Kinder als Jugendliche in ihrer Identitätsfindung durch Verunsicherung und Dekonstruktion der Geschlechterrollen empfindlich behindert werden. Das kann einfach keiner wollen, der nicht ein bestimmtes Ziel verfolgt, nämlich eine Horde durchsexualisierter, bindungsunfähiger Arbeitsbienen heran  zu züchten.

Es gibt noch viele Bereiche, in denen so vieles im Argen liegt. Die Bildung und die Erziehung, der Schutz der Familie, der Schutz des Lebensrechtes sind nur einige davon. Und es ist die Mehrheit in unserem Land, die für das Leben, für die Familie und für eine gute Erziehung und Bildung steht. Doch im Allgemeinen ist es so, daß es ja bislang immer irgendwie gut gegangen ist. Man hat sich halt so durchgewurschtelt und “die da oben” machen ja sowieso, was sie wollen. Es mag sogar sein, daß diese Haltung, so lange ein gewisser gesellschaftlicher Grundkonsens galt, recht gut funktioniert hat.

Doch es hat sich in den letzten 15 Jahren etwas verändert. Die Keimzelle der Gesellschaft war bis dato immer unangefochten. Auch wenn sie immer etwas stiefmütterlich von der Politik behandelt wurde, sie war ja da und sie war stark. Was sich geändert hat, ist der Generalangriff auf diesen innersten Kern der Gesellschaft.

Noch einmal Klaus Kelle:

Die Gender-Ideologen und ihre Hilfstruppen sind seit Jahrzehnten die größte Gefahr, die unserer Gesellschaft droht. Nicht etwa, weil es ihnen um die Gleichberechtigung von Mann und Frau geht – wer wollte dagegen sein? Aber weil sie die Familien, die Grundlage unserer Gesellschaft, angreifen und zerstören wollen. Mit Methoden, die nichts mehr mit einer freiheitlichen Gesellschaft zu tun haben.

Dagegen müssen wir aufstehen und mit demokratischen Mitteln Widerstand leisten. Darum sind Demonstrationen wie die gestrige in Stuttgart so wichtig. Es macht betroffen, zu sehen, wie die Wut der Gegendemonstranten – ein kleines, buntes, lautes Häuflein – eine solche Polizeipräsenz nötig macht. Viele – ich gehöre auch dazu – schreckt das. Ich mag mich nicht von diesen Zeitgenossen anbrüllen, verspotten, beleidigen und diffamieren lassen. Diese Hemmung muß man erst mal überwinden. Aber wir haben noch andere Hindernisse, die es zu überwinden gilt.

Während die linken Genossen seit vierzig Jahren als Berufs- und Freizeitdemonstranten (z.T. inzwischen mit Beamtensold) durch die Republik geistern und bei jeder Demo dabei sein können, wenn es sein muß auch fünf mal pro Woche, so hapert es bei uns zum Teil schon mit der Zeit.

Wir haben Familien und Kinder, die unsere Zeit und Aufmerksamkeit brauchen. Wir stehen im Beruf, der uns zum Teil nicht wenig fordert. Wer ein Eigenheim hat, hat immer was zu basteln. Wir sind vor Ort in Vereinen, Verbänden, Parteien, Kirchengemeinden und anderen Gruppen aktiv. Wir haben einen Freundeskreis, den wir auch pflegen wollen. Wann soll man denn da noch demonstrieren gehen? Und überhaupt! Politik macht man nicht auf der Straße!

Das alles ist gut und richtig. Es sind Dinge, die zu bedenken sind, weil uns diese Aspekte unseres Lebens wichtig sind, sollten wir sie nicht außer Acht lassen. Doch die Dinge, die zu bedenken sind, dürfen sich nicht zu Bedenken auswachsen, die jedes politische / gesellschaftliche Engagement verhindern.

Es geht um unsere Art zu leben, leben zu wollen. Es geht um unsere Kinder und um deren Zukunft. Es hilft nicht zu sagen, wenn nur die Familie zusammensteht, dann kommen wir schon durch. So gut und richtig dies in der Vergangenheit war, es stimmt so nicht mehr, denn die Genderideologen machen sich auf, die Familie als Lebensmodell der überwältigenden Mehrheit der Menschen in unserem Land zu zerstören. Und was zerstört ist, kann nicht mehr zusammenhalten. Es ist fünf vor zwölf.

Ein Blick nach Frankreich zeigt, daß Manif Pour Tuos inzwischen eine Million Franzosen auf die Straße bringt. Warum sollte das in Deutschland nicht auch gehen? Ein Grund liegt wohl darin, daß Frankreich immer schon eine im Bewußtsein der Menschen sehr zentrale Hauptstadt hatte. In Frankreich schaut alles nach Paris und was passiert, passiert in Paris. In Deutschland haben wir ein gespaltenes Verhältnis zu unserer Hauptstadt. Aber mehr noch haben wir in Deutschland die Kulturhoheit bei den Bundesländern. Was interessiert den Westfalen, was der Schwabe tut?

Das müssen wir überwinden, denn die Tendenzen sind in allen Bundesländern und sogar in allen Ländern Europas die gleichen. Grenzen haben auch in dieser Hinscht ihre Bedeutung verloren. Und wenn jetzt eben Stuttgart die Stadt der Demo für alle ist, die nächste kommt bestimmt, dann müssen wir nach Stuttgart. Was heute in Baden-Württemberg auf der Agenda steht, kommt garantiert morgen in Hessen, in Niedersachsen, in Brandenburg oder wo auch immer. Die Zeit aufzustehen ist jetzt, heute! Morgen könnte es zu spät sein.

Die Mitfahrgelegenheit ist schon in der Mache:

Und ich werde einen Bus organisieren oder zwei. Das Bürgertum muss endlich runter vom Sofa. Wir alle haben viel zu lange zugeschaut.

schließt Klaus Kelle und dem schließe ich mich an.

Zuerst erschienen auf katholon.de

Sven von Storch

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