Säkulare Moralwächter schlagen zu
Säkulare Moralwächter schlagen zu
Datum: 08.08.2014, 13:26
Der Schützenkönig in Werl- Sönnern darf bleiben. Katholische Schützenbruderschaften sollte es aber am besten an den Kragen gehen. So wie es eigentlich allem, was katholisch ist, endlich mal an den Kragen gehen sollte. Vereine, die Satzungsgemäß nur katholische Mitglieder aufnehmen? Weg damit! Katholischer Religionsunterricht an staatlichen Schulen? Weg damit! Katholische Theologie an staatlichen Unis? Weg damit! Katholische Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen, Alten- und Pflegeheime? Weg damit!
Der Grund? Weil Katholiken ihren Glauben über den Staat und dessen Rechtsordnung stellen.
WTF? möchte man fragen … Doch so beschreibt es ein Frank Patalong in einem Kommentar auf SPON.
Daß man dazu gleich an verfassungsmäßigen Rechten rütteln muß, wen stört das schon, wenn es gegen die Kirche geht?
Der Kern schmort hier:
Die Privilegierung einer Religion passt nicht zu einem modernen, aufgeklärten Staat.
Staat und Religion passen einfach nicht zu einander! <Loriot>Achwas … </Loriot>
Über angebliche Privilegien der Kirche hat sich Josef Bordat reichlich ausgelassen. Dort ist reichlich dazu zu lesen.
Der Kern, der da schmort ist die radikale Trennung von Staat und Kirche. Das würde bedeuten, nicht nur unser gesamtes abendländisches Erbe zu verleugnen, es bedeutete ferner für den Staat einen erheblichen Mehraufwand für die Sozialen Einrichtungen und Schulen, die die Kirche betreibt. Der Trägeranteil, der aus Kirchensteuermitteln bestritten wird, fiele dann dem Staat, mithin dem Steuerzahler zur Last.
Entlastet würde der Steuerzahler hinsichtlich der Kosten für die Gehälter der Bischöfe und Domkapitulare, sowie einer Stiftkanonikate, die vom Staat finanziert werden müssen. Spannend wäre es mal, auszurechnen, bei welcher Variante der Staat (also der Steuerzahler) den größeren Verlust machen würde. Immerhin geht es bei all den Regelungen zwischen Staat und der Kirche nicht um willkürlich dekretierte Sonderrechte. Vielmehr geht es um Rechte, die z.T. Verfassungsrang haben oder durch völkerrechtliche Verträge geregelt sind.
Manch einer aus unseren Reihen, da schließe ich mich selber gar nicht aus, wünscht sich eine stärkere Abgrenzung der Kirche vom Staat, der ja im Zuge der immer weiter fortschreitenden Säkularisierung der Gesellschaft inzwischen tatsächlich für nicht geringe ethische Probleme sorgt. Sowohl in der Familienpolitk, in der Lebensrechtspolitik, in der Gesundheitspolitik und in vielen anderen Bereichen (z.B. Schutz des Sonntags) geraten Staat und die Kirche in immer neue Konflikte. Bislang gibt es keine spürbare und wirksame kirchliche Opposition. Lauwarme Erklärungen und diplomatische Kulissenschiebereien durch die katholischen Büros sind allenfalls ein Feigenblatt kirchlicher Opposition gegen Fehlentwicklungen. Auf ein bischöfliches Wort zu Gendermainstreaming wartet man bislang leider vergebens. Vermutlich wird hinter den Kulissen an Formulierungen gearbeitet, die die Genderideologie butterweich verurteilen und niemandem weh tun.
Es bleibt also ein Dilemma, diese Verflechtung zwischen dem Staat und der Kirche. Größer als für die Kirche ist dies Dilemma allerdings für den Staat, denn die Kirche kann ohne den Staat gut existieren und ihren Auftrag erfüllen. Dazu bräuchte es nicht einmal Kirchensteuer. Da nämlich liegt der große Irrtum der Verfechter einer konsequenteren Umsetzung der Aufklärung. Man glaubt, die Kirche zu schwächen, indem man ihr angebliche Privilegien entzieht. Das mag kurzfristig sogar zutreffen, denn diese auch von Papst Benedikt XVI. geforderte Entweltlichung kostet zunächst einmal viel Kraft. Plötzlich sitzt man in der Wüste statt an den Fleischtöpfen Ägyptens. Wir sollten uns in jedem Falle darauf vorbereiten, denn die Luft für die Kirche wird dünner. Der Staat wird den Kürzeren ziehen, wenn er sich von der Kirche trennt. Das Klima, vor allem das soziale, wird noch kühler werden.
Der größte Irrtum über die Kirche allerdings ist die Annahme, die Kirche sei eine Moral- und Sozialanstalt. In o.g. Kommentar schimmert auch das mal wieder durch. Sowohl die Moral als auch das soziale Engagement sind Folgen des Handelns der Kirche, nicht aber ihre Kernkompetenz. Kernkompetenz der Kirche ist Verkündigung des Evangeliums. Alles weitere fließt aus der Verkündigung heraus. Sozial sind Christen um Christi und seiner Brüder willen. (Was ihr dem geringsten … man erinnert sich.) Moral ist eine Folge des Evangeliums, nicht Voraussetzung dafür. Um Christ zu werden muß ich kein guter Mensch sein, im Gegenteil. (Nicht die Gesunden brauchen den Arzt … man erinnert sich.)
Die Kernaufgabe der Kirche – und dafür braucht sie weder einen Staat noch eine Steuer – ist die Heilmittlerschaft, die ihr von Christus selbst aufgetragen wurde.
Das werden aber die Protagonisten der Trennung von Staat und Kirche niemals verstehen. Und wenn – horribile dictu – eine völlig vom Staat getrennte Kirche gar weiterhin das Evangelium verkündete und sich – schauderhaft – politisch einmischte, dann müßte sie eben verbieten. Und das ist die Richtung in die der Hase läuft. Nichts anderes. Machen wir uns da mal keine Illusionen.
Zuerst erschienen auf katholon.de
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.
Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.


Add new comment