Ist die ALfA radikal_ – Interview mit Alexandra Maria Linder
Ist die ALfA radikal_ – Interview mit Alexandra Maria Linder
Datum: 03.02.2015, 16:26
Alexandra Maria Linder, ist Übersetzerin, Lektorin und Familienmanagerin. Seit 2001 ist sie Mitglied des Bundesvorstands der ALfA (Aktion Leben für Alle) und wurde 2005 zur Stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Sie gehört der Redaktion des LebensForums und dem Landesvorstand NRW an. Ferner leitet sie auch das Projekt „vitaL – Es gibt Alternativen“. Die dreifache Mutter ist außerdem Vorsitzende des ALfA-Regionalverbandes Sauerland.
Alexandra Maria Linder im Interview mit katholon.de zu Fragen rund um ALfA und die Frage, ob ALfA – Mitglieder politische Ämter innehaben können:
katholon.de: Frau Linder, wie haben Sie die Nachricht aufgenommen, daß Markus Hollemann in München kein Gesundheitsreferent werden kann, weil er unter anderem Mitglied der ALfA ist?
Alexandra Maria Linder: Mit großer Überraschung. Es gibt dafür keinen Grund. Ansonsten müsste man als nächstes sofort prüfen, wer von diesen Mandatsträgern Pro Familia unterstützt. Dieser Verein verdient nicht nur mit Abtreibungen viel Geld, sondern gehört auch zur International Planned Parenthood Federation. Diese tritt offen für freie Abtreibung ohne jegliche gesetzliche Beschränkung ein. Das ist nämlich ein echter Interessenkonflikt und in Deutschland außerdem eindeutig rechts- und gesetzeswidrig.
Als normaler Christ eine Menschenrechtspositionen zu vertreten, kann kein Grund für eine Ablehnung sein. Das ist ganz im Gegenteil doch eine hervorragende Qualifikation für einen Gesundheits- und Umweltreferenten.
katholon.de: In Kommentaren wird von der ALfA als einer Organisation “radikaler Abtreibungsgegner” gesprochen. Welche Ziele verfolgt die AlfA?
Linder: Wir treten für das grundlegende aller Menschenrechte ein, für das Recht auf Leben von der Zeugung bis zum natürlichen Tod. Das umfasst die Bereiche Abtreibung und Euthanasie ebenso wie zum Beispiel Präimplantationsdiagnostik, den PraenaTest, das Klonen oder den assistierten Suizid. Unser Engagement umfaßt alles Bereiche, in denen der Mensch bedroht ist. Das ist konsequent, aber nicht radikal.
Außerdem bieten wir, weil wir nicht “nur” reden, schreiben und aufklären wollen, auch praktische Hilfe an. Frauen und Familien im Schwangerschaftskonflikt können bei uns ein 24-stündig besetztes Notruftelefon erreichen. In Einzelfällen geht dies bis zur jahrelangen Unterstützung durch unsere Patenschaftsaktion.
katholon.de: Steht die ALfA in irgendeinem Konflikt zur freiheitlich- demokratischen Grundordung unseres Landes?
Linder: Ganz im Gegenteil. Wir treten ausdrücklich und nachhaltig für das ein, was im Grundgesetz steht. Besonders wichtig für uns ist natürlich der Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Außerdem sind die in Artikel 2 genannten unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechte und in Artikel 3 insbesondere Absatz 3 für unsere Arbeit besonders wichtig: Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Dies vertreten wir für all diejenigen Menschen, denen diese Rechte nicht in dieser Form gewährt werden und die sich im Hinblick darauf nicht selbst durchsetzen können: Kinder vor der Geburt, Menschen mit Behinderungen, Menschen an ihrem Lebensende. Wir definieren den Begriff “Mensch” nicht erst ab der Geburt, nur unter bestimmten Voraussetzungen etc., sondern wir nehmen das Grundgesetz sehr ernst und wenden es auf alle Menschen an.
katholon.de: Wie erklären Sie sich die polemischen Kommentare zur ALfA?
Linder: Wer Abtreibung nicht für normal und ein Frauenrecht hält, wird von feministischen Kreisen sofort der Frauenfeindlichkeit verdächtigt. Nichtsdestoweniger ist das Ergebnis einer Abtreibung immer ein totes Kind, eine verletzte Frau und eine zerstörte Familie. Wir sind damit außerdem ein Stachel im Fleisch der “das ist nur Gebärmutterinalt”-Verfechter.
Die interessierten Kreise sollten stattdesssen darüber nachdenken, welches Bild hier eigentlich von der Emanzipation der Frauen vermittelt wird. Über zwei Drittel der Frauen möchten ihr Kind bekommen und treiben nur deshalb ab, weil der Vater des Kindes nicht will. Wir denken hier absolut emanzipatorisch im Sinne der Frauen und helfen ihnen dabei, die wirklichen Probleme zu lösen.
Abtreibung übrigens als Frauenrecht zu bezeichnen (wie es Pro Familia/IPPF tun), widerspricht dem Grundgesetz, weil einer Gruppe von Menschen, nämlich den Kindern vor der Geburt, deren grundlegendes Menschenrecht damit abgesprochen wird.
katholon.de: Was raten Sie Ihren Mitgliedern künftig, wenn Sie sich für öffentliche Ämter bewerben?
Linder: Es müssten sich jeden Tag 5000 Menschen öffentlich melden und sagen: Ja, auch ich unterstütze das Lebensrecht. Dann wäre es deutlich schwerer, einzelne Personen zu verleumden und zu diffamieren. Solange das nicht der Fall ist, haben wir Verständnis für Menschen, die diesen Druck nicht aushalten, ermutigen sie aber gleichzeitig dazu, zu ihren grundgesetzkonformen und menschenfreundlichen Positionen zu stehen. Von unserer Seite erhalten sie dazu jegliche Unterstützung. Wir müssen viel mehr werden, nicht weniger.
Wenn sich diese Art, mit Menschen umzugehen, fortsetzt, wird sich auch das Spektrum der verunglimpften Positionen und Organisationen stark erweitern. Wer sich jetzt ganz still verhält, um nicht aufzufallen, kann dann jederzeit der nächste sein.
katholon.de: Wie wird die ALfA mit den jetzt erfolgten öffentlichen Angriffen umgehen?
Linder: Unsere Arbeit wird verstärkt so weitergehen wie bisher. Viele, auch kirchliche, seriöse Würdenträger, Gremien und Organisationen arbeiten seit vielen Jahren gut mit uns zusammen. Diese Zusammenarbeit und das Eintreten für das Lebensrecht aller Menschen werden wir gleichfalls weiterhin versuchen zu steigern.
Und da wir weder, wie uns vorgeworfen wird, homophob noch frauenfeindlich, weder extremistisch noch gewalttätig sind (im Gegensatz zu den Gegendemonstranten beim Marsch für das Leben, vor denen uns mehrere Hundertschaften der Polizei beschützen), freuen wir uns auf viele Einladungen zur Diskussion und viele neue Mitglieder.
Wir stehen auch denjenigen Medien, die sich, wenn man die Artikel liest, mit uns und unserer Arbeit offenbar noch gar nicht beschäftigt haben, für sachliche Gespräche gerne zur Verfügung.
katholon.de: Herzlichen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Peter Winnemöller (Inhaber dieses Blogs).
Zuerst erschienen auf katholon.de. Anm. d. Red.: Alexandra Maria Linder bloggt auch auf FreieWelt.net!
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