Der Nachhall ist ein Vorklang

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Der Nachhall ist ein Vorklang
Datum: 16.10.2013, 11:21

Der Bischof von Limburg ist für die den Vorfall skandalisierenden Medien schon Geschichte. Falls jetzt – wider Erwarten der Jäger – der “gute Papst” Franziskus den “bösen Bischof” Franz- Peter nicht in die Wüste schicken sollte, dürfte noch genügend Munition auf den Tasten der Protagonisten liegen, um dann vielleicht doch mal endlich den Gnadenschuß setzen zu können. Wieviel Medienhetze kann ein Mensch aushalten? Es scheint, als werde hier der Versuch gemacht, es einmal bis zum Brechen eines Menschen auszuprobieren. Man kann gar nicht so viel essen, wie man …

Es ist für einen modernen Medienprotagonisten unserer Tage eine Unerträglichkeit an sich, daß es ein Faktum gibt, das nicht zu löschen, zu tilgen oder zu vernichten ist. Die Weihe eines Bischofs, welcher der Fülle des Weihesakramentes hat, prägt dem Menschen ein unauslöschliches Siegel ein. Die Weihe verändert das Sein des Menschen. Dies ist völlig unabhängig von der Aufgabe die er erfüllt oder eben nicht erfüllt. Das entsetzen, daß einem Bischof seine Weihe nicht genommen werden kann (sehr schwerwiegende Gründe ausgenommen) ist dem postmodernen Relaitivismus ein Ärgernis. Die einzige Lösung bestünde in der Zerschlagung der Kirche. Daß dies nicht gelingen wird, ist wohl auch dem ärgsten Kirchenfeind klar. Die angestrebte Lösung heißt Marginalisierung. “Kirche” voll ins private abzudrängen, jeden öffentlichen Einfluß, ja jede öffentliche Wahrnehmung komplett zu unterbinden, es sei denn man kann sie skandalisieren, das hat Methode.

Methode hat es auch, das Dauerfeuer auf den zu beseitigenden Bischof mit einer ansteigenden Intensität zu betreiben. In der letzten Woche kamen die Meldungen allein auf den Internetportalen im Stundentakt und schneller, wobei nüchtern festzustellen ist, daß alle dasselbe gemeldet haben, die Informationen sich wiederholten und einer vom anderen Abgeschrieben hat. Das Prinzip, daß eine Meldung auch einen Nachrichtenwert haben sollte, war vollends vergessen, denn es war schon alles gesagt – sogar von jedem. Die stetigen Wiederholungen, die dem Rattern eines Maschinengewehres viel zu ähnlich sind, befeuern die Assoziationen “Krieg – Jagd – Hetzjagd” nur allzu sehr.

Im nächsten Fall, den wir erleben werden, befürchte ich allerdings eine Steigerung, die wir uns jetzt noch nicht einmal vorstellen können. Hubschrauber über dem Dienstsitz eines Bischofs, jetzt in Limburg noch von halbwegs anständigen und einfühlsamen Menschen als schockierend empfunden dürften dann nur noch ein müdes Lächeln auslösen. Das Crescendo des investigativen kennt keine Grenzen. Der technische Fortschritt gibt seinen Beitrag dazu.

Der naive Glaube, eine Medienkampagne laufe ins Leere, wenn da nichts sei, dürfte an der Wirklichkeit einer Mediokratie zerschellen. Dazu muß man nicht einmal an Böll erinnern. Lucas Wiegelmann selber schreibt in der Welt:

Aber wer ist die nächste Zielscheibe? Vielleicht einer, der ebenfalls mit Geld getrickst hat und es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt? Oder nur einer, der wegen sinkender Mitgliederzahlen Gemeinden fusionieren muss? Oder an bestimmten theologischen Lehren festhält? [Quelle]

Es möge niemand sagen, es nicht gewußt zu haben! Der Grund kann ein wirklicher sein, er kann aber genau so beliebig konstruiert werden. In welchem Bistum müssen keine Gemeinden fusioniert werden? In welchem sinken die Zahlen der Gläubigen nicht? Da ich hier keine Tipps geben möchte, schweige ich mich über weitere mögliche Gründe einfach mal aus. Da sollen die Kollegen dann bitteschön selber drauf kommen.

Prognose: Nach Limburg ist vor Limburg. Und Limburg ist überall.

Da sich auch das kommende episkopale Medienopfer der zu tiefst beeindruckenden Solidarität seiner Mitbrüder im Bischofsamt sicher sein kann (Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr), dürfte auch die Nr. 3 nicht allzu schwer werden.

Beträfe dies nun nur die Bischöfe, so könnte man sich entspannt zurücklehnen und auf die notwendigen Lernschritte warten. Ab dem dritten Medienopferbischof könnte allerdings mal ein Verständnis dafür einsetzen, daß dies auch die Laien in der Kirche zu tiefst betrifft.

Nachrichten reichen heute weiter als die Schatten der Domtürme gehen.

“Die hetzen mir die frommen Frauen auf!”, stellte ein Priester mir gegenüber entsetzt fest. Und da geht es nicht um Leute, die nur einen Anlaß suchen, um die Kirche, der sie schon längst den Rücken gekehrt haben, endgültig zu verlassen. Es geht auch nicht um Funktionäre, die ihr Süppchen auf dem nützlichen Medienfeuer kochen. Es geht um Menschen, die sich ehrlich um einen persönlichen Glauben mühen, die im Alltag den Glauben leben.

Diese haben inzwischen nämlich auch fast keine anderen Informationsquellen mehr als die Mainstreammedien mit ihrer homogenen Berichterstattung. Lokale Zeitungen stricken schlußendlich ihre Berichte auch nur noch unkritisch aus Agenturmeldungen zusammen und übernehmen für eigene Kommentare die Gedanken der ideologischen Vortänzer.

Es rächt sich für die Bischöfe, keine eigenen Medien mehr zu haben und alle Versuche einer echten katholischen Medienarbeit jenseits von sterbenden Bistumszeitungen und aufgeblasenen Medienkonzernen im günstigsten Falle kritisch zu beäugen.

 

Beitrag zuerst erschienen auf blog.peter-winnemoeller.de

Sven von Storch

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