Boah, watt ne Überraschung …
Boah, watt ne Überraschung …
Datum: 16.12.2013, 19:51
Als erstes Bistum in Deutschland hat das Erzbistum Köln die Ergebnisse der Fragebogenaktion im Vorfeld der außerordentlichen Bischofssynode im kommenden Jahr veröffentlicht.
Es ist eine wirklich ausgezeichnete Idee, den Fragebogen ganz offen zu machen und ein Stimmungsbild einzufangen. Das Ergebnis ist – erwartungsgemäß – niederschmetternd und veranlaßt die Kollegen im Lande zu heftig gespiegelten und gefazten Kommentaren.
Katholiken halten Kirche für weltfremd (Spiegel)
Katholiken halten die Lehre ihrer Kirche für weltfremd (FAZ)
Fakt ist, eine offensichtlich erdrückende Mehrheit der Mitglieder der katholischen Kirche stehen nicht mehr zur Ehelehre der Kirche. Frage: Welche Konsequenzen hat das eigentlich für diejenigen, die “kirchlich verheiratet” sind, wenn sie die Lehre der Kirche bezüglich dessen, was sie in der Kirche in Gegenwart von Zeugen und einem Priester versprochen haben? Die Frage nach der Gültigkeit zahlreicher Ehen ist hier wohl erlaubt. (Beantworten kann man diese Frage natürlich nur im konkreten Einzelfall.) Doch ganz praktische Konsequenzen, die sich daraus ergeben, sollten längst sichtbar und im Bewußtsein angekommen sein. “Sakramente für alle!” So könnte man das Ergebnis auf einen Satz zusammenfassen.
Die Lehre der Kirche zu Familienplanung, verantworteter Elternschaft, Sexualität allgemein, Homosexualität und gleichgeschlechtliche Partnerschaften, sowie viele andere Punkte mehr finden keine Zustimmung mehr. Der Treppenwitz ist, daß es vermutlich noch viel schlimmer ist, als es das Ergebnis aus Köln erahnen läßt. Wer mit Fragebogen in Kontakt gekommen ist, ist zumindest in irgendeiner Form in den letzten Wochen mit der Kirche in Kontakt gekommen. Es kann der Schluß gezogen werden, daß ein großer Teil der Antworten von (einigermaßen) regelmäßig praktizierenden Katholiken kommt.
Gleichzeitig ergibt sich eine große Unwissenheit, was denn die Kirche in diesen Fragen überhaupt lehrt. Auch hier könnte man es wieder in einem Satz zusammenfassen: “Wir wissen zwar nicht, was die Kirche lehrt, aber es ist Mist.” Wir beziehen diese Weisheit aus der Zeitung und dem Fernsehen. Dort sagt man uns die Правда.
Mist will man nicht glauben, also glaubt man das auch nicht.
Jeden Sonntag in die Kirche “rennen” (BTW: die meisten Kirchgänger kommen mit dem PKW oder in durchaus gemächlichem Schritt.) will man ja auch nicht. Nebenbei bemerkt, teilen ja inzwischen fast 90% der Mitglieder der Kirche auch nicht mehr die Ansicht, man müsse sich an die 5 Gebote der Kirche halten.
So gilt also für die moderne Dogmatik:
1. Es ist alles nicht so ernst gemeint.
2. Was wir glauben entscheiden wir selbst.
3. “Die Kirche” (wahlweise)
- ist sowieso doof
- verarscht die Menschen
- unterdrückt die Menschen
- ist ohnehin nur auf Macht aus
- …
Für diese Gemengelage, die hier mal ein wenig platt ausgedrückt worden ist, gibt es reichlich seriöse Studien, die belegen, daß eine erdrückende Mehrheit der Mitglieder der Kirche tatsächlich den Lehrkorpus der Kirche weitestgehend oder insgesamt ablehnt, bei gleichzeitig hochgradiger Ahnungslosigkeit bezüglich desselben. Das betrifft eben nicht nur die Themen, die nun für die außerordentliche Bischofssynode abgefragt worden sind. Es betrifft den gesamten Glauben und die gesamte Praxis der Kirche. Das ist ein Faktum, an dem auch die schönsten Dialoge, Diözesansynoden, das neue Gotteslob (welches ca. 90% der Kirchenmitglieder nur äußerst selten zu sehen bekommen) und auch Fragebogenaktionen einfach gar nichts.
Es ist müßig darüber zu lamentieren. Es ist müßig, jetzt “das Konzil”, “die Synode” oder “die Bischöfe” dafür verantwortlich zu machen. Von den Bischöfen, die z.B. bei der Würzburger Synode Verantwortung trugen, ist keiner mehr im Amt.
Es geht darum heute eine Antwort auf die aktuelle Lage zu finden. Um eine Antwort zu finden, ist es schlicht und ergreifend notwendig, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Daß dies gesehen ist, wird daran zu erkennen sein, daß endlich, endlich diese leidige, lausige und letztendlich entsetzlich verlogene Aufbruchsrhetorik aus bischöflichen Predigten, Hirtenbriefen, Ansprachen u.ä. verschwindet.
Ich möchte endlich mal von einem Bischof deutlich und klar hören:
Die Glaube in unserem Land ist in einem lausigen Zustand.
Und vielleicht ein paar ehrliche Schlußfolgerungen daraus, wie es weiter gehen soll. Gerne auch das Eingeständnis der Ratlosigkeit. Alles, wirklich alles wäre besser, als diese sonderbaren, doch wertvollen Beiträge zum Dialog, mit denen wir seit Jahren gequält werden.
Anmerkung für alle, die dem Irrtum erliegen, die Kirche könne, wolle oder werde ihre Lehre an den Zeitgeist anpassen oder über den Glauben abstimmen lassen: Vergeßt es!
Beitrag erschien zuerst auf: blog.peter-winnemoeller.de
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