Noch einmal in die Bresche
Noch einmal in die Bresche
Datum: 30.11.2009, 19:02
Nicht, dass ich erwarten würde, dass Leute wie Peter Krause darüber ihre Meinung ändern – mit Daten und Fakten kann man bei diesen Leuten nur etwas anfangen, wenn man sie aus dem Kontext reißt und ideologisch interpretiert. Auch Kreationisten lieben es ja, sich mit vorgeblichen Experten zu brüsten, die gegen den Strom der vorherrschenden Meinung schwimmen, und Holocaustleugner haben auch immer wieder Historiker in ihren Reihen, die sich gegen die falschen Darstellungen der "Siegermächte" wehren.
Stattdessen möchte ich einfach mal ein paar Fragen stellen, die nichts mit den Daten zu tun haben, sondern mit der vermeintlichen Begründung hinter der Verschwörung. Herr Krause fasst ja schön zusammen, wer verantwortlich ist:
Diesen Irrglauben schüren, verbreiten und zementieren Politiker, staatlich finanzierte Wissenschaftler, blau- oder einäugige Umweltschützer, Hersteller von Wind- und Solarstromanlagen sowie fast alle Medien. Und schlachten ihn für ihre Zwecke aus. Mit Hilfe dieses Irrglaubens erlassen Parlamente Gesetze zum vorgeblichen „Klimaschutz“, die uns in den nächsten fünfzehn Jahren Hunderte von Milliarden Euro kosten werden.
Erstens: Was haben Politiker von der "Klima-Lüge"? Sie erlassen Gesetze zum vorgeblichen Klimaschutz, die Hunderte von Milliarden kosten werden. Warum? Ja ja, die Politiker ziehen dem Volk das Geld aus der Tasche, aber wo geht das dann hin? Wäre es nicht politisch klüger, wenn man auf diese Gesetze verzichten würde, um dann eben nicht mit der Last dieser Kosten in den Wahlkampf zu müssen?
Ich würde ein ideologisches Bekenntnis zum Umweltschutz vielleicht noch akzeptieren, wenn es denn die Grünen wären, die an der Macht sind. Sind sie aber nicht. Auch Verbindungen zur Industrie lasse ich nicht wirklich gelten, denn...
Zweitens: Hersteller von Wind- und Solarstromanlagen haben sicher ein Interesse daran, dass ihre Technologien gefördert werden. Aber viele andere Industrien werden durch gesteigerte Umweltrichtlinien nur zur Kasse gebeten, ganz zu schweigen von der Ölindustrie, die wohl das stärkste Interesse daran hat, einen möglichen Klimawandel zu vertuschen – sie sind sozusagen die Tabakfirmen vor ein paar Jahrzehnten, als die Sache mit dem Lungenkrebs ja sogar, wie man heute weiß, in groß angelegten Vertuschungsaktionen in Zweifel gezogen wurde.
Warum also wiegen die Interessen der wenigen positiv betroffenen Unternehmen schwerer als die Interessen der vielen negativ betroffenen?
Drittens: Wenn die Politik tatsächlich so versessen darauf ist, Klimawandel zu "beweisen", dass sie sogar Wissenschaftler bestechen (oder wie sonst ist "staatlich bezahlt" zu verstehen?) – hier sei mir der Hinweis erlaubt, dass einer der angeblich führenden Wissenschaftler (was immer das heißt) aus dem von Herrn Krause zitierten offenen Brief sogar ganz offen für Exxon gearbeitet hat –, warum passiert dann auf den ganzen Umweltgipfeln nichts? Wieder und wieder treffen sich die großen Industrienationen und können kaum etwas verabschieden. Kyoto ist immer noch Stand der Dinge. Das sieht nicht gerade aus, als würde da an einer Strippe gezogen.
Viertens: Die Medien fallen in den Chor mit ein? Ist das sinnvoll? Medien verkaufen sich über Aufmerksamkeit, und ich stimme zu, dass eine etwaige Panikmache sicher Aufmerksamkeit erzeugt. Noch mehr Aufmerksamkeit aber erzeugen Skandale und Kontroversen. Es ist also im Interesse der Medien, Unsicherheit zu übertreiben, nicht geklärte Unterschiede in Daten oder Studien hervorzuheben, o.ä. Nur, dass man die ewig gleichen Vorwürfe (ich sage nur Hockeyschläger) nicht immer und immer wieder hervorholen kann.
Man sieht aber beispielsweise, wenn es um die Impfung gegen die Schweinegrippe geht, wie viel Wert auf kontroverse Meinungen gelegt wird, selbst wenn es keine Kontroverse gibt. Dass "die Medien" dann aber im Falle des Klimawandels plötzlich alle an einem Strang ziehen sollen, erscheint mir zweifelhaft und stellt auch nicht die von mir empfundene Situation dar – schließlich mindestens im letzten Jahr (dieses Jahr weiß ich es nicht genau) ein unsäglicher Film im Fernsehen, der Al Gores "unbequeme Wahrheit" nicht (nur) mit berechtigter Kritik, sondern auch mit Lügen und Falschdarstellungen in den Schlamm zu ziehen versuchte.
Fünftens: Was haben Wissenschaftler davon? Wie im oben verlinkten Artikel des Scientific American steht, sind die Forschungsgelder (in den USA) in diesem Bereich nicht angestiegen. Wäre es außerdem in einer Situation, in der die überwiegende Mehrheit von Klimaforschern zur Lüge gezwungen ist, besonders profitabel, die Wahrheit zu verkünden? Wenn man unwiderlegbare Beweise von Datenmanipulation hätte, oder den Klimawandel widerlegen kann, dann kann man einerseits sicher gute Forschungsgelder in der Privatwirtschaft bekommen, vielleicht sogar eine feste Anstellung in einem Labor (von Exxon?); und gleichzeitig ist man als jemand, der so eine Verschwörung aufdeckt, doch möglicherweise auch ein Medienstar und kann Bücher verkaufen und seine Lebensgeschichte an Hollywood geben. Ganz davon ab, dass man die Wahrheit gesagt hat.
Das erinnert mich an ein Gespräch mit einem Kreationisten, der mir versicherte, alle Fossilien seien Fälschungen, und alle damit in Kontakt kommenden Wissenschaftler seien Teil der Verschwörung. Eine solche Masse von still schweigenden Leuten ist extrem unwahrscheinlich.
Gerade in der Wissenschaft. Es gibt sicher kein Fachgebiet, dass nicht berühmte Streitigkeiten zwischen großen Vertretern dieses Faches kennt. In der Wissenschaft gehört es dazu, ein Arschloch zu sein und anderen Wissenschaftlern einen reinzuwürgen. Ich verweise gerne auf den Beitrag Because as we all know, the Green Party runs the world ((via a href="http://www.boingboing.net/2009/11/26/scientist-explains-w.html?utm_sour…" target=_Blank>BoingBoing)); der diese Tatsache wunderbar beschreibt. Wissenschaftliche Positionen leben davon, andere Positionen in der Luft zu zerreißen. Ein Konsens in der Wissenschaft ist keine Garantie, dass der Konsens der Wahrheit entspricht, aber ein gutes Zeichen.
All das ficht sicher Leute wie Herrn Krause nicht an. Weder Daten, noch Fragen wie die meinen werden in das Hirn eines Leugners durchdringen, zu stark ist er in seiner ideologischen Position gefangen. Es hilft auch nichts, wenn ich dazu schriebe, dass es sehr wohl Gebiete gibt, in denen man gerade über die Zukunftsprognosen und die erforderlichen Handlungen streiten kann. Ich werde es sein, der als engstirnig gesehen wird, als dogmatisch – zum Glück bin ich kein Klimaforscher, sonst wäre ich noch Teil der Verschwörung. Denn einem Laien kann man nichts glauben, weil der keine Ahnung hat, und ein Experte steckt ja eh mit drin.
Ich war ehrlich zugegeben sogar überrascht. Bislang hatte ich angenommen, dass es niemanden mehr gibt, der ernsthaft den Klimawandel leugnet, dass die Position inzwischen nur mehr ist, den menschlichen Anteil und vor allem die Folgen zu bezweifeln. Aber auch da hat Herr Krause mich eines Besseren belehrt.
All das wäre egal, wenn Leute wie Herr Krause nicht die Ängste der Bevölkerung treffen würden – oh ja, auch hier ist Panikmache angesagt. Die Panikmache besteht darin, Angst vor der großen Unbekannten "Wissenschaft" zu machen, und Angst vor dem Staat zu schüren. Diese beiden düsteren Entitäten, gestützt von den ebenso finsteren Medien, wollen an unser ehrlich verdientes Geld.
Im Endeffekt kann man alle Vorwürfe, die Kritiker wie Herr Krause an die angeblichen Klimaverschwörer richtet, auch an die Gegenseite richten, entkräften, oder beides. Und es ist egal. Was am Ende zählt, sind dann nämlich doch die Daten. Und die sprechen eine klare Sprache.
(natürlich kreuzgeschrieben auf Derangierte Einsichten)
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