Kein Kreuz im öffentlichen Raum

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Kein Kreuz im öffentlichen Raum
Datum: 11.11.2009, 09:51

Ich war mir eigentlich sicher, dass eine der Erwähnungen des "großen Milton Friedman" oder eine der Forderungen nach mehr Gier mich dazu veranlassen würde, in der Freien Welt negativ aufzufallen. Jetzt ist es aber doch anders gekommen, denn die 12 Thesen, die Josef Bordat für Europe for Christ veröffentlichte, verlangen eine Entgegnung.


Es erstaunt mich, dass die Frage der Religionsfreiheit immer noch ein Problem für manche darstellt. Es sollte mittlerweile selbstverständlich sein, dass Religionsfreiheit sowohl positive wie negative Freiheit bedeutet, also sowohl die Freiheit, seine Religion auszuüben, wie auch die Freiheit anderer, nicht zu einer Religion gezwungen zu werden. Dazu gehört – auch vor dem Hintergrund eines säkularen Staates – eben die Neutralität des öffentlichen (i.S. von staatlichen) Raumes. Und Schulen sind ein solcher Raum, wie man in Bayern schon 1995 erfahren durfte und wie in den Diskussionen um Kopftuchverbote immer wieder zum Ausdruck kommt.
In den Thesen kommt aber zum Ausdruck, hier werde die "Konfrontation", die Begegnung mit Religion verboten. Das ist, mit Verlaub, Unsinn. Eine in staatlichen Gebäuden zur Schau gestellte Religion impliziert eine Staatsreligion, eine allgemeine Identifikation aller Vertreter der entsprechenden Institution.


Mir gefällt, dass die Thesen explizit die "slippery slope" erwähnen, jenen schlüpfrigen Abhang, der eine häufige Argumentationsschwäche aufdeckt, nämlich die Überzeichnung von Konsequenzen. Wenn wir heute Homo-Ehe einführen, dürfen Leute morgen Hunde und Kinder heiraten. Ebenso verhält es sich mit der vermeintlichen Verfolgung von Christen aufgrund ihres Glaubens; eine slippery slope ist keineswegs ein gültiges, sondern ein ungültiges Argument.


Immer wieder geht es um die "Konfrontation" mit christlichen Werten, als werde diese durch das Urteil verhindert. Wird sie nicht. Auch an meiner Kruzifix-freien Universität bin ich schon mehrfach angesprochen worden, um mich zu bekehren, und allenthalben wird auf die Aktivitäten bspw. der Evangelischen Hochschulgruppe aufmerksam gemacht. Ich werde ständig mit Religion konfrontiert, nur nicht von staatlich-offizieller Seite. Das ist der Sinn hinter diesem Urteil.


Dann wird die englische Krankenschwester angesprochen, der angeblich das Kruzifix verboten wurde. Leider verhält es sich nicht ganz so, wie behauptet wird. Das Krankenhaus (nicht der Staat!) hat eine neue Uniformregelung erlassen, und demnach muss die Krankenschwester ihr Kreuz ablegen – oder es unter der Kleidung tragen. Das ist kein Religionsverbot. Im Gegenzug kann ich von atheistischen Kindergärtnerinnen und lesbischen Krankenschwestern erzählen, die tatsächlich ihre Identität verleugnen müssen, um ihren Job in christlichen Anstalten nicht zu verlieren. Da sollte man das Maß im Auge behalten.


Zwei Dinge müssen noch gesagt werden. Erstens ist es unerheblich, ob die Mehrheit der Befragten das Kreuz behalten will; es ist ja gerade Zeichen unseres Rechtsstaates, dass es die Rechte von Minderheiten auch gegen die Mehrheit schützt, und in dem vorliegenden Fall fand eben eine Rechtsverletzung statt. Das ist der wichtige Punkt: hier wird nicht der Wille von Minderheiten zum Gesetz gemacht, sondern die Rechte eines jeden Menschen auch für Minderheiten durchgesetzt.
Zweitens ist der Satz, das Kreuz sei das Zeichen Europas, weitgehend inhaltsleer. Europa als Wiege des Christentums ist natürlich durch selbiges geprägt, aber ebenso könnte man die Aufklärung dafür benennen, wenn sie denn ein Symbol hätte. Allerdings wird dadurch das Kreuz nicht zu einem neutralen Kultursymbol, dass man quasi neben der Europaflagge aufhängen kann, sondern es ist immer noch eine "Landesflagge", die Kennzeichnung einer bestimmten Denomination. Es ist nicht der Weihnachtsmann – der kann zu jedem kommen –, sondern das Christkind, und das kommt nur zu Christen.


(kreuzgeschrieben auf Derangierte Einsichten)

Sven von Storch

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