Nobelpreis für „Physiologie & Medizin“ an Bundesverfassungsgericht?

Am 14. Dezember 2018 hat Frau Beatrix von Storch im Deutschen Bundestag eine bemerkenswerte Rede zur Gender-Frage gehalten, wobei sie hierbei eine geisteswissenschaftliche „Glanzleistung“ vorstellen konnte. Mit der Neuentdeckung einer bisher den Biologen unbekannt gebliebenen Intersex-Definition zum vermeintlichen „diversen (3.) Geschlecht“ sollte man den Juristen des Bundesverfassungsgerichts einen naturwissenschaftlichen Nobelpreis zuerkennen.

Veröffentlicht: | von

Als der schwedische Chemiker Alfred Nobel (1833–1896), nach dem das Element Nr. 102 (Nobelium) benannt wurde, seinen jährlich vergebenen Preis auslobte, war die Biologie noch dabei, sich als eigenständige universitäre Disziplin zu etablieren. Daher veranlasste der kinderlos gestorbene Multi-Millionär (und Erfinder des Dynamits) in seinem 1895 niedergeschriebenen Testament, das Gebiet der „Physiologie oder Medizin“ mit einem jährlichen Nobelpreis zu versehen. Eine entsprechende Würdigung für „Biologie“ (einschließlich Biochemie bzw. Biophysik) gibt es aus historischen Gründen nicht –Verhaltensforschern (z. B. Konrad Lorenz, 1973) wurde aber diese Ehre zuteil.

Wie Frau von Storch in ihrer Rede (https://www.youtube.com/watch?v=KOknoeLSRfg) korrekt ausführt, setzt sich im politisch-gesellschaftlichen Raum immer mehr die „Irrationalität gegenüber der Vernunft“ durch, eine bedenkliche Entwicklung, die u. a. auf die sozialkonstruktivistische Gender-Ideologie zurückführbar ist (1). Unter den derzeit bundesweit ca. 83 Millionen Einwohnern soll es etwa 160.000 intersexuelle Menschen geben, das sind 0,2 % aller hier lebenden Personen. Wie Frau von Storch berichtet, haben die Juristen des BVerfG die Intersexualität („divers“ genannt) neu definiert. Intersexuelle sind demnach neuerdings jene Personen, deren Geschlechtsentwicklung gegenüber den männlich/weiblichen Versionen „Varianten“ aufweisen, die sich selbst nicht dauerhaft den beiden Geschlechtern zuordnen lassen. Aus dieser Begriffsbestimmung kann man entnehmen, dass bei der vorgeburtlichen Herausbildung der Zweigeschlechtlichkeit das „Selbst“ des Menschen einwirkt – eine erstaunliche Hypothese!

Fakten, Fakten, Fakten …

Da ich seit ca. 40 Jahren das Geschlechtsleben (Sexualverhalten) hermaphroditischer Anneliden erforsche, und in dieser „Kopulations- und Befruchtungskunde“ zwittriger Ringelwürmer international ausgewiesen bin (2), erlaube ich mir den nachfolgenden fachlichen Kommentar. Vor 150 Jahren (1868) hat der deutsche Pflanzenphysiologe Julius Sachs (1832–1897) die Sexualität als „Zellenvereinigung“ bzw. „Gameten-Kopulation“ definiert, wobei es exakt zwei Geschlechter gibt: Spermien-Produzenten (Männchen) und Eizellen-Lieferantinnen mit der Funktion, Nachwuchs zur Welt zu bringen (Weibchen). Diese Zweigeschlechtlichkeit ist im Prä-Kambrium (vor mindestens 550 Millionen Jahren) in den Urozeanen entstanden und hat sich seither als evolutionär stabile Strategie der bisexuellen Reproduktion im Tier- und Pflanzenreich bewährt (3). Ein „drittes Geschlecht“ wurde im Verlauf der letzten 150 Jahre von keinem Biologen entdeckt – es existiert nur in der Phantasie gewisser, mit der Gender-Ideologie vernebelter Sozialkonstruktivisten.

Bei Intersex-Personen (0,2 % der Population) kommt es zu vorgeburtlichen Entwicklungsstörungen (Fachbegriff: Disorders of Sexual Development, DSD), wobei in der Regel im Erwachsenenalter eine Sterilität vorherrscht. Die nachgeburtlich/pubertäre Geschlechtsentwicklung (Gender) verläuft dort nicht wie bei über 99 % aller „Normalfälle“, sondern bleibt irgendwo „dazwischen“ stehen. Da die betreffenden Personen in der Regel weder funktionstüchtige Spermien noch befruchtungsfähige Eizellen hervorbringen können, sind sie auch nicht in der Lage, über innere Befruchtungsvorgänge (Gameten-Kopulationen, d. h. Sex-Akte) Nachwuchs zu generieren – auch wenn sie „Selbst“ das wollen (1, 2, 3).

Nobelpreis-würdige Juristen-Entdeckung

Sollten sich die Annahmen der BVerfG-Rechtsgelehrten von einer subjektiven (sich selbst zuordenbaren) „Variante“ der menschlichen Geschlechtsentwicklung als korrekt erweisen, würde das einen Paradigmenwechsel in der molekularen Entwicklungsbiologie herbeiführen. Dies könnte durchaus mit einem Nobelpreis für „Physiologie & Medizin“ belohnt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses neue, revolutionäre Konzept der Biowissenschaften experimentell verifiziert werden kann, ist allerdings äußerst gering.

Nebenbei bemerkt: „divers“ sind die Ursachen der Intersexualität (z. B. Chromosomen-Anomalien usw.); eine juristische Kategorie „inter“ (neben m/w), die nichts mit einem fiktiven „dritten Geschlecht“ zu tun hat, wäre allerdings zur Selbst-Definition dieser Personen sinnvoll.

 

Literatur

1. Kutschera, U. (2018) Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen. 2. Auflage. LIT-Verlag, Berlin.

(http://www.lit-verlag.de/isbn/3-643-13297-0)

 

2. MercatorNet: An evolutionary biologist dissects gender theory (12.09.2018)

(https://www.mercatornet.com/conjugality/view/an-evolutionary-biologist-dissects-gender-theory/21707)

 

3. Kutschera, U. (2019) Physiologie der Pflanzen. Sensible Gewächse in Aktion. LIT-Verlag, Berlin. (http://www.lit-verlag.de/isbn/3-643-14226-9)

 

YouTube-Videos zum Thema:

AK Evolutionsbiologie: https://www.youtube.com/user/evolutionsbiologenDE

Freie Welt TV: https://www.freiewelt.net/nachricht/freie-welt-tv-das-ganze-bild-wer-die-familie-zerstoert-der-zerstoert-alles-10074344/

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Ihnen hat der Blog gefallen? Bitte
unterstützen Sie mit einer Spende unsere
Plattform damit wir auch künftig diesen
Service anbieten können.

Kommentare zum Artikel

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars die Regeln höflicher Kommunikation.

Gravatar: Karl Biehler

Und ich hatte gedacht, dort sitzen so eine Art von Eunuchen.

Gravatar: Karl Napp

Typisch für die omissive Verlogenheit der grün-roten Staatssender ARD/ZDF, daß man bei ihnen nichts über diese aufklärende Rede von Frau von Storch gesehen/gehört hat.

Gravatar: karlheinz gampe

Das heißt Gendertypen sind eigentlich kranke Menschen, denn die natürliche Entwicklung hat durch krankhafte Ursachen nicht statt gefunden. Nun machen kranke Juristen also etwas Krankes, etwas Widernatürliches, etwas Abnormes zu einer Norm. Idioten haben inzwischen viele Positionen unseres Landes besetzt. Kranke, rote 68 Chaoten haben viele Positionen der Gesellschaft mit ihrem Marsch durch die Instanzen besetzt. Das Chaos wird zur Norm.

Gravatar: Hans-Peter Klein

Was Sie bezgl. der Gender-Diskussion beobachten , die Übernahme geisteswissenschaftlich postulierter Thesen zu naturwissenschaftlichen Sachthemen hinein in die politische Diskussion,
das lässt sich analog zumindest teilweise auch auf die Umweltdiskussion übertragen.
Das regelrechte „rumreiten“ auf der CO2-Problematik lenkt den Fokus weg von der viel umfassenderen Ressourcenproblematik: wir betreiben Raubbau gigantischen Ausmaßes, das Verbrennen fossiler Ressourcen ist ein zwar gewichtiger doch sehr selektiver Faktor, die insgesamte menschenverursachte Verwüstung durch Raubbau und Umweltverschmutzung insgesamt gehört in den Fokus der öffentlichen Diskussion.
Der Grund dürfte in der politischen Vorgabe liegen:
Zu hohe Komplexität des Themas, daher Vereinfachung und Reduktion in diesem Fall auf den Treibhauseffekt.
Das Gute daran:
Politische Vorgaben zur Vermeidung menschenverursachter Klimaschäden wirken positiv rückgekoppelt auf die Umwelt als Ganzes.
Bei der Gender- Diskussion handelt es sich um eine typisch ideologiegetriebene Kopfgeburt, das kann man von der Umwelt schwerlich behaupten.
MfG, HPK

Gravatar: asisi1

Kann ich denn auch meinen Wusch nach Geschlecht bei der Rentenkasse vorbringen? Da könnte ich doch theoretisch früher in Rente gehen!

Gravatar: Klingler

@Hans-Peter-Klein
"Politische Vorgaben zur Vermeidung menschen-verursachter Klimaschäden wirken positiv rückgekoppelt auf die Umwelt als Ganzes."
Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass es den oberen Herrschaften darum geht. Es ist Krieg. Die Umwelt ist ein Schlachtfeld davon. Hier geht es um die Dekarbonisierung der Wirtschaft, aber nicht der gesamten Weltwirtschaft sondern nur von globalen Teilen. Das andere Schlachtfeld ist Wasser.
Hr. Kutschera - meine vollste Zustimmung für ihren Beitrag. Vielleicht sollte man wirklich einen Antrag auf Verleihung stellen, um endlich dieses Thema zu klären und den roten Roben ihre politische Motivation zu beweisen.

Gravatar: Rainer Brandl

Lassen Sie mich raten Prof. Kutschera: Sie haben an der Rede mitgeschrieben! Bravo!! Endlich Politiker, die sich von Fachleuten beraten lassen.

Gravatar: Karl Brenner

Also ich habe aus den Schriften der Bundesärtzekammer einen Anteil von max 10.000 Menschen (verm dann ohne Turner und Klinefelder. Bei den beiden Fällen ist es eigentlich klar). Das macht auf 82 Millionen dann 0,012%

Ein Riesenhype. Minderheitenfetischismus hat das mal jemand genannt.

(Begleitartikel „Varianten der Geschlechterentwicklung“)
Deutsches Ärzteblatt | Jg. 112 | Heft 13 | 27. März 2015

Viele Formen von DSD. Von schwerwiegenden Abweichungen der Geschlechtsentwicklung sind in Deutschland nach Angaben der Bundesregierung etwa 8000 bis 10000 Menschen betroffen.

Gravatar: Roger R

Normale Parkplätze. Frauenparkplätze. Weiß-noch-nicht-so-genau-Parkplätze. Transgender-Parkplätze. Transvestiten-Parkplätze. Lady-Boy-Parkplätze. Crossdresser-Parkplätze. DWT-Parkplätze. Warte-noch-auf-die-Zusage-der-Krankenkasse-Parkplätze. Ganz-sicher-Mann-Parkplätze... boah ;-)

Schreiben Sie einen Kommentar


(erforderlich)

Zum Anfang