No jokes with names!

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Ich weiß, ich weiß. Es ist billig, unter jeder Gürtellinie, ja unter aller Sau, Leute wegen ihres Namens zu veräppeln. Fick ist in meinem ländlichen Lebensumfeld, wo es auch Ortschaften wie Hymendorf, Drangstedt und Flögeln gibt, ein nicht ganz ungeläufiger Nachname. So what? Niemand namens Fick will ja Bundeskanzler_in werden. Die Spediteure Kai Rammelt und Harald Sticht, deren LKW mir manchmal auf der Hamburger Köhlbrandbrücke begegnen (leider nie in Parallelformation, anderenfalls ich wohl der Versuchung erlegen wäre, mein Smartphone zu zücken) - was können die dafür, dass sie so heißen? Wolke (Hegenbarth), Jimi Blue und Wilson Gonzales (letztere vom Stamme Ochsenknecht), alle drei sind Schauspieler. Da kann ein aparter Name als Alleinstellungsmerkmal ganz nützlich sein. Aber Peter Todeskino?

Peter Todeskino von den Grünen ist Bürgermeister von Kiel. Momentan geht sein Name über den Fördebereich hinaus durch überregionale Medien. Weil nämlich die Oberbürgermeisterin der Stadt, Susanne Gaschke, ziemlichen Mist gebaut hat und auch er, Peter Todeskino, natürlich dazu befragt wird. Ich nehme an, er meldet sich am Telefon mit Todeßkinnó. Oder ganz unpersönlich, wie der Kieler „Tatort“-Brummelbulle Borowski alias Axel Milberg mit „Ich höre“. Aber hilft das auf Dauer wirklich? Angenommen, der Vollblutpolitiker würde mal Kulturstaatssekretär und müsste beim Filmfest Schleswig-Holstein sprechen? Womöglich gar die „kulturelle Filmförderung“ kräftig kappen, weil es seinem Bundesland an Geld gebricht?

Nicht auszudenken, welche wohlfeilen Witze die Journaille dann reißen würde.

Für einen solchen Fall mein Vorschlag. Wäre es nicht irgendwie namensrechtlich machbar, „Todeskino“ mit jemandem zu tauschen, für den dieser Name viel passender ist? Und im Gegenzug fortan dessen Allerweltsnamen zu führen? Graf (Dominik) oder Gremm (Wolf) fallen mir spontan ein. Die beiden sind Film- und Fernsehschaffende, welche sich seit Jahrzehnten – auf durchaus unterschiedliche Art, aber gleichermaßen erfolgreich – darum bemühen, möglichst wenige Zuschauer vor ihren Werken zu versammeln. Graf kassiert zur Belohnung einen Grimme-Preis nach dem anderen. Zehn hat er schon, wenn ich auf dem Laufenden bin. Gremm ist leider weder beim Publikum noch bei der Kritik angesagt. Hat dafür eine hochkarätige Gattin an seiner Seite, die sein Hobby Filmemachen unterstützt (die Berliner Produzentin Regina Ziegler).

Peter Gremm oder Peter Graf: das wäre ein Name für den Kieler Bürgermeister, der sicher noch eine große Zukunft vor sich hat! Und Dominik (beziehungsweise Wolf) Todeskino, das würde Film- und Fernsehinteressierte gleich auf die richtige Spur bringen und manche Enttäuschung vermeiden helfen.

Ansonsten gilt, wie schon gesagt: No jokes with names.

Beitrag erschien zuerst auf: achgut.com

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