Der Schoß ist wieder fruchtbar

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Der Schoß ist wieder fruchtbar
Datum: 27.03.2017, 12:52

Vorausgesetzt, es geht ihm heute gut und besser als morgen, übermorgen, in einer Woche, in einem Monat oder in einem Jahr.

Doch manchmal sind die Zeiten unsicher. Aktien stürzen, Arbeitsplätze gehen verloren, die Umgebung verändert sich und die Unsicherheit benebelt den Verstand. Dann braucht der Mensch einen Sündenbock. Dies zumindest ist sicher. Glücklicherweise existiert in der menschlichen Geschichte ein verlässlicher Sündenbock, auf dem man in der Not stets zugreifen kann. Und die Zeiten sind gerade unsicher.

Kommen wir zu den Friedensaachenern. Der Aachener Friedenspreis wird jährlich verliehen, wobei der Bepreiste kein politisch Rechtsaußen sein darf, es sei denn, er hetzt gegen Juden und insbesondere gegen Israel. Ob er jemandem nützt, beispielsweise den entrechteten Palästinensern in Syrien, Libanon oder Gaza, ist nicht relevant. Einzig wichtig ist, dass herausgearbeitet wird, dass die Juden die eigentlichen Nazis sind. So entlasten die Aachener ihr schlechtes Gewissen, deren Väter und Mütter und Großväter und Großmütter zugeschaut haben, ohne zu fragen und sich zu wundern, wie und warum alle Juden verschwunden sind. Das schlechte Familiengewissen der Aachener ist ebenfalls eine Konstante, auf die Verlass ist.

Die Zeiten sind jetzt nicht allein unsicher, sondern zudem widersprüchlich. Die Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak sollten das Heil bringen. Sie werden wie Könige im Bahnhof von München empfangen, um vergessen zu lassen, dass die Juden an der Rampe von Auschwitz, dem damaligen Auschwitzer Bahnhof, aus den Viehwaggons herausgezerrt worden sind, um selektioniert zu werden: gleich sterben oder vorher noch arbeiten. Die Goldzähne werden allen gezogen. Damals wie heute kennen die Deutschen keine Obergrenze. Alle Flüchtenden sollen heute in Deutschland glücklich werden, so wie alle Gequälten damals ermordet werden sollen. Doch unvermutet wehren sich einige undankbare Ersatzjuden und bomben und töten und vergewaltigen. In Frankreich, in Belgien, in den Niederlanden, in England. Wann kommen wir dran? Wann werden wir endlich erlöst? Wenigstens sind die Ersatzjuden auch Judenhasser. So wie manche Juden, die in Aachen den Friedenspreis empfangen.

Die unsicheren Zeiten erzwingen sichere Reaktionen. Die Aachener Zeitung veröffentlicht auf der ersten Seite am 24.02.2017 eine kleine, aber entscheidende Notiz. Die Aachener Friedenstage, ein Euregioprojekt-Frieden.org, werden bald eröffnet. Liest man dort die Veranstalter, so erfährt man, dass sich Stalin mit Luther verbündet hat. Endlich ganz unten steht das Ersehnte: Song für Gaza. Eine offene Bühne in Aachen für Judenhasser (Schwein mit Judenstern) und Israel vernichten wollenden Boykotteuren. BDS heißt es heute, bedeutet jedoch wie vor Jahrzehnten: Kauft nicht beim Juden, ruiniert sie, zerstört ihre Lebensgrundlage! Ein Link führt zum jüdischen Selbsthass, wo genüsslich der „jüdische Dschihadismus“ beschrieben wird. Aachen, du sollst es wissen! Nicht die muslimischen Ersatzjuden aus Syrien, dem Irak, Pakistan und Nordafrika morden und bomben in London, in Paris, in Brüssel und in Berlin, sondern die echten Juden! Aachen, begehe keinen Fehler! Schalte verbal den Gasofen ein! Diesmal werden sie uns nicht entrinnen! Besucht massenhaft das Euregiofriedensprojekt! Vor Jahren habt ihr folgsam den arabischen Märchen gelauscht, die aus Juden Nazis machen (und aus Nazis Unschuldige). Das hat euch und den Zeitungen gefallen. Aachen, wir verlassen uns auf euch!

Mitten in Aachen gibt es eine Jüdische Gemeinde, die zuweilen von der Polizei bewacht wird. Früher, sehr viel früher, sind die Juden geachtet gewesen, heute werden sie gerade noch toleriert. Ihr Einfluss ist nicht vorhanden. Wenn sie sich beschweren würden, würde man sie auslachen. Opfer haben jedoch nicht die Pflicht, sich zu wehren. Hierzu gäbe es eine Deutsch-Israelische Gesellschaft, die sich für lokalpolitisch einflussreich hält. Doch diese ist allzu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Währenddessen steigen die Wohnungspreise in Israel. Man munkelt, dass solch unsichere Zeiten dem Messias vorangehen und deshalb alle Juden sich in Israel versammeln werden. Die Juden aus Deutschland bringen als Erinnerung aus der Heimat die neuesten Ausgaben des Völkischen Beobachters mit, der heute anders heißt.

Sven von Storch

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