Zum Stand der Meinungsfreiheit in Europa

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Zum Stand der Meinungsfreiheit in Europa
Datum: 27.02.2014, 15:37

Nahezu zeitgleich erreichen mich die Information eines kleinen rechten Verlages, dass amazon klammheimlich und ohne jede Begründung sämtliche aktuellen Bücher desselben aus dem Angebot genommen hat – keine Sorge, Lenins und Stalins Werke kann man dort weiterhin beziehen (und immerhin das ist gut so!) –, sowie der Brief eines aus der diskursiv sich permanent besinnenden deutschen Öffentlichkeit seit längerem exkommunizierten Professors, der sich darüber beschwert, dass in offiziellen und halboffiziellen (i.e. Medien-) Darstellungen der Reichskristallnacht im vergangenen Jahr entgegen der von ihm sauber dokumentierten Quellen, ja diese oft in ihr Gegenteil verkehrend, der Eindruck erweckt wurde, "die" Deutschen hätten weiland der Judenverfolgung freudig "johlend" ihre Zustimmung nicht versagt, aber keine hiesige Gazette sei bereit gewesen, seine Version abzudrucken. Und nochmals zeitgleich erfahre ich nahezu unisono aus sämtlichen Medien, das neue Sarrazin-Buch sein ein (weiterer) Schmarr'n eines PR-geilen Querulanten, denn in der Bundesrepublik walte natürlich Meinungsfreiheit, was allein daran zu erkennen sei, dass einer wie Sarrazin publizieren und Talkshows besuchen dürfe.

Bei der Berliner Pressekonferenz, auf welcher der dissidente Sozi sein Buch präsentierte, wurde ihm genau dieser Vorwurf genüsslich unterbreitet, worauf der neben Sarrazin auf dem Podium sitzende Mainzer Medienprofessor Kepplinger bemerkte, dass es darum gar nicht gehe, denn zwar sei Sarrazin durch seine Prominenz und seine hohen Auflagenzahlen in die kommode Situation versetzt worden, seine Ansichten medienverstärkt (und, wie ich mir anzumerken gestatte, medienverzerrt) unters Volk zu bringen, aber all die namenlosen anderen, die wie er dächten, besäßen diese Gelegenheit nicht (bzw. allenfalls im privaten Kreis), weil sie eine nicht ganz unbegründete Angst vor den Konsequenzen hätten. Schon kündigt irgendeine Toleranz-Kommission der EU an, dass Sarrazin zum Schweigen gebracht werden müsse, womit der Schulterschluss zwischen Brüssel und der Antifa hergestellt wäre, wie überhaupt innerhalb der Brüsseler Politbürokratie interessante Pläne zur toleranzfördernden Bevormundung und antirassistischen bzw. -sexistischen Lenkung der europäischen Presse zirkulieren. Wir gehen ersichtlich großen Zeiten entgegen.

Ebenfalls erschienen auf michael-klonovsky.de

Sven von Storch

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