Tired with al these

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Tired with al these
Datum: 19.03.2014, 15:05

Gestern griff ich wieder zu einem meiner Lieblingsbücher: Der Privatgelehrte Ulrich Erckenbrecht, der jenseits von amazon und Buchhandel seit vielen Jahren seinen Selbstverlag (Muriverlag Göttingen) betreibt, ein Chopin- und Shakespeare-Liebhaber, hat dort das 66. Sonett des Engländers in weit über hundert deutschen Übersetzungen veröffentlicht und es selber allein 15mal ins Deutsche übertragen (seine Versionen sind alle zu finden unter: poetenladen.de; es bleibt dabei, dass von diesen meinen Seiten niemals ein Link irgendwohin und also nicht einmal auf den Helikon führt), woraus man unter anderem entnehmen darf, dass es unter uns immer wieder von den Grazien geleitete Zeitgenossen gibt, die ihre Tage mit schönen und sinnvollen Beschäftigungen verbringen. Besagtes Sonett – "Tired with al these, for restful death I cry" –, dieses Lieblingsopus der Nichteinverstandenen, vom alltäglichen Opportunismus Angewiderten, findet in jeder Zeit seine Adressaten und Anlässe, und wenn auch die wohl textnaheste und brillanteste Nachdichtung von George stammt, will ich hier die von Günter Zehm zitieren, weil sie meinem Augenblickgefühl am nahesten kommt:

Müd alles dessen, sehn ich mich nach Tod,

So wenn Verdienst geht unterm Bettlerhut

Und pures Nichts in herrscherlichem Rot

Und frömmster Glaube hohnvoll ausgebuht

Und wichtigste Ämter schändlich mißverwandt

Und Mädchenehre grell als Witz belacht

Und große Tat in Bosheit umbenannt

Und Macht per Impotenz auf Null gebracht

Und Kunst vom Zeitgeist elend eingeschnürt

Und Wissenschaft ein einziges Narrenschrein

Und schlichter Fakt als Dummheit denunziert

Und Sklave Gut in Hand von Käptn Schwein...

Des allen müd, wünsch ich, weit wegzugehn.

Doch wer wird dann nach meiner Liebe sehn?

 

Sehr weit davon entfernt, aber irgendwie sympathisch übrigens die Version auf "Kanakisch" von Kerim Köstbeck:

Tot will isch sein, weg von was stinkt hier so.

Sossialamt sitztu rum wie Bettla, Lan,

Und gibt kein Spas wo lachen, is blos Show,

Und wenn du ein vatraust, der scheist disch an,

Und was is Arsch, kriekt Orden angesteckt,

Und Kindaficka sitzen nischt in Haft,

Und alles, was is falsch, jetz heißt 'korrekt'.

Und is wie Bein in Gips und weggeht Kraft,

Und Werbung sagt dir vor, was schön sein soll,

Und Lehra gar nix weiss, gibt Untarischt,

Und wer wo sprischt blos gans normal, heißt 'Proll',

Und machen, was Idiot dir sagt, is Pflischt.

Weg will isch, aba geht nisch. Bin isch Schwein?

Lass isch hier doch mein Freundin nischt allein.

Beitrag erschien zuerst auf: michael-klonovsky.de

Sven von Storch

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