Lenin-Bände neu erwerben
Lenin-Bände neu erwerben
Datum: 30.04.2014, 14:03
Wenn man sich die Hysterie und Verzweiflung der deutschen Offiziellen (auch der kurzzeitig Untergetauchten) nach dem Diktat von Versailles vor Augen hält und daneben die Amoklaufbereitschaft der führenden Bolschewiken nach dem "Raubfrieden" von Brest-Litowsk, kann man die Nervenkraft und den Schneid Lenins nur bewundern, der sagte: Wir zahlen jeden Preis für die Revolution, auch wenn sie nur in einem russischen Rumpfgebiet stattfindet, und dann holen wir uns alles wieder zurück. Er war ja keineswegs unangefochten unter seinen Spießgesellen, sie hätten ihn als Landesverräter an die Wand stellen können (Trotzkis Stimme verschaffte ihm wohl die rettende Mehrheit). Auch im Volk besaß Lenin zu dieser Zeit keinerlei Rückhalt; es war nicht so, dass man in Russland auf ihn gewartet hatte, wie die spätere Propaganda suggerierte, im Gegenteil, er galt als dubioser Geselle mit unklarer Legende, womöglich ein deutscher Agent, der dem Kaiserreich die Ostfront vom Halse schaffen und Russland aus dem Krieg lösen sollte (was ja durchaus zutraf), und auch seine ersten öffentlichen Auftritte hinterließen wenig Eindruck. Er handelte damals buchstäblich unter Einsatz seines Kopfes, aber kalt bis ans Herz. Es war falsch, dass ich meine Lenin-Bände beim postrealsozialischen klar-Schiff-Machen anno 1990 weggeschmissen habe; ich werde einige davon neu erwerben müssen.
Beitrag erschien auch auf: michael-klonovsky.de
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