Heidegger im literarischen Dschungelcamp
Heidegger im literarischen Dschungelcamp
Datum: 28.05.2014, 14:30
Sie behauptete, der Denker habe in den „Schwarzen Heften“ notiert: „Die verborgene Deutschheit müssen wir entbergen, und das tun wir, indem wir die Juden endlich beseitigen aus Deutschland.“ Worüber soll man jetzt mehr staunen: über den rasenden Denunziationswillen dieser trostlosen Dame – oder über ihre monumentale Unbildung? Denn dass allein diese Syntax nicht von Heidegger stammen kann, ist ja offenkundig; man darf also folgern, dass die fesche Buchhochhalterin noch nie eine Seite von ihm gelesen hat. Für eine vermeintlich literarisch tätige Person ist das höchst bemerkenswert – also nicht, dass sie Heidegger nicht kennt, das muss sie nicht, das ist nicht ihr Metier, sondern dass sie meint, trotz ihrer vollendeten Ahnungslosigkeit den Philosophen mal eben die Juden vernichten gewollt haben lassen zu dürfen, dass, mit einem Wort, sie und gerade sie ein kern- und knalldeutsches Nazissen-Gemüt zur Schau stellt (von der Gnade der späten Geburt zu sprechen wäre taktlos angesichts ihrer doch recht frühen). Freilich wird man mit dergleichen Denunziationen in diesem kranken Land allweil rechnen müssen, und Heidegger gehört, wie sukzessive alle nicht im KZ befindlichen Deutschen der Jahre 1933-45, seit geraumer Zeit in den erlauchten Zirkel der hierfür uneingeschränkt Freigegebenen. Interessanterweise hat der Literaturbeschwaflerin Heidenreich, die sich offenbar nicht vorstellen kann, dass es Autoren gibt, die allein an ihrem Stil zu erkennen sind, weder ihre Bösartigkeit noch ihre Unbildung geschadet; vielmehr hat der Sender den Co-Moderator entlassen, weil der durch sein Inistieren darauf, dass sie im Unrecht sei, das Image der Gebenedeiten unter den Literaturweibern beschädigt habe. Helas!
Beitrag erschien zuerst auf: michael-klonovsky.de
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