Deutsche demokratische Öffentlichkeit

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Deutsche demokratische Öffentlichkeit
Datum: 21.01.2014, 09:22

Was bedeutet es, wenn sich im sogenannten Dschungelcamp ein paar Kretins beiderlei Geschlechts vor den Augen der deutschen demokratischen Öffentlichkeit allabendlich erniedrigen und entwürdigen (lassen)? Nun, man stelle sich Friedrich Schiller beim Betrachten dessen vor, was aus der ästhetischen Erziehung des Menschengeschlechts geworden ist. Die Feinsinnigen unter den Zeit-Abonnenten und Kulturzeit-Guckern würden jetzt wohl dagegenhalten, dass wir es bloß mit einem vom Boulevard angeheizten und zugleich ausgebeuteten Unterschichtsphänomen zu tun hätten, doch das ist ja nicht wahr, jede Galerie für moderne Kunst und nahezu jede zeitgenössische Theater- oder Operninszenierung belehren uns mit unbeirrbarer Konstanz darüber, dass Sperma, Kot und Müll, Entblößung und Erniedrigung, Verhässlichung und Destruktion hierzulande auch Modus, Habitus, Gestus, Duktus und Spasmus der allenfalls noch im Scherz so genannten Hochkultur sind. Das Omegaprominentencamp im Busch ist den deutschen Bühnen sogar noch insofern überlegen, als dort immerhin keine Klassiker und Meister, sondern bloß die besagten Kretins zum Defäkieren und Defäkiertwerden freigegeben bzw. bloßgestellt sind. Man könne, notierte Boris Groys, „die gesamte künstlerische Avantgarde ohne Weiteres als eine ständige Verunstaltung und Beschmutzung des würdigen Menschenbildes interpretieren“, und in der kommerziellen Massenkultur sei der „programmatische, kalkulierte Verlust der menschlichen Würde“ längst zum „Hauptverfahren“ geworden.

Vor diesem Hintergrund besitzt es eine gewisse Pikanterie, dass sich ein Verein in Deutschland lebender schwarzer Menschen über die parallel zum allerneuesten Madenfressen und Schlammschlucken anlaufende TV-Schau der Eisschnelläuferin Annie Friesinger entrüstet. In dieser Sendung bringt die Athletin i.R. drei Mohren das Schlittschuhlaufen bei, und deren erste Versuche auf dem Eis werden gewiss so ulkig ausfallen wie die jedes anderen Anfängers auch, was nach Ansicht der erwähnten Kritiker auf eine Vorführung ihrer Rassengenossen und mithin eine mehr oder weniger subtile Art von Diskriminierung hinauslaufe. Man stelle sich nun erst das Dschungelcamp mit durchweg schwarzen Insassen und zwei weißen Dompteuren vor! Aber solange nur Bleichgesichter entwürdigt werden, geht die Sache allweil in Ordnung.

Beitrag erschien zuerst auf: michael-klonovsky.de

Sven von Storch

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