Alle Macht ist gut

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Alle Macht ist gut
Datum: 11.12.2013, 19:47

Johannes Gross empfahl, den Small-talk auf deutschen Akademiker-Partys mit dem Ausspruch Gregors des Großen "Alle Macht ist gut" zu eröffnen, um sich hernach an den schnappatmend vorgetragenen Entgegnungen zu delektieren (man muss, um die Richtung dieses Satzes zu goutieren, nicht Carl-Schmittianer sein, Apolliniker genügt). Dieser Tage las ich, dass Schweizer Bürokraten in ihrem "Lehrplan 21" Unterstufen-Kinder dazu nötigen wollen, über Machtmissbrauch zu diskutieren. Wörtlich lautet das – auf deutsche Schulen mühelos übertragbare bzw. dort vermutlich längst schon praktizierte – "Kompentenzziel" für 4 (!) bis 8jährige: "Die Schülerinnen und Schüler können über Macht, Machtbegrenzung und Machtmissbrauch nachdenken (Prinzip der Machtbegrenzung)." Bei dieser Gelegenheit fiel mir ein, dass ich etwas Vergleichbares bzw. eben doch nicht Vergleichbares bei der Einschulung meines Mittleren erlebt hatte; ihn und die anderen Probanden hatte man beim Eignungstest für die jüdische Schule gefragt, was Macht sei – von Missbrauch war keine Rede –, und der Bub, damals 5, gab zur Antwort, Macht sei Magie (keine Ahnung, wo er das herhatte).

Ein Volk, dem vor nicht allzulanger Zeit das eigene Blut bis zum Hals stand, hat eben kein Verhältnis zu den Wonnen der Dekadenz.

Beitrag erschien zuerst auf: michael-klonovsky.de

Sven von Storch

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