Was wäre gewesen, wenn der Angriff in Bremen einem SPD-Mann gegolten hätte_
Was wäre gewesen, wenn der Angriff in Bremen einem SPD-Mann gegolten hätte_
Datum: 09.01.2019, 11:48
Genau diese Politiker, Namen werden aus bestimmten Gründen nicht genannt werden, heucheln jetzt Betroffenheit und Anteilnahme. Wobei manche von ihnen selbst jetzt nicht aus ihrer Haut können und versuchen, die Verantwortung der Tat, die in ihrer Hetze und ihren Hasstiraden begründet liegt, auf das Opfer dieses Mordversuches abwälzen zu wollen.
Jene sind es, die über die diversen Netzwerke dazu aufgerufen haben, Positionen und Personen aus dem politischen Spektrum des Bremer Anschlagopfers zu attackieren; wohl wissen oder leichtfertig in Kauf nehmend, dass ihre Jünger offensichtlich geistig dermaßen limitiert sind, dass sie das politische Spektrum auf die Repräsentanten und Räumlichkeiten einer einzigen Partei begrenzen. Weder die Intelligenz der Hetzer noch die der ausführenden Täter reicht aus, um zu erkennen, dass dieser Angriff in Bremen mehr ist als nur eine x-beliebige Attacke auf ein Mitglied einer Partei.
Um die Tragweite der Tat besser darzustellen, ist es erforderlich, sich einmal davon zu lösen, dass das Opfer ein Abgeordneter der AfD ist. Was wäre also gewesen, wenn unbekannte, vermummte Täter einen Bundestagsabgeordneten der SPD hinterrücks mit einem schweren, scharfkantigen Gegenstand versucht hätten, den Schädel einzuschlagen?
Genau diese Hetzer wären verbal sofort Amok gelaufen. Der Paradecholeriker hätte mit hochrotem Kopf und leicht überschnappender Stimme sofort lauthals die Gefahr eines Sturzes der Demokratie von rechts herbeibeschworen. Reflexartig hätte ein Parteikollege, wie immer, mehr Mittel gegen Rechts gefordert und auch gleich gewusst, wem er diese zuschustern könne. Die Berufsbetroffenen und Möchtegern-Moralapostel hätten ihre Betroffenheitsmienen in jede Fernsehkamera gedrückt und warnend und mahnend ihre Zeigefinger erhoben.
Im Bundestag hätten einige Personen ihr politisches Gewicht in die Wagschale geworfen, um von der Kanzel ein Donnerwetter über das Plenum herabzulassen wie einst Orson Welles als Pastor in der Verfilmung von Herman Melville´s "Moby Dick".
Die obrigkeitshörigen Medien hätten ihr Programm für Sondersendungen unterbrochen. Spezial- oder Brennpunktsendungen wären kurzfristig ins Programm aufgenommen worden, anschließend wären die Zuschauer mit einer unüberschaubaren Anzahl an Talkshows überschwemmt worden, in denen die vom Wohlwollen genau jener Politiker abhängigen Moderatoren eine handverlesene Auswahl an linientreuen Gästen vorgestellt hätten, die samt und sonders die Demokratie bedroht sehen; selbstverständlich von rechts.
Doch das Opfer dieses Attentats gehört nicht der SPD an. Er gehört zur AfD. Dennoch ist und bleibt er ein Bundestagsabgeordneter, ein Volksvertreter. Genau als solcher ist er angegriffen worden: als ein gewählter Repräsentant des Volkes. Genau deswegen ist daher diese Tat auch als solche einzuordnen, nämlich als ein Angriff gegen all das, wofür der Bundestag steht. Als höchste politische Instanz der Deutschen. Als Symbol der in diesem Land geltenden Gesetze, beginnend mit dem Grundgesetz. Als politischer Inbegriff der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.
Ein Anschlag auf einen Bundestagsabgeordneten, egal welcher Partei er angehört, ist ein Angriff auf diese Grundordnung, ist ein Angriff auf die Werte und Normen dieses Landes, ist ein Angriff auf Recht und Ordnung. Wer glaubt, diesen heimtückischen Angriff relativieren oder verharmlosen zu müssen, verharmlost oder relativiert einen Angriff auf unsere Demokratie - und stellt sich damit selbst das Zeugnis seiner antidemokratischen Gesinnung aus.
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