Brenton Tarrant, der antiimperialistische, grüne, sozialistische Rechtsextremist

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Brenton Tarrant, der antiimperialistische, grüne, sozialistische Rechtsextremist
Datum: 16.03.2019, 12:49

Nach dem grauenvollen Anschlag in Christchurch, bei dem 49 Menschen mit einer Schusswaffe niedergemäht wurden, ist das Entsetzen über diese Tat weltweit groß. 49 Menschen sind ermordet worden, weil sie nichts anderes gemacht haben, als ihrem Glauben nachzugehen. Nur anders als bei den vielen von Islamisten verübten Terroranschlägen, waren diesmal nicht Christen die Opfer dieses Terroranschlags. Dieses Mal traf es gläubige Moslems, die in zwei Moscheen ermordet worden. Das macht die Tat weder weniger noch mehr verachtenswert. Ein Terroranschlag bleibt ein Terroranschlag - es gibt keine "guten" Terroristen.

Der Täter von Christchurch, Brenton Tarrant, ein 28-jähriger Australier, wurde verhaftet und wird wegen mehrfachen Mordes angeklagt. Das haben die neuseeländischen Behörden vermelden lassen. Mutmaßlich hat Tarrant den Anschlag wegen seines Hasses auf Moslems ausgeübt. Deswegen wird er von den deutschen Medien als Rechtsextremist dargestellt. Allerdings gibt es da einige Aspekte in Tarrants Eigendarstellung, die dem elementar widersprechen.

Vor dem Anschlag hat Tarrant im Internet seine Tat und seine Beweggründe im Internet veröffentlicht. Zu diesem Zweck hat er sein eigenes "Manifest" niedergeschrieben. Ein Manifest ist eine öffentliche Erklärung von Zielen und Absichten, oftmals politischer Natur. Das bekannteste Manifest dürfte das der Kommunistischen Partei vom Februar 1848 sein. Auch das Prager Manifest von 1934, welches von der deutschen Exil-SPD in Prag verfasst wurde, ist eher dem politisch linken Lager zuzuordnen. Doch es gibt auch andere Manifeste, die komplett unpolitisch sind, wie zum Beispiel das Manifest des abstrakten Romans. Aber die meisten verfassten und veröffentlichten politischen Manifeste sind politisch linkslastig.

Tarrant hat sich in seinem Manifest sowohl selbst beschrieben wie auch seine Träume definiert. Die ideale Zukunft aus seiner Sicht sei ein "antiimperialistischer, grüner, nationaler Sozialismus". Wirft man einen Blick auf diese vier Aspekte, so kann man bei neutraler Bewertung dieser Begriffe nicht umhinkommen, als drei von ihnen eindeutig dem politisch linken Spektrum zuzuordnen.

Der Antiimperialismus ist seit dem von Wladimir Iljitsch Uljanow alias Lenin im Jahr 1916 verfassten Buch "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus" ein Kampfbegriff der extremen Linken. Das dürfte selbst den deutschen Medien klar sein.

Die Grünen sind, auch über die deutschen Staatsgrenzen hinaus, eine eindeutig links orientierte Partei; egal, in welches Land man schaut. Auch hier dürfte es keine zwei Meinungen geben.

Tarrants bekennende nationale Ausrichtung ist hingegen definitiv dem politisch rechten Lager zuzuordnen.

Der vierte Aspekt, der Sozialismus, ist eine der drei großen politischen Ideologien (neben Liberalismus und Konservatismus). Er ist im althergebrachten politischem Spektrum sehr weit links anzuordnen. Lediglich die Unterart des Sozialismus, der Kommunismus, steht noch weiter links.

Drei von vier Parametern also sprechen für einen Täter, der politisch sehr weit links steht. Dennoch machen die deutschen Medien ihn zu einem Rechtsextremisten. Sie assoziieren "nationaler Sozialismus" gleich mit "rechtsextrem". Das ist zu kurz gedacht, zu wenig recherchiert und einfach nur falsch.

Denn Tarrant gibt unter anderem an, dass er irische Wurzeln hat. Mit etwas Recherchearbeit und einen Blick auf die Politik Irlands stellt man sehr schnell fest, dass es dort eine Partei gibt, die sich "Sinn Féin" (Wir selbst) nennt. Die Sinn Féin verfolgt die Vereinigung Irlands und ist mit der IRA (Irish Republican Army) eng verbunden. Sie ist streng katholisch und national-irisch ausgerichtet. Anhand dieser beiden Aspekte müsste man sie im Grunde genommen als rechtsextrem bezeichnen. Aber die Sinn Féin ist eine strenge Verfechterin des demokratischen Sozialismus, ist also politisch auf in etwa der Linie, wie sie in Deutschland von der Linken vertreten wird.

Anders, als es die deutschen Medien verbreiten, gibt es also einen linken nationalen Sozialismus. Auf den beruft sich Tarrant in seinem Manifest. Ergo ist er kein Rechtsextremist. Er ist möglicherweise ein religiöser Fanatiker, aber ganz sicher kein Rechtsextremist. Da können die Medien das noch so oft verbreiten - die Behauptung ist und bleibt falsch.

Sven von Storch

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