Begriff Judaslohn ist nicht antisemitisch

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Begriff Judaslohn ist nicht antisemitisch
Datum: 14.11.2019, 12:20

Judas Ischkariot erhielt 30 Silberlinge dafür, dass er Jesus mit einem Kuss verriet. Beide sind als Juden aufgewachsen und erzogen worden. Für diesen Verrat an einem Wegbegleiter, an einem Freund, erhielt Judas seinen Lohn, den Judaslohn. Dieser Begriff etablierte sich relativ schnell als Synonym für den Verrat in den eigenen Reihen. Bisher kam aber niemand auf die Idee, die Verwendung als Antisemitismus zu bezeichnen.

Marius Müller Westernhagen veröffentlichte 1994 ein Lied mit eben diesem Titel.
Die Folge 4 der ersten Staffel von SOKO Stuttgart (Sendereihe vom ZDF -> Zwangsabgabe deckt Finanzierung) aus dem Jahr 2015 trug ebenfalls den Titel "Judaslohn".
Jerzy Montag (Grüne) sprach am 28. Mai 2009 vom Judaslohn für Verrat, der Parteikollege Thomas Gambke erwähnte am 24. April den Judaslohn in Höhe von 1,6 Milliarden Euro.

FDP-Brüderle sah bereits am 10. April 2003 einen ordnungspolitischen Judaslohn, den Johannes Kahrs von der SPD am 07. Oktober 2005 in Form des Postens des Bundestagspräsidenten entrichtet sah. Und Karl Lauterbach, ebenfalls von der SPD, der sich aktuell so ganz bitterlich über die Verwendung des Begriffes echauffierte, brüllte selbst am 14. August 2010 davon, dass jemand nun den Judaslohn zahle.

Sind das alles Antisemiten? Judenfeinde? Warum erhob sich kein Wehgeschrei? Wieso schwieg man seitens der jüdischen Gemeinde? Womöglich, weil sich dieses Mal ein AfD-Mann erdreistete, den identischen Begriff zu verwenden? Oder ist das nur eine Verschwörungstheorie?

Doch der AfDler hat einen gravierenden, sogar grundsätzlichen, Fehler begangen. Brandner sagte, das Bundesverdienstkreuz für Lindenberg sei dessen Judaslohn für seine verbalen Ausfälle gegen die AfD. Doch Judas erhielt seinen Lohn, weil er einen Freund verriet. Lindenberg hätte also mit seinen Worten einen Freund verraten müssen. Aber einmal ganz ehrlich gefragt: wer in der AfD will so einen Typen wie Lindenberg als Freund bezeichnen?

Lindenberg hat daher keinen Freund verraten, kann also somit auch keinen Judaslohn erhalten haben. Er bekam den Orden für seine Kriecherei, sein getroffenes Arrangement mit dem System. Er quakte, damit ihm, dem abgehalfterten einstigen Panik-Rocker, noch ein paar Brosamen an Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Sven von Storch

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