15 Zentimeter sind nicht immer 15 Zentimeter

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15 Zentimeter sind nicht immer 15 Zentimeter
Datum: 01.12.2017, 11:10

Es hat fast den Anschein, als dass Messerattacken in Deutschland eine noch nie dagewesene Hochkonjunktur erfahren. Fast täglich finden solche Angriffe irgendwo in diesem Land statt. Begangen werden sie meist von jungen Flüchtlingen, Opfer sind in der Regel deutsche Jedermänner oder Jederfrauen. Die Berichterstattung in den Medien hält sich dabei überraschend in Grenzen. Die regionale Postille schreibt einen Zweizeiler und damit ist der Sache genug getan. Fernsehnachrichten bringen solche Meldungen nicht, überregionale Zeitungen sowieso nicht und in Fernsehsendungen werden die Opfer dieser Angriffe schon gleich gar nicht. Das geht ja auch nicht. Schließlich wurden sie ja Opfer von denen, die uns den großen Aufschwung bringen sollten, die das Leben in diesem Lande verändern würden, worauf sich eine bestimmte Politikerin der Grünen ja ganz besonders freut.

Doch nicht nur diese Ungleichbehandlung gegenüber dem Opfer eines Messerangriffs, das uns täglich mehrfach auf den Bildschirmen präsentiert wird, ist es, was mir ein eigenartiges Gefühl beschert. Zunächst frage ich mich, ob ein CDU-Bürgermeister einer relativ unbedeutenden Stadt im Sauerland so viel wichtiger ist als Nachbar Heinz oder Nachbarin Elke, die ebenfalls Opfer von Messerangriffen wurden. Doch vor allem frage ich mich, wann 15 Zentimeter eigentlich wirklich 15 Zentimeter sind.

Nochmal zur Verdeutlichung vorab: es geht nicht um die Rechtfertigung des Angriffs. Dafür gibt es keine Begründung, weder eine gute noch eine schlechte. Wer anderen mit dem Messer nach dessen Leben trachtet, muss sich dafür vor Gericht verantworten. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um einen 50-jährigen deutschen Arbeitslosen oder einen 21-jährigen afghanischen Flüchtling handelt. Auch die verhängte Strafe sollte sich in beiden Fällen auf dem gleichen Niveau bewegen. Doch das wird vermutlich der nächste Aufreger für mich sein...

Auf den ersten Bildern dieses Bürgermeisters war eine Halsverletzung zu sehen, die von einem ganz normalen Heftpflaster abgedeckt wurde. Wer wie ich Kinder hat, der hat jede Menge Heftpflaster in den verschiedensten Ausführungen und Größen daheim bevorratet. Der weiß zudem auch ganz genau, bei welcher Verletzung welcher Pflastertyp anzubringen ist, um eine optimale Wundversorgung zu garantieren. Das Ding, das dieser Bürgermeister da am Hals trug, war maximal 5 mal 5 Zentimeter groß. Es hätte also niemals ausgereicht, um eine Wunde mit dreifacher Länge abzudecken. Auch dieser Pflastertyp ist bestenfalls für leichte Schnittwunden geeignet. Eine Wunde, wie sie uns in den Medien mitgeteilt wurde, hätte ganz anders versorgt werden müssen. 

Noch merkwürdiger aber ist, dass bei dem Fernsehauftritt des Bürgermeisters auf einmal ein wesentlich größeres Pflaster den Hals des Mannes zierte. Offenbar wollte und sollte man ihn zu einem echten Opfer hoch stilisieren. Insgesamt war dieser gesamte Auftritt der erbärmliche Versuchung einer Verarsche der Zuschauer. Gekrönt von den ekelhaften Absonderungen eines noch geschäftsführenden Minsters, der sich demnächst wohl einen neuen Job suchen muss.

Abschließen will ich meine Ausführungen mit einer leicht chauvinistischen Bemerkung. Wenn der Bürgermeister wirklich glaubt, dass seine Wunde eine Länge von 15 Zentimetern hat, wird er von seiner Manneskraft vermutlich überwältigt sein. Mir fehlen zwar die detaillierten Kenntnisse über seine Bestückung, aber legt man die jetzige Umrechnungsformel an, sind es bestimmt 25 Zentimeter oder mehr.

Sven von Storch

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