KI-Agenten dominieren den Datenverkehr im Netz
Zum ersten Mal erzeugen automatisierte Systeme mehr Webanfragen als Menschen. Gleichzeitig wird das Internet schrittweise an die Bedürfnisse der "KI-Agenten" angepasst.
Es ist ein stiller Wandel, der einer Revolution gleichkommt: Im Juni 2026 meldete Cloudflare, dass Bots und KI-Agenten erstmals mehr als die Hälfte des weltweiten Web-Traffics ausmachen. Nach Daten der Radar-Plattform des Unternehmens entfallen rund 57 Prozent der HTTP-Anfragen auf automatisierte Systeme, während Menschen nur noch etwa 43 Prozent erzeugen. Cloudflare-CEO Matthew Prince hatte diesen Wendepunkt erst für 2027 erwartet. Das Wachstum der agentischen KI beschleunigte den Übergang deutlich.
Warum die Agenten so viel Verkehr erzeugen
Ein einzelner Mensch, der etwa Preise vergleicht oder Informationen sucht, besucht in der Regel nur wenige Webseiten. Ein KI-Agent, der dieselbe Aufgabe übernimmt, kann Hunderte oder Tausende Seiten und Schnittstellen abfragen. Dieses Multiplikatoreffekt treibt das Volumen in die Höhe. Berichte von Sicherheitsfirmen zeigen, dass der agentische Verkehr im Jahr 2025 um mehrere Tausend Prozent zulegte und damit weit schneller wuchs als herkömmliche Bot- oder menschliche Aktivitäten.
Viele dieser Agenten erledigen praktische Aufgaben: sie recherchieren Produkte, prüfen Verfügbarkeiten, füllen Formulare aus oder orchestrieren ganze Workflows im Auftrag von Nutzern. Daneben bleiben klassische Crawler und auch schädliche Bots Teil des Bildes. Der Gesamtanteil automatisierter Anfragen liegt jedoch klar über dem menschlichen Anteil.
Das Netz wird umgebaut
Parallel zum Verkehrswechsel entstehen neue Standards und Formate, die Inhalte und Dienste für Maschinen zugänglicher machen sollen. Verlage und Technologieunternehmen experimentieren mit Markdown-Versionen von Webseiten, die für Agenten leichter und ressourcenschonender zu verarbeiten sind als klassisches HTML. Vorschläge wie WebMCP sollen Websites strukturierte "Werkzeuge" anbieten, die Agenten direkt aufrufen können, statt sich durch Benutzeroberflächen zu klicken.
Cloudflare und andere Akteure sprechen von einem "Agentic Internet", das lesbar, auffindbar, aufrufbar und zahlungsfähig für Maschinen sein soll. Ziel ist es, Agenten als gleichberechtigte Teilnehmer zu behandeln, ohne die menschlichen Nutzer aus dem Blick zu verlieren. Gleichzeitig entstehen Debatten über Identifikation, Rechte und wirtschaftliche Modelle, damit der neue Verkehr kontrollierbar und fair bleibt.
Der Wandel ist noch im Gange. Menschliche Nutzer bleiben für Interaktionen, Entscheidungen und Inhalte entscheidend. Noch! Doch die Infrastruktur des Netzes richtet sich zunehmend auf eine Welt aus, in der Software-Agenten den größten Teil der Anfragen stellen.
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.
Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.


Blog-Kommentare
... „Cloudflare und andere…
... „Cloudflare und andere Akteure sprechen von einem "Agentic Internet", das lesbar, auffindbar, aufrufbar und zahlungsfähig für Maschinen sein soll. Ziel ist es, Agenten als gleichberechtigte Teilnehmer zu behandeln, ohne die menschlichen Nutzer aus dem Blick zu verlieren. Gleichzeitig entstehen Debatten über Identifikation, Rechte und wirtschaftliche Modelle, damit der neue Verkehr kontrollierbar und fair bleibt.“ ...
Wobei einer der Erfolge(?) ist, dass 62 Prozent der Firmen die Kontrolle über die KI-Nutzung verlieren???
https://borncity.com/news/sicherheit-62-prozent-der-firmen-verlieren-kontrolle-ueber-ki-nutzung/
Neuen Kommentar hinzufügen