Houston, wir haben ein Bildungsproblem!

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Einführung

Die Artemis-II-Mission hat das Tor zur weiteren bemannten Raumfahrt weit aufgerissen. Doch mit ihr kommen wieder die Verschwörungstheoretiker aus ihren Löchern gekrochen, die bis heute die Apollo-Landungen (1969-1972) nicht wahrhaben wollen.

"Wer das leugnet, ist intellektuell und emotional von der Zivilisation abgeschnitten." (Astrophysiker Neil deGrasse Tyson über Mond-Landungs-Leuger)

Ich erinnere mich an meinen Physik-Unterricht in der Schule vor mehr als 40 Jahren. Damals waren wir Schüler allesamt von der Weltraumfahrt begeistert. Wir baten unsere Lehrer immer wieder, besonders im Physik und Mathematikunterricht, möglichst viele Bezüge zur Raumfahrt oder Astrophysik herzustellen. Das machte für uns Jungs damals den Unterricht spannender. Wir waren Science-Nerds und mochten es, wenn der Horizont aufgerissen wurde und der Lehrstoff über das Curriculum hinausging.

Einmal ging es im die Hypothese von Galileo Galilei, der vor mehr als vierhundert Jahren behauptete, dass Objekte unabhängig von ihrer Masse gleich schnell zu Boden fallen, wenn sie nicht vom Luftwiderstand ausgebremst werden. Wenn man auf der Erde einen Hammer und eine Feder fallen lässt, fällt der Hammer schneller zu Boden. Wie ist es auf dem Mond, wo es keine Atmosphäre gibt, wo also der Vakuum-Zustand vorherrscht? Dazu sahen wir einen Lehrfilm (damals VHS-Video) mit einem Ausschnitt, der auch heute noch im Internet zu finden ist: Dieser zeigt den Astronauten David Scott (Apollo 15), der dieses Experiment auf dem Mond vorführte. Er ließ vor laufender Kamera einen Hammer und eine Falkenfeder fallen. Und siehe da: Sie fielen gleich schnell auf dem Boden.

Heute ist die Situation eine andere: Viele Schüler zeigen heutzutage deutlich weniger Weltraumbegeisterung als unsere Generation damals. Die Schüler können zwar alle Details der Star-Wars-Geschichten nacherzählen, haben aber wenig Ahnung von wirklicher Raumfahrt. Stattdessen scrollen sie durch TikTok, Instagram und YouTube und finden dort die wildesten Verschwörungstherorien, die allesamt seit Jahrzehnten immer wieder widerlegt wurden und dennoch ununterbrochen viral gehen.

Die gängigsten Mondlandungs-Verschwörungstheorien – und warum sie nicht stimmen

Stanley Kubrick lässt grüßen: Seit der ersten bemannten Mondlandung 1969 durch Apollo 11 kursieren hartnäckige Verschwörungstheorien, wonach NASA die gesamte Mission im Studio gefälscht haben soll. Die Behauptungen reichen von "wehender Flagge" bis zu "fehlenden Sternen". Hier sind einige Beispiele und die wissenschaftlichen Fakten, die sie widerlegen.

1. Die wehende amerikanische Flagge: Beweis für Wind auf der Erde?

Verschwörungstheorie: Auf den Mondfotos bewegt sich die Flagge deutlich, als ob Wind weht. Auf dem luftleeren Mond könne das nicht passieren. Also müsse die Szene in einem irdischen Studio gedreht worden sein.

Fakten dagegen: Die Flagge wurde mit einer horizontalen Querstange aus Metall aufgespannt, damit sie nicht wie ein Lappen im Vakuum herunterhing. Als die Astronauten die Stange in den Mondboden steckten, entstand durch die Drehbewegung eine wellenförmige Bewegung. Im Vakuum des Mondes hört diese Bewegung nicht sofort auf, weil es keine Luftreibung gibt. Die Flagge "wehte" nicht, sie wackelte in einer Art, wie sie es auf der Erde nie tun würde, und das nur so lange, wie die Astronauten sie berührten. Spätere Fotos zeigen sie völlig still.

2. Keine Sterne auf den Fotos: Studio-Beleuchtung?

Verschwörungstheorie: Am schwarzen Mondhimmel müssten Tausende Sterne zu sehen sein. Auf den Apollo-Fotos sind keine Sterne erkennbar: ein klares Indiz für eine künstliche Studio-Beleuchtung? 

Fakten dagegen: Die Kameras waren auf die extrem helle Mondoberfläche und die weißen Raumanzüge eingestellt (kurze Belichtungszeit). Sterne sind viel zu lichtschwach, um bei dieser Einstellung mitbelichtet zu werden, genau wie man auf Fotos vom hellen Erdboden bei Tag auch keine Sterne sieht! 

Hätten die Astronauten längere Belichtungszeiten gewählt, wären die Fotos überbelichtet gewesen. Die Sterne sind auf den Original-Filmen tatsächlich vorhanden, aber nur bei spezieller Nachbearbeitung sichtbar.

3. Nicht-parallele Schatten: Mehrere Lichtquellen?

Verschwörungstheorie: Die Schatten der Astronauten und des Mondmoduls verlaufen nicht parallel, was auf mehrere künstliche Scheinwerfer im Studio hinweist.Fakten dagegen: Der Mondboden ist uneben und hügelig. Perspektivische Verzerrungen und Unebenheiten im Gelände lassen parallele Schatten auf Fotos nicht parallel wirken. Das ist ein ganz normaler optischer Effekt, den man auch auf unebener Erde beobachten kann. Die einzige Lichtquelle war die Sonne. Wissenschaftler haben dies mit 3D-Modellen und Computern mehrfach nachgewiesen.

4. Die Van-Allen-Strahlungsgürtel: Die Astronauten hätten sterben müssen

Verschwörungstheorie: Die tödliche Strahlung der Van-Allen-Gürtel um die Erde herum hätte die Astronauten innerhalb weniger Stunden umgebracht. NASA habe das Problem einfach ignoriert.

Fakten dagegen: Die Apollo-Raumschiffe durchquerten die Van-Allen-Gürtel in nur wenigen Stunden auf einer sehr schnellen, steilen Flugbahn. Die Raumkapsel hatte eine starke Aluminium-Abschirmung, und die gemessene Strahlendosis lag bei etwa 1 Rem. Das ist vergleichbar mit einer Brust-Röntgenuntersuchung. Alle Apollo-Astronauten wurden danach medizinisch untersucht und zeigten keine gesundheitlichen Schäden durch die kurze Transitzeit.

5. Kein Krater unter dem Mondlandemodul: Kein Triebwerkseffekt?

Verschwörungstheorie: Das Landemodul hätte bei der Landung einen großen Krater in den Mondstaub blasen müssen. Stattdessen sieht man nur einen flachen Abdruck und keine Verbrennungsspuren.

Fakten dagegen: Das Triebwerk des Mondlandemoduls hatte eine sehr geringe Schubkraft (ca. 4.500 Newton) und wurde in den letzten Metern gedrosselt. Der Mondstaub ist extrem fein und wurde durch den Abgasstrahl waagerecht weggeblasen, nicht nach unten gedrückt. Deshalb entstand kein tiefer Krater, sondern nur eine flache Vertiefung, genau wie die Fotos und späteren Analysen der Mondproben zeigen.

Man könnte die List fortführen. Doch alle Einwände sind unzählige Male widerlegt worden.

Warum sich die Verschwörungstheorien bis heute halten

Die meisten dieser Theorien basieren auf Missverständnissen über Physik, Fotografie und Raumfahrttechnik der 1960er-Jahre. Über 400.000 Menschen arbeiteten am Apollo-Programm, und bis heute gibt es keine glaubwürdigen Whistleblower. Die Mondsteine, Laser-Reflektoren (die noch heute von Observatorien genutzt werden) und die unabhängigen Fotos von späteren Mondorbiter-Sonden (USA, China, Indien, Japan, Südkorea) beweisen: Die Menschen waren wirklich auf dem Mond. 

Ich denke, dass es auch eine Frage der persönlichen Einstellung ist. Manche Menschen wollen es einfach nicht wahrhaben. Selbst beim Anblick späterer Fotos behaupten sie, dass diese gefälscht seien. Man müsste also die Verschwörungstheroretiker selbst zum Mond schießen, damit sie mit eigenen Augen die Apollo-Landeplätze sehen können. Ist es das wert? Nein. Lasst sich doch in ihrem Irrglauben! Es gab lange Zeit (und es gibt sie noch heute) Menschen, welche die Erde für eine flache Scheibe halten. Niemand wird sie abholen können. Lasst sie dort, wo sie sind. Der Fortschritt wird sich nicht aufhalten lassen.

Für mich jedenfalls ist die Artemis-II-Mission ein großer Schritt, auf den ich lange gewartet habe.

Sven von Storch

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Blog comments

Nicht nur "manche" sondern leider immer noch sehr viele Menschen wollen es auch nicht wahrhaben, daß wir mindestens seit Merkel von Dienern einer deutschfeindlichen Fremdherrschaft regiert und über deren Medien (fehl-)informiert werden.

Liegt es am Bildungsproblem? Oder sind die Ergebnisse aktueller Wahlumfragen manipuliert?

Jedenfalls sind die immer noch sehr vielen Wähler der Deutschlandabschaffer sehr viel gefährlicher als die wenigen noch verbliebenen Mondlandezweifler ...

Wie zögerlich man sich nach ca. 50 Jahren nun an den Mond herantastet, da wird es doch wohl erlaubt sein mal darüber nachzudenken, wie es 1969, mit dem spärlichem Computer-Equipment, möglich war, eine Mondlandung hinzubekommen.

In Amerika gibt es Möglichkeiten professionelles Lügen zu erlernen. Schauen Sie doch mal in die amerikanische Politik. Steht dort wirklich die Wahrheit stets im Vordergrund? Da habe ich so meine Zweifel!!!!

 

Um Flugbahnen zu berechnen, braucht man eigentlich keinen Computer. Die Sowjets haben den Mondfahrern sehr interessiert zugehört. Glaubt wirklich ernsthaft jemand, dass die USA mit einer getürkten Mondlandung durchgekommen wären?

Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass ein paar Aufnahmen im Studio gemacht worden sind, aber eine gefälschte Mondlandung und die Theorie von der flachen Erde sind Mythen, die vermutlich von den Geheimdiensten selbst in Umlauf gebracht worden sind.

Hans-Peter Klein

12.04.2026 | 11:34

Ich habe es damals auch live miterlebt, die erste Mondlandung, dieselbe Begeisterung, dieselbe Himmelsstürmerei. Hatte einige Jahre noch Zeitungsartikel aufbewahrt, die sind leider abhanden gekommen.
Daraus folgte später ein Studium der Luft und Raumfahrt an der RWTH Aachen. Mit jährlichen Gastvorlesungen mit Prof. Goddard von der NASA, den Goddard-Lectures..
Verschwörungstheorien habe ich damals gar nicht mitbekommen, zu lächerlich vom Ansatz her.

Wohl gesteh ich ein, das es viel, sehr  viel später ein paar Fragen gab, die auch bei mir nicht zufriedenstellend bisher beantwortet wurden.
Z.B. das die Astronauten zum anziehen eines Raumfahrtanzuges stets eine Assistenz von außen benötigten die eine längere Zeit in Anspruch nahm. Wie war das in der Enge des Eagle-Landemoduls überhaupt möglich, zu zweit von denen einer ja bereits einen Raumanzug trug  ?
Ein Zweifel an der Mondlandung ist daraus jedoch nie hervor gegangen, nur weil ich mir auf einige Fragen keinen Reim machen kann.

MfG, HPK
 P.S.: Kann es sein das die Astronauten von Anfang an den Raumanzug bereits trugen und zu keinem Zeitpunkt daraus ausgestiegen sind ? Ich weiß es nicht.

Glückwunsch zum Studium!

Lieber nicht weiter nachfragen, man muss sich ja seine Karriere nicht verhageln. Bemerkenswert, dass Bedenken anderer immer gleich ins Lächerliche gezogen werden. 

Bei der nächsten Mondlandung kann an der "Wahrheit" noch gearbeitet werden. Nun sind die Amerikaner zunächst mal auf die andere Seite des Mondes geflogen, um zu sehen, was die Chinesen dort in Vorbereitung haben. Ein Blick in den chinesischen Kochtopf kann nicht schaden.

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