Als Deutschland 14 Millionen Flüchtlinge aufnahm

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Als Deutschland 14 Millionen Flüchtlinge aufnahm
Datum: 19.04.2024, 12:40

Deutschland hat schon einmal innerhalb weniger Jahre Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Am Ende des letzten Krieges und in den ersten Jahren nach dem Krieg kamen insgesamt 14 Millionen Menschen nach Westdeutschland.

Sie kamen aus Ostpreußen (teilweise über die gefrorene Ostsee), aus dem Memelland und dem Baltikum, aus Westpreußen, Posen, Pommern, Schlesien, Böhmen, Mähren, Siebenbürgen. Manche waren schon 1940 aus Wolhynien und Podolien gekommen.

Ein Teil meiner Familie kam ebenfalls aus den Ostgebieten. Dort hatten sie Haus und Hof verloren. Sie sind mit Pferdekarren gekommen, alles Hab und Gut in wenigen Koffern. Sie kamen bitterarm in Westdeutschland an und mussten bei Null anfangen. Es gab keine Sozialhilfe, kein Bürgergeld, keine Empfangskultur. Sie mussten sofort das tun, was alle damals tun mussten: hart arbeiten, um das Land wieder aufzubauen.

Ich erinnere mich an ihre Erzählungen. Sie waren traumatisiert. Viele Frauen ware von sowjetischen Soldaten vergewaltigt worden. Die Männer waren oftmals gefallen oder noch in Kriegsgefangenschaft.

Ja, es gab am Anfang erhöhte Kriminalität: Es wurde Kohle geklaut, um die Zimmer zu heizen, Brot gestohlen, um nicht zu verhungern.

Und dann? Gab es statistisch gesehen einen Anstieg an Gruppenvergewaltigungen? Messerattacken? Liefen Schlesier mit Macheten durch die Stadt? Liefen Ostpreußen mit Äxten herum? Hatten die Frauen in Bayern oder Niedersachsen Angst, des Nachts durch die Straßen zu gehen, weil da so viele geflohene Ostdeutsche herumlummerten? Gibt es solche Berichte? Ich habe nie davon gehört. Irre ich mich? Weiß jemand mehr?

Ich kenne die Erzählungen, wie die Flüchtlinge unter Komplexen litten, weil sie als Habenichtse ankamen. Man bemühte sich ehrlich und hart zu arbeiten, auf seine Kleidung zu achten, einen guten Eindruck zu hinterlassen, Sonntags in der Kirche zu erscheinen, sich zu integrieren. Die Kinder mussten fleißig in der Schule sein und schnell eine Lehre machen, um ihr erstes Geld zu verdienen.

Die Nachkriegsgeneration hat sich vor allem durch harte Arbeit definiert. Es war die einzige Möglichkeit auf eine bessere Zukunft. Die rund 14 Millionen Deutschen aus den Ostgebieten hatten einen großen Anteil am Wiederaufbau der Bundesrepublik.

Meine Familie mütterlicherseits waren alteingesessene Niedersachsen, die teilweise noch Plattdeutsch sprachen. Meine Familie väterlicherseits waren aus den Ostgebieten gekommen. Die Familien wuchsen zusammen, waren repräsentativ für die neue Bevölkerung der Bundesrepublik.

Warum erzähle ich das? Weil ich nicht begreifen will, warum auffälliges Verhalten bestimmter Zuwanderer heutzutage mit traumatischen Erfahrungen erklärt wird. Waren die Erfahrungen der Flüchtlinge 1944/45 nicht traumatisch?

Ich denke, wie Helmt Schmidt, dass möglicherweise die Kultur eine entscheidende Rolle spielt. Aber wer bin ich schon, als dass ich das beurteilen könnte? Wir haben ja Experten in der Regierung und in den Medien, die meinen, es besser zu wissen.

Sven von Storch

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