Vom Kind her denken!

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Vom Kind her denken!
Datum: 30.10.2009, 09:47

Was sind uns eigentlich die Mütter wert? In unserer Gesellschaft und im ganz persönlichen Leben? Wer Familie gut erlebt hat oder gut erlebt, wird Gutes sagen können.Im ganz konkreten Leben hat „Mutter“ meist einen guten Klang. Die Mutter ist halt immer die Mutter.

Und sonst? Welchen Klang hat das Wort „Mutter“ bei denen, die keine Ahnung haben, was Mütter leisten? Was sie tagein tagaus leisten? Übrigens: Ohne Tarifanspruch, ohne Weihnachtsgeld und ohne Urlaubstantieme. Ach ja: auch ohne festgeschriebene Wochen- oder Tagesarbeitszeiten. Sieben Tage die Woche. 24 Stunden, wenn’s sein muss.

Vielfach wird selbstverständlich hingenommen, fast schon verkonsumiert, was Mütter daheim tun und für die Kinder schaffen. Aber gewürdigt? Gewürdigt von der Gesellschaft, die eben auch „ganz selbstverständlich“ davon profitiert? Anerkennung? Fehlanzeige.

Keine andere gesellschaftliche Gruppe wird so leichtfertig verkannt und rasch geringschätzig betrachtet, wie eben Mütter. Dabei ist ihre Erziehungsarbeit Gold wert – privat und für die Gesellschaft.

Die von der neuen Koalition geplanten 150 Euro Betreuungsgeld für alle, die ihre Kinder nicht abgeben, sind ein hoffnungsvoller kleiner Anfang. Ein  Anfang vom Ende der gewohnten und leider selbstverständlich gewordenen Diskriminierung von Müttern und ihrer Arbeit. Ein Anfang auf dem Weg zu echter Wahlfreiheit für Frauen und Männer.

Kinder wollen nicht wegbetreut werden, sondern Familie erleben. Deshalb muss in der Familienpolitik endlich auch vom Kind her gedacht werden dürfen.

Die Regierung, die mit wenigen Euro jetzt die Leistung der Mütter anerkennen will, die ihrer Erziehungsverantwortung bewusst nachkommen und da sein wollen für ihre Kinder, ist ein erster kleiner Schritt auf einem langen und noch wenig erkannten, aber richtigen Weg. Wer das nicht sehen will, sollte einmal überlegen, was der Gesellschaft die Betreuungsplätze wert sind. Ein Vielfaches gegenüber den Erziehungsplätzen in den Familien. Fair, also gerecht und angemessen, ist das alles noch lange nicht. Aber immerhin. Jeder Schritt auf dem Weg ist wichtig. Auch kleine Schritte.

Noch besser wäre es, es gäbe ein Kinderministerium. Also ein Ressort am Kabinettstisch, das stets die Stimme und Sichtweise der Kinder vernehmbar werden ließe. Ein Traum? Vielleicht. Aber manchmal führen Träume ins richtige Leben, und wer nicht träumen kann, versteht nicht viel vom Leben.

Anfangen könnte man ja mal damit, dass es in jedem Ressort, in jedem Ministerium, einen Kinderbeauftragten gibt, so etwas wie einen Gleichstellungsbeauftragten für Kinder. Ausgestattet mit einem Vetorecht bei allen Vorhaben und Gesetzesvorlagen, die Kindern als den Trägern der Zukunft schaden oder ihnen nichts nützen. Das wäre eine ziemlich beeindruckende Nachhaltigkeit, die dann möglich sein müsste.

Ein Traum? Nur ein Traum? Mag sein. Doch wenn ihn viele zu träumen wagen, wird es kein Traum bleiben.

Vom Kind her denken, und zwar konsequent. Allein dieser Weg führt wirklich in eine gute Zukunft.

Sven von Storch

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