Offener Brief an Alice Schwarzer

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Offener Brief an Alice Schwarzer
Datum: 12.11.2010, 21:35

In grundsätzlichen Fragen blieb häufig ein grundsätzlicher Dissens. Beim Lebensrecht zum Beispiel. Das ist für mich eindeutig unteilbar und von Anfang bis zum natürlichen Ende gegeben. Ganz. Deshalb darf es weder Selektion wie bei der PID noch Tötung geborenen wie ungeborenen
menschlichen Lebens geben. In anderen Fragen waren wir einig. Etwa, was einen ebenso fairen wie notwendigen Umgang mit der Kirche angesichts des Missbrauchsskandals betrifft. Einer muss ja mal diese plumpe Generalbeschuldigung durchbrechen und zur Unterscheidung mahnen, meintest Du nach einer Fernsehsendung, als ich Dir dankte.

Was Du aber jetzt mit unserer Familienministerin machst, enttäuscht mich schlichtweg. Du wütest gegen sie, reitest unfaire Attacken, diskreditierst sie. Und das nur, weil sie als junge und offenbar ziemlich aufgeklärte Frau Deinem Klischee nicht entspricht. Kristina Schröder outet sich als eigenständig denkende Persönlichkeit, die sich der Ideologie von Gender Mainstreaming nicht ergibt und der Diktatur des Relativismus nicht willenlos erliegt. Du sprichst ihr, nur weil sie Deinem Mentaldiktat nicht folgt, Kompetenz und Empathie für Frauen ab. Du degradierst sie zur Produzentin von Stammtisch-Parolen, weil sie das reaktionäre 68er Dogma nicht nachplappert und sich die Weitsicht leistet, Gleichwertigkeit nicht mit Gleichmacherei zu verwechseln.

Ehrlich gesagt: Dieses Dein Angriffsmuster ist doch einfach zu billig und entspricht nicht jener Intellektualität, die wir von einer Alice Schwarzer kennen oder kannten. Ich verstehe auch nicht, warum Du allen Ernstes meinst, eine 1977 geborene Frau - die Du als Jahrgang 1977
bezeichnest - habe kein Recht, sich kritisch über den frühen Feminismus zu äußern. Äußerst Du Dich eigentlich immer nur über Sachverhalte, die Du seit ihrer Entstehung miterlebst und begleitet hast? Wohl kaum. Ein kritischer und wacher Rückblick wäre dann ja generell nicht mehr geboten.

Mich hätte nachdenklich gemacht und vielleicht sogar überzeugen können, wenn Du statt schäumender Angriffslust saubere und erhellende Gegenargumente geliefert hättest. Wenn es die aber, was zu vermuten ist,
nicht geben sollte - warum dann diese im Gewand der Empörung dokumentierte Beleidigung? Oder willst Du beweisen, dass es nichts anderes als im Grunde genommen sprachlose Ohnmacht ist, mit der jene auf
kritische Anmerkungen reagieren, die ihrerseits das Kritikmonopol zu haben glauben? Das aber wäre ja auch eine mehr als interessante Nachricht.

Mit besten Grüßen und in der Vorfreude auf eine echte und
argumentationsstarke Diskussion Martin Lohmann

Sprecher des AEK - Arbeitskreises Engagierter Katholiken in der CDU

Sven von Storch

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