Christlich ist mehr als nur konservativ
Christlich ist mehr als nur konservativ
Datum: 15.01.2010, 19:48
Es ist gut und erfreulich, dass sich die Parteivorsitzende Angela Merkel nach Abschluss der Klausur eine lebendige Diskussionskultur innerhalb der CDU wünscht und niemanden ausschließen will. Ebenfalls ist es begrüßenswert, dass bis in die Parteispitze wahrgenommen wird, wie sehr sich vor allem katholische Christen eine erkennbar stärkere politische Beheimatung in ihrer Union wünschen. Zu den hoffnungsvollen Signalen gehört es daher, wenn sich beispielsweise der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, am Rande der Klausurtagung für eine deutlichere Profilierung der CDU in Lebensschutzfragen einsetzt. Wir freuen uns, dass auch der Generalsekretär der CDU, Hermann Gröhe, dessen
Gesellenstück diese Klausurtagung ist, dezidiert bemüht ist, christliche Positionen stärker zur Sprache zu bringen. In diesem Sinne ist auch die Einladung an die EKD-Ratsvorsitzende, Bischöfin Käßmann, und den
Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, ein erfreuliches Signal.
Bedauerlich und auch für viele irritierend wäre es hingegen, wenn von dieser Klausur auch die Nachricht ausginge, die christlichen Wähler seien nicht mehr im Hauptfokus der Partei, auch wenn sie immerhin drei Viertel der aktuellen Wählerschaft ausmachen. Allein diese Fakten widerlegen die Analysen eines bestellten Wahlforschers, durch den der fatale Eindruck entstehen konnte, christliche Wähler könne man vernachlässigen.
Zu den Fakten gehört übrigens auch, dass rund 80 Prozent der Partei-Mitglieder zugleich Kirchenmitglieder sind. Diese Basis begründet seit Jahrzehnten die Stärke der Union. Insofern wäre es fahrlässig, das christliche Profil einem nebulösen Konservatismus-Begriff unterordnen zu wollen. Das „C“ im Parteinamen darf nicht zu einer netten „Balkondekoration“ verkommen. Christlich und christliches Engagement sind wesentlich mehr als nur konservativ! Christliche Überzeugungen sind bestens geeignet, den Modernisierungsprozess der Partei konstruktiv, nachhaltig und freiheitsgerecht zu befördern. Dankbar sind wir dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, der dem Vernehmen nach im Bundesvorstand den AEK ausdrücklich unterstützte. Ebenfalls erfreulich ist die bischöfliche Ermutigung für den AEK im Umfeld der Klausurtagung durch den Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Das „C“ verlangt mehr als Lippenbekenntnisse. Entscheidend sind die konkreten Inhalte, die eine christlich-liberale unionsgeführte Regierungskoalition jetzt umsetzen will. Da sich das „C“ im Parteinamen auf eine ganz konkrete Person, nämlich Jesus Christus, bezieht, sollten dieser Name und damit auch der Anspruch dieser Person im Grundsatzprogramm unserer Partei vorkommen. Es ist richtig, wenn der Kölner Kardinal Joachim Meisner darauf aufmerksam macht, dass das „C“ ohne Jesus Christus nicht denkbar ist und dann letztlich eine unzulässige Vereinnahmung wäre.
Es bleibt die Hoffnung , dass die Klausurtagung dazu ermuntert, mit neuem Mut und Fairness eine respektvolle Dialogkultur zu befördern, um an einem zugleich modernen wie christlichen Profil unserer Partei zu arbeiten. Es kommt jetzt darauf an, aus dieser Klausur etwas zu machen. Der AEK wird sich daran engagiert beteiligen.“
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