Was für eine Rede
Was für eine Rede
Datum: 16.05.2022, 12:15
„Was für eine Rede“, titelte der Tagesspiegel
zum 30.Jahrestag der deutschen Einheit.
Hier im Wortlaut:
„Ein Tag an dem das Geschaffene und
das Geschaffte groß gewürdigt werden muss“.
Kein Bundespräsident hatte so viele Redenschreiber
wie Frank Walter Steinmeier.
Und doch war seine Rede missglückt
Fehler und Unterlassungen:
Erstens diese Fehler:
So ist tatsächlich vom
Friedensabkommen mit Warschau und Moskau zu hören.
Abgesehen davon, dass es- wenn- Verträge hätten
sein müssen: nein! Sie hätten Reparationszahlungen
zur Folge gehabt, die unter allen Umständen vermieden
werden sollten und mussten.
Es waren vielmehr
Gewaltverzichtsabkommen, und die waren
Umstritten genug.
Genug Rechtsexperten meinten, das hätte Deutschland
gar nicht gekonnt.
Man lese einmal nach, wie beispielsweise 1970 über das
sogenannte Bahr Papier gestritten wurde,
benannt nach Willy Brands Berater Egon Bahr.
Im Präsidialamt sollte es den einen oder anderen geben,
der das weiß.
Dann:
Kein Hinweis auf die 2plus4-Verhandlungen
an deren Ende erst das völkerrechtliche Festschereiben
der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze möglich wurde.
Aber eben nicht als singulärer, gewissermaßen
demonstrativer Akt, sondern als Folge des
(grenzgenialen weil geschichts-und rechtsbewussten)
Prozesses zur Absicherung der Einheit.
Steinmeier verliert kein Wort über Helmut Kohl.
Dann:
Richtigerweise dankt der Bundespräsident
den USA dafür, die Einheit ermöglicht zu haben-
Doch trifft er unvermittelt eine Unterscheidung
nach Art der vielkritisierten Identitätspolitik,
in dem er als deutsches Staatsoberhaupt
„diesem Amerika“, dankt. Das ist als suchten wir
Deutsche das uns Genehme aus, ja, als dürften wir das.
Auch hier: nein.
Dann:
Wir Deutsche feiern 30 Jahre Einheit
Und der sozialdemokratische Bundespräsident verliert
kein Wort, nicht ein einziges über
Helmut Kohl, den Kanzler der Einheit
Weil er was war? Christdemokrat?
Man muss Kohl nicht mögen, weiß Gott nicht, und
dennoch seinen Beitrag (damit verbunden: zur
europäischen Einigung) und seinen unbestreitbaren
geschichtlichen Rang anzuerkennen. Uns aus diesem
Anlass, wie es sich gehört, zu würdigen.
Michail Gorbatschow wurde gedankt.
Dann:
30 Jahre danach ein Denkmal für Bürgerrechtler der
DD anzumahnen, ist wohlfeil. Und rückwärtsgewandt.
Wichtiger wäre gewesen, an diesem Tag andere
Vorschläge zu unterbreiten, auf welche Weise
dieses Land wirklich das beste Deutschland wird,
das es je gab, wie der Präsident fürs heutige feststellte.
Kein Richard von Weizsäcker, kein Johannes Rau
hätte eine solche Rede gehalten wie der Bundespräsident.
Übrigens:
Nach dem Einmarsch der russischen Truppen
2008 in Georgien, wollte die EU Sanktionen gegen
Russland verhängen. Deutschland und Frankreich haben das verhindert.
Steinmeier wörtlich:
Wir müssen gute nachbarschaftliche Beziehung mit Russland pflegen.
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