Europa ohne Christus_

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Europa ohne Christus_
Datum: 16.09.2020, 12:37

Der Sozialdemokrat August Bebel argumentierte im Jahre 1875 gegenüber dem katholischen Priester Wilhelm Hohoff, der sich bei Bebel über dessen Angriffe auf das Christentum beklagt,und auf die vielen Verdienste der Christen für die Gesellschaft hinweist, dass das Positive der christlichen Religion in der Ethik liege, und diese Ethik unabhängig vom, wenn nicht gar in direktem Gegensatz zum Dogma stehe. 

Die ethischen Vorstellungen die unsere westliche Kultur ausmachen sind jedoch weder menschlich, noch von den Grundpfeilern des christlichen Glaubens loszulösen.

Im Römischen Reich erlebt die Menschheit eine Zivilisation mit einer gut ausgebauten Infrastruktur, ein hoch entwickeltes Rechtsystem, eine effiziente
Verwaltung — das Reich funktionierte.

Doch diese Zivilisation konnte den Menschen nicht um seiner selbst willen lieben. Die unveräußerliche Würde eines jeden Menschen wäre den meisten Bewohnern des Reiches absurd vorgekommen.

Für römische Philosophen wie Cicero wiederum war der Begriff der Würde zwar von großer Bedeutung, doch betrachtete er dies als eine zu erwerbende Eigenschaft, keineswegs als eine allen Menschen Zuzusprechende. Damit traf er exakt das Gefühl dieser Epoche.

Doch in diese Epoche fällt nun ein Ereignis von solchen Ausmaßen, dass es die Kunst des Historikers nicht zu beschreiben vermag. Mit einem Mal steht der Mensch als Individuum im Mittelpunkt, als solches wird er von Gott angesprochen und angenommen. Keine passives Ertragen des Schicksals, kein ewiger  Kreislauf, keine Unterordnung unter abstrakte Systeme. Die prägnante Antwort des Neuen Testamentes lautet. „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Jetzt ist es nicht mehr wichtig ob ihr Juden, Sklaven oder Freie, Männer oder Frauen seid. In Christus seid ihr alle eins“, bringt es der Apostel Paulus auf den Punkt.

Das Ereignis der Menschwerdung Gottes übersteigt den menschlichen Verstand, es bildete den Kern von Petrarcas neuem Menschenbild, welches die Grundlage unserer Zivilisation werden sollte.

Nach dem Bilde Gottes geschaffen, wird der Mensch zum Gestalter der Welt. Aus dem irdischen Paradies verstoßen, nimmt Gott an seinem Elend teil. Der Sohn Gottes kam in die Welt, er war in allem den Menschen gleich, außer der Sünde. Durch seinem Tod am Kreuz und seine Auferstehung, verlor der Tot seinen Schrecken.

Erst durch diese fundamentalen Erkenntnisse die sich mit der antiken Gelehrsamkeit verbinden, wurde die weitere Entwicklung möglich, die schließlich ihren
vorläufigen Höhepunkt in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung fand.

Die Verfasser der Erklärung waren von dem Glauben an den Schöpfer beseelt, und brachten dies auch explizit in ihren Worten zum Ausdruck.

Dieser unmittelbare Zusammenhang zwischen der Idee der Menschwürde und den Glauben an den biblischen Schöpfergott ist heute vielfach verlorengegangen.

Doch, sowohl unser Bild des Menschen, als auch unsere Liebe zum Menschen basieren unmittelbar auf dem Fundament der christlichen Botschaft.

Sven von Storch

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