Über die Einbildung der Bildung (für unter Dreijährige)

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Über die Einbildung der Bildung (für unter Dreijährige)
Datum: 15.09.2010, 08:25

Die Glorifizierung der frühkindlichen Bildung wird immer abstruser. Schon die dritte Familienministerin rühmt den vermeintlich positiven Effekt dieses nebulösen Instrumentes. Fast jede veröffentlichte Studie muß herhalten: egal was untersucht wurde, egal welche Ergebnisse, immer ist das Resümee: wie gut, daß wir die frühkindliche Bildung haben, wir sollten noch mehr Geld in den Krippenausbau stecken!!!

Auch die grade erschienene Shell-Studie muß dafür herhalten: Aus der Biografie-Sammlung der Shell-Studie, daß schlechte Startchancen auf Grund der sozialen Herkunft wettgemacht werden könnten, zieht Frau Schröder jubelnd den Schluß: „Frühkindliche Bildung ist der Grundstein für Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.

Hat die Shell-Studie diesen Einfluß untersucht? Wurden die soziale Herkunft und die Dauer eines Krippenbesuches unter drei Jahren in Zusammenhang gebracht und konnten so viele Fälle gefunden werden, daß die Zahl statistisch relevant ist und wenn, wurde auch der Einfluß des elterlichen Verhaltens mit berücksichtigt in der Studie? Wurde gefragt, wie die soziale Herkunft wettgemacht wurde? Auf den Internetseiten der Shellstudie läßt sich auch nach intensivem Suchen nichts dazu finden. Warum auch? Gejubelt würde bestimmt auch so.

Mir jedenfalls geht es eher, wie den Menschen in dem Märchen von des „Kaisers neuen Kleidern“. Ich scheine nicht befähigt zu sein, die positiven Effekte frühkindlicher Bildung sehen zu dürfen. 

Jedes Kind, egal ob arm, mit Migrantionshintergrund oder aus bildungsnahen Schichten, hat in den ersten drei Lebensjahren das Recht, bedingungslos geliebt zu werden und sich einzigartig zu fühlen, und zwar vierundzwanzig Stunden am Tag, von der Mama, dem Papa, den Großeltern, den Freunden. Jedes Kind sollte seine Muttersprache lernen dürfen – die Landessprache kann man mit über drei noch lange genug lernen.

Wenn wir aufhören, Kindern dieses Recht auf seine Eltern und deren Liebe zu geben, und sie mit Ersatzgefühlen in Kindertagesstätten aufwachsen lassen, dann werden in fünfzehn Jahren, wie übrigens in allen anderen Krippenländern auch, die psychischen Erkrankungen der Jugendlichen exponentiell zunehmen. Vielleicht finden die Befürworter der frühkindlichen Bildung es ja ok: wenn schon Psychiatrie, dann aber mit Schulabschluß! 

Ach ja, da war doch noch was: ich warte nur noch auf die Aussage, daß die Zunahme der Bedeutung der Familie (in Zeiten wirtschaftlicher Instabilität) auf das Elterngeld und den Krippenausbau zurückzuführen ist: warten wir es ab!!

Sven von Storch

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