Lauterbach fordert Normkinder
Lauterbach fordert Normkinder
Datum: 07.06.2010, 06:41
Experten aus Politik und Bildung forderten gestern Konsequenzen - bis hin zur Kindergeld- und Hartz-IV-Kürzung als Strafe für Eltern dicker Kinder.
Es ist kaum zu glauben, was man da liest: „Wenn sich Eltern nicht um gesunde Ernährung und genügend Bewegung ihrer Kinder kümmern, ist das im Extremfall schon der Einstieg in Kindesmisshandlung.”
Man weiß nicht, ob man amüsiert oder entsetzt reagieren soll.
Amüsiert, weil man sich fragen muss, welche Normen aufgestellt werden und für wen? Und was machen wir mit anderen aus der Norm ragendem Anderssein?
Müssten wir dann nicht ebenso fordern, dass zuerst übergewichtige Politiker und Beamte, rauchende Lehrer und überhaupt ungesund lebende Erwachsene ein Viertel ihres Gehaltes an die Krankenkassen abführen müssten. Wäre noch zu regeln, wie viele Stücke Schokolade, Kuchen oder Eis in der Woche als ungesund einzustufen sind. Und nicht zu vergessen wäre natürlich eine Kontrolle über die tägliche, gesundheitlich zu fordernde Menge an Bewegung, die jeder in der BRD Lebende zu absolvieren hätte.
Entsetzt, weil es sich hier offensichtlich um Unkenntnis über die Ursachen von Übergewicht handelt. Entweder sind die Experten keine Experten oder haben ihr Wissen auf einem andren Fachgebiet. Fast schon Allgemeinwissen ist, dass es sich bei gestörtem Essverhalten um eine psychosomatische Krankheit mit Suchtcharakter handelt. Denn wenn eine Person einfach nicht aufhören kann zuviel zu essen, sie sogar von anfallsartigen „Fressattacken“ heimgesucht wird, kann man das Problem nicht mit mangelnder Disziplin erklären, geschweige denn durch ein Diät-Programm beheben.
Es zeigt sich häufig, dass Essstörungen meist aus Bindungsstörungen während der Kindheit, zwischen dem Betroffenen und seinen Eltern resultieren. Sie stellten den tapferen Versuch dar, unerträgliche Situationen doch zu ertragen, gewaltige Spannungen abzubauen, sich vor Wahnsinn, oder dem eigenem Selbstmord zu schützen.
Das, was also behandelt werden muss, ist die Bindungsstörung.
Macht Herr Lauterbach sich nun der Kindesmisshandlung schuldig, wenn er politisch übersieht, dass er durch die Befürwortung der ganztägigen Entfremdung von Eltern und Kindern (durch frühkindliche Bildungsinstitutionen) die Bindungsstörung jedenfalls nicht beheben kann, sondern schlimmstenfalls verstärkt?
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