Wer Kompromisse sucht, sollte nicht wahlkämpfen

Veröffentlicht:

Wer Kompromisse sucht, sollte nicht wahlkämpfen
Datum: 05.04.2011, 07:19

 man auch Wahlkämpfe. Das ist ein grundsätzlicher Irrtum. Wahlkämpfe sind keine Diskussionsanlässe sondern Auseinandersetzungen um Sein oder Nichtsein. Also soll man sich auch entsprechend verhalten.

Die Konsenskultur in der Schweiz hat zu einem grundsätzlichen Irrtum geführt, zum sogenannt anständigen Wahlkampf. Besonders die bedrängten Mitteparteien FDP und CVP halten das Fähnchen der Aufrechten hoch und wundern sich, wie gerade eben in Bern wieder, wenn die Wählerinnen und Wähler trotzdem den extremen Flügeln ihre Stimme geben.

Die Diskussion in der Arena hat die Hilflosigkeit der beiden Gutparteien CVP und FDP aufgezeigt: Während der national-konservative Toni Brunner das Agendasetting (und die Moderation) übernahm und Kollege Levrat von der gegenüberliegenden Strassenseite seine Pflöcke setzte, ruderten die beiden Mittewahlkampfleiter Vincenzo Pedrazzini, Vizepräsident FDP, und Gerhard Pfister, Nationalrat CVP, im Kreis.

Sie machten sich stark für Kompromiss und die Lösungen. Und machten diese zur Wahlkampftugend. So ein Unsinn.

Wahlkämpfe sind dazu da, deutlich Position zu beziehen und nicht um mit dem politischen Gegner Meinungen auszutauschen. In Wahlkämpfen geht es um Sein oder Nichtsein von Kandidaten und Parteien. In Wahlkämpfen geht es nicht um Verständigung mit den Exponenten der anderen Parteien und die Suche nach Lösungen. Dafür gibt es NACH DEN WAHLEN Kommissionssitzungen hinter verschlossenen Türen.

    * In Wahlkämpfen redet man nicht mit dem Gegner sondern zum Wähler.

In Wahlkämpfen geht es einzig darum, die Wähler in eine Position zu drängen, wo er oder sie gar nicht mehr anders kann, als einem die Stimme zu geben.

Es gibt in einem Wahlkampf nichts Kostbareres als diese eine Stimme des Wählers.

Für Wahl- und auch Abstimmungskämpfe gelten ziemlich einfache Regeln:

    * Sprich die tiefsten Ängste und irrationalsten Hoffnungen deiner Zuhörer an, indem du mit ihren einfachsten Überzeugungen spielst.

Denn es geht bei der heutigen wechselfreudigen Wählerschaft nicht mehr darum, die wenigen treuen Anhänger zu überzeugen, sondern die vielen Unentschlossenen.

Der Appell an die Angst hat dann den grössten Effekt, wenn er konkrete Empfehlungen enthält, wie man die Bedrohung mindern kann, der empfohlene Ausweg vom Wähler als geeignetes Mittel erkannt wird, die Bedrohung zu reduzieren, wenn der Empfänger der Botschaft glaubt, er oder sie könne die empfohlene Aktion auch umsetzen. Daraus folgt die nächste Regel:

    * Erzeuge Angst vor dem, was geschehen könnte, wenn deine Zuhörer deiner Überzeugung nicht folgen.

Man muss demPublikum die ernsten Konsequenzen aufgezeigen, was geschieht, falls es dem vertretenen Kurs nicht folgt. Doch gleich danach muss man ihm den Ausweg aufzeigen. Denn

    * Du hast die Antwort auf das Problem – das Gegengift gegen die Angst deiner Zuhörer.

Die Argumente des Gegners müssen in direkten Zusammenhang mit den Ängsten der Zuhörer gestellt werden. Dabei muss man den Leuten klarmachen, dass es der Gegner ist, der Angst erzeugt, unsere Partei hingegen bringt die Erlösung.

    * Der Appell an die Angst hat dann den grössten Effekt, wenn er den Leuten die Hölle vor Augen führt.

Bei Diskussionsanlässen und Reden empfiehlt es sich, unterschwellige Fragen einzubauen, die nur mit “Nein” beantwortet werden können. Zum Beispiel so:

    * „Möchtest du, dass sie bestimmten, was gut für dich ist. Für deine Kinder?“

Wer auch immer „sie“ ist, spielt keine Rolle. Denn niemand will, dass andere Leute über einen bestimmen, was für einem richtig oder falsch ist. Oder gar für die eigenen Kinder.

Es geht nicht darum, ob „sie“ tatsächlich Entscheide über einen fällen wollen. Es geht lediglich darum aufzuzeigen, dass jemand anderer unfair handelt, dass er Entscheidungen trifft und die Kontrolle ausüben will. Niemand will das!

    * Stelle allgemeine Fragen, die zu einer auf der Hand liegenden Antwort führen.

Den negativen Aspekt des Themas bringt man mit dem politischen Gegner in Verbindung, während die positiven Faktoren mit der eigenen Position verknüpft werden. In Wahl- und Abstimmungskämpfen gilt als eiserne Regel:

    * Komm deinen Gegnern keinen Millimeter entgegen.
    * Wenn die Argumente deines Gegners nicht deinem Konzept dienen, komm ihm keinen Millimeter entgegen.

In Debatten sind langatmige, möglichst alle Positionen einbeziehende, also ausgewogene Argumentationen tödlich. Nach dem dritten Satz hört niemand mehr zu und das Publikum bleibt verwirrt zurück. Will man das Publikum verwirren? Nein.
Also antwortet man kurz und bündig zum Beispiel so:

    * Das ist vollkommen falsch!
    * Das ist völlig irreführend!
    * Falsch!
    * Sie liegen völlig falsch!
    * Die Wirklichkeit ist eine andere.
    * Man ist auch nicht einfach „nicht einverstanden“ sondern „völlig“ oder „überhaupt“ nicht einverstanden. Denn:
    * Sei dir immer bewusst, dass deine Sicht der Dinge
    * die einzig mögliche Sicht der Dinge ist.

Woraus folgt:

    * Gehe keine Kompromisse ein, halte stur an deinem Manuskript fest.
    * Denke daran: Das ist eine Debatte keine Verhandlung.

Wer jetzt meint, es handle sich hier um das Handbuch der SVP, liegt völlig falsch. Nach diesem Drehbuch haben die Demokraten in den USA die letzten Präsidentschaftswahlen gewonnen.

ursprünglich erschienen auf "arlesheimreloaded.ch"

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.