Von Japan und der CVP

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Von Japan und der CVP
Datum: 24.06.2011, 08:14

Man lädt mich jetzt zu einem Mittagessen ein, mit Wein, Dessert und Kaffee.

Dieses Vergnügen hatte ich heute mit der CVP-Nationalrätin Elisbeth Schneider-Schneiter und der CVP-Parteipräsidentin Sabrina Mohn.

Ich gebe zu, dass mir die CVP weit entfernt ist, obwohl ich seinerzeit bei einer CVP-Tageszeitung das journalistische Handwerk lernte.

Die CVP – das ist für mich so etwas wie Japan. Die Denke der Japaner verstehe ich auch nicht.

Allerdings kann ich nicht verhehlen, dass ich in letzter Zeit immer mal wieder aufhorche, bei der CVP.

In nur wenigen Monaten haben die sich derart geschickt in der Mitte – an diesem politischen Unort – in Position gebracht, dass sie im Gegensatz zur SVP und zur FDP listenverbindungsfähig sind und zwar mit attraktiven, weil äusserst modischen Partnern wie der GLP und der BDP.

Und das Bemerkenswerte daran ist, dass diese Strategie nicht nur auf Bundesebene verfängt, sondern beispielsweise auch im Kanton Baselland.

Hier haben wir heute gar Erstaunliches erlebt: Die SVP nimmt die CVP offensichtlich bereits derart ernst, dass sie per Medienmitteilung ihren Wahlentscheid für den CVP-Mann für den Schreibtisch des 1. Landschreibers schon tagszuvor bekannt gibt.

Und so kam es dann auch. Herr Achermann wurde gleich im ersten Wahlgang gewählt.

In Klammer: die FDP hat ihren Mann mit gerade mal zwei Fraktionsstimmen im Regen stehen lassen, eine Schmach für den FDP-Kandidaten sondergleichen.

Die Ausgangslage für die Herbstwahlen sind denn für die CVP im Landkanton äusserst komfortabel. Frau Schneider-Schneiter kann dem Wahltermin ebenso gelassen entgegensehen, wie ihr Kollege Baader von der SVP.

Und was die Ständeratswahl anbelangt, so liegt sie schon jetzt vor Herrn Baader, was man auch bei den Nationalkonservativen, wenn die Öffentlichkeit nicht zuhört, nicht bestreitet.

Dort bereitet man sich gedanklich bereits auf den zweiten Wahlgang vor – und schliesst nicht aus, die bürgerliche Kandidatin zu unterstützen.

Das Rennen läuft also zwischen SP-Mann Claude Janiak und Elisbeth Schneider-Schneiter und wenn Herr Janiak in einen zweiten Umgang steigen muss, dann ist das Rennen völlig offen.

Vielleicht ist das jetzt ein erstaunlicher Satz: Ich mag es, widerlegt zu werden.

Und zwar deshalb, weil ich ja inzwischen weiss, wie ich denke und wenn ich meine Meinung korrigieren muss, wird mir die Möglichkeit geboten, eine Auszeit von meiner Denke zu nehmen.

Widerlegt wurde meine Meinung über Frau Mohn (“etwas unbedarft”).

Und zwar nicht erst seit heute (so teuer war das Essen nun auch wieder nicht); sondern schon seit ein paar Wochen. Die 28-jährige Parteipräsidentin – eher eine Verlegenheitslösung, oder? – mag zwar nicht beschlagener sein als andere Präsidenten.

Das spielt auch keine Rolle.

Das Geheimnis erfolgreicher Politik liegt im richtigen Timing. Und dieses hat sie in den letzten Wochen nicht schlecht beherrscht.

Nehmen wir beispielsweise die Einsetzung des SVP-Ständeratskandidaten Baader. Kaum war die Befehlsausgabe aus Bern im Baselbiet eingetroffen und die FDP nicht so recht wusste, ob sie soll oder doch nicht, meinte Frau Mohn recht selbstsicher, Herr Baader könne nie und nimmer auf die Unterstützung der CVP nicht zählen.

Das war gleichzeitig die unausgesprochene Ankündigung der eigenen Kandidatin. Die beiden hatten sich ein paar Tage zuvor schon abgesprochen.

Das macht doch Spass. Oder?

ursprünglich erschienen auf "arlesheimreloaded.ch"

Sven von Storch

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