Nix da mit schlechtem Gewissen

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Nix da mit schlechtem Gewissen
Datum: 22.12.2009, 09:13

Zum Beispiel die neue Gaspipeline von Deutschland nach Russland - die ist zwar schön für die sichere Versorgung, aber da wird man dereinst je nach sich wandelnden Umständen einen hohen politischen Preis bezahlen müssen.

Doch nun will man uns in die nächste Schlechtesgewissenfalle tappen lassen.


Nachdem wir über Jahrzehnte Milliarden an sogenannter Entwicklungshilfe in den Süden gepumpt haben, mit wenig Nutzen aber viel schlechtem Gewissen von wegen Kolonialismus (meine Familie war daran beteiligt, weil sie regelmässig Kaffee und andere Dinge im Kolonialwarenladen kaufte); geht das Spiel nun von Neuem los: Wir haben in den letzten Jahrzehnten viel Schuld auf uns geladen, von wegen CO2-Verbrauch.

Nein. in diese Falle trampe ich nicht.

Ich habe überhaupt kein schlechtes Gewissen, dass in den frühen Siebzigern des letzten Jahrhunderts mein Döschwo - der hatte eine Knautschzone von Stossstange zu Stossstange - fast sechs Liter Benzin verbrauchte und das mit einem Motörchen mit ganzen 29 PS. Der Käfer meines Vaters verbrauchte damals sagenhafte 14 Liter auf Hundert Kilometer.

Es ist mir auch egal, dass der Kühlschrank in den 80ern punkto Elektrizitätsverbrauch kein Sparweltmeister war und auch punkto FCKW ein Umweltfrevler. Es ist mir auch wurscht, dass all die tollen Stereoanlagen, CD-Player, Radio- und Fernsehgeräte, die ich in den letzten Jahrzehnten verschliessen habe, keine Stand-by-Automatik hatten.

So war das nun mal.

Und auch jetzt plagt mich kein schlechtes Gewissen, dass auf dem Parkplatz vor unserem Haus ein Auto steht (218 PS, 7.5 l / 100 km). Ob ich die Bahn, das Tram (alles gleich um die Ecke) benutze oder meinen BMW ist eine Frage der Zeitoptimierung und des Komforts. Da hat die Bahn oft die Nase vorne.

Es ist ja nicht so, dass wir das alles nur zu unserem Spass besitzen. Es ist ja nicht so, dass die Tausenden von Pendlern nur so aus Tollerei herumfahren. (Jeder Arbeitsplätz löst zwischen fünf und zehn Autofahrten aus.)

Da steckt Wertschöpfung dahinter.

Die Ressourcen, die in den letzten Jahrzehnten von unserer Generation verbraucht wurden, haben unter dem Strich enorme Mengen an nützlichen Dienstleistungen und Waren gebracht. Und zwar nicht nur uns, sondern auch den Ländern im Süden.

Wir müssen uns nur genau hinsehen: Nichts als in Hard- und Software gebundenes CO2.

Afrika telefoniert heute fast flächendeckend mit Nokias.

Die im Süden werden schneller auf Solarenergie umsteigen, als wir denken. Die Preise sind mächtig ins Rutschen geraten, seit auch in dieser Industrie die Marktwirtschaft zu funktionieren beginnt. (Die Frage ist nur, ob wir so blöd sein werden, das zu bezahlen und die Chinesen liefern zu lassen.)

Ich fahre sofort mit einem Auto herum, das nur noch zwei Liter verbraucht. Überhaupt verbrauchen wir heute massiv weniger Energie als noch vor fünf, zehn Jahren (allein wenn ich an die Heizkosten dieses 100 Jahre alten 8-Zimmerhaus denke, wo wir früher gewohnt haben oder an die ebenso alte Villa in bester Lage, wo wir bis vor kurzem unsere Büros hatten ...).

Aber ich bin nicht bereit, auf meinen Lebenskomfort zu verzichten. Ich rede nicht von Kaviarluxus, sondern einfach von Lebensverhältnissen, die mir ermöglichen das zu tun, was ich tue.

Also: Nix da mit schlechtem Gewissen. 

 

Der Blog erschien zuerst auf Arlesheimreloaded

Sven von Storch

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