Niemand will auf zu Guttenberg verzichten
Niemand will auf zu Guttenberg verzichten
Datum: 22.02.2011, 12:11
Herr (Dr.) zu Guttenberg ist ein interessanter Fall, er ist gar ein exemplarischer Fall.
Ich meine nicht die Sache mit dem Abschreiben, sondern was rund um das Abschreiben medial geschieht.
Zum einen kann man festhalten, dass es nicht mehr recherchierende Journalisten sind, welche sich durch die zu Guttenbergsche Doktorarbeit wühlen, um plagiatsfündig zu werden, sondern hunderte interessierter Bürger.
Man nennt das Schwarmintelligenz. Oder neue Freizeitbeschäftigung.
Den Medien bleibt lediglich die Rolle der Empörten – und der Vermarkter der Geschichte. Sie sind die Einzigen, die mit dem Guttenbergdokorat derzeit Geld verdienen. Empörung verkauft sich gut.
Zum anderen Herr zu Guttenberg selbst. Er schwieg (mediale Empörung); er wiegelte ab (mediale Empörung); er dementierte (mediale Empörung).
Jetzt gibt er den Doktortitel zurück mit einem Satz, der das Zeugs zum geflügelten Wort hat:
Blödsinn, den ich geschrieben habe.
Und dabei hat er gedacht, was soll der Quatsch. Das “zu” reicht mir allemal. MEDIALE EMPÖRUNG!
Grandios.
Damit ist die Sache weitgehend erledigt. Die Medien können nicht auf einen wie zu Guttenberg verzichten. Die CSU kann nicht auf den zu Guttenberg verzichten. “Das Volk” will nicht auf seine Durchlaucht Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg verzichten. Besonders jetzt, wenn er eingesteht:
Ich bin ein Mensch mit Fehlern und Schwächen und stehe auch öffentlich zu meinen Schwächen.
Herr zu Guttenberg ist ein exemplarischer Fall. Er zeigt auf, wie Kommunikation 2.0 funktioniert. Er zeigt, dass die Wirkung von Leaks-Seiten geringer ist, als man gemeinhin denkt.
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