Literaturkritik - ein Rätsel

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Literaturkritik - ein Rätsel
Datum: 19.03.2012, 07:04

Weil dies die Körperlage ist, mit der sich auf dem iPad (erste Generation) am entspanntesten lesen lässt.

Die Sonntagszeitungen sind heute schnell überflogen. Die Newslage ist dürftig und interessante Kommentatoren und Denker scheinen entweder ausgestorben zu sein oder sich – wie mein Enkel – noch in der vorsprachlichen Phase zu befinden. (Wir unterhielten uns mittels Schnalzlauten, Summen, Lippen vibrieren und, ja, mit rhythmischem husten. Letzteres hat mich verblüfft.)

Also öffnen wir die ZEIT-App und freuen uns, dass für uns die Zeiten, als uns die Wochenzeitung auf Dutzenden, gefühlt bettlakengrossen Papierseiten geliefert wurde, unwiderruflich vorbei sind.

Sie verspricht zu meiner Freude schon auf der Titelseite einen “Literatur Spezial”-Bund (was auf dem iPad ein praktischer Schieber mit Titelbild und Kurzbeschreibung bedeutet). Schliesslich braucht man heute, wie geschrieben, nicht nach Draussen zu gehen, ein Faktum, das mit einem neuen Roman untermauert werden könnte. Zumal Amazon & Co. auch sonntags geöffnet haben.

Diesen Beitrag schreibe ich, nachdem ich sämtliche Buchkritiken gelesen oder zumindest überflogen habe.

Ich staune.

Da ist nicht ein einziges Buch darunter, dass die mir empfehlen können. Zumeist im letzten Abschnitt kommt der Teil, der einem die Lust, respektive die Überzeugung nimmt, dieses oder jenes Buch unbedingt lesen zu müssen.

Dass tönt dann wie “tolles Auto, jedoch hat der Konstrukteur es unterlassen, wirksame Bremsen einzubauen”. Ich meine, wer kauft schon ein solches Auto?

Es ist mir ein Rätsel, weshalb man solche Rezensionen schreibt, d.h., natürlich weiss ich es schon. Weil sie nicht für mich schreiben, den Leser mit dem iPad, der so ein Buch sofort kaufen könnte, sondern für jene, die das Rascheln von Zeitungspapier auf eine Stufe mit dem Oster-Oratorium von Bach stellen, was bedeutet, dass sie sich dieses oder jenes Buch oder auch ein ganz anderes irgendwann mal kaufen und die Rezension in der ZEIT auf “ich-hab-schon-mal-etwas-über-dieses-Buch-gelesen” reduzieren.

Es bleibt der Trost, dass man diese unnützen Papierseiten nicht auch noch entsorgen muss. Schliesslich ist man ja umweltbewusst, auch wenn man sich nicht zu den Anhängern der CO2-Religiösen zählt.

Doch das ist ein anderes Thema.

arlesheimreloaded.ch

Sven von Storch

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