Im Zweifel für Strauss-Kahn
Im Zweifel für Strauss-Kahn
Datum: 18.05.2011, 07:49
allein in einem Zimmer aufhält. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn dies in einem Hotelzimmer passiert, zumal in den USA. Es kann sein, dass man wenig später von der Polizei in Handschellen abgeführt wird. Ein Anruf bei der Polizei genügt. Kein Mensch weiss derzeit, was tatsächlich in diesem Hotelzimmer 2806 in New York vorgefallen ist. Doch alle Welt kann sich vorstellen, dass Herr Strauss, wie von den Boulevardmedien kolportiert und von den anderen Medien – auf seriös machend – nachgeplappert wird, über dieses Zimmermädchen hergefallen ist. In allen Einzelheiten. Warum können sich das alle vorstellen? Weil es geradezu zur Political Correctness gehört, die Version der unschuldigen Frau als die einzige wahre zu befürworten. Denn darüber herrscht offensichtlich Konsens: Der Mann ist ein xxxgetriebenes, unbeherrschtes Monster. Interessant ist der Fall Strauss, wenn man ihn mit der veröffentlichten Meinung beim Fall Assange vergleicht. Während der Fall Strauss – so wie der Fall Kachelmann übrigens auch – für die veröffentlichte Meinung bereits geklärt ist, ist dieselbe Öffentlichkeit ebenso überzeugt, dass hinter dem Fall Assange nichts anderes als eine Verschwörung steht, eine Verschwörung amerikanischer Geheimdienste. Ähnliche Verdachtsmomente im Fall Strauss wurden von europäischen Medien als lächerlich abgetan. Weshalb eigentlich? Weshalb ist es denn so undenkbar, dass man Herrn Strauss eine Falle gestellt hat? Gibt es nicht genügend Interessen, den Mann abzuservieren – in Frankreich von der politischen Bühne, beim IWF vom Chefsessel? Während Herr Sarkozy schweigt, streiten sich die Länder bereits um die Nachfolge von Herrn Strauss. Was ja nichts anderes heisst, dass allein die Anschuldigung genügt, um ihn aus Amt und von der Macht zu entfernen. Was sind das für Sicherheitsvorkehrungen, wenn ein Zimmermädchen völlig allein in die Hotelsuite eines hoch gefährdeten VIP spazieren kann? Die Selbstverständlichkeit, mit der man heutzutage Männer zu potenziellen Vergewaltigern stempelt, ist widerwärtig.
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