Der Tag danach

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Der Tag danach
Datum: 30.11.2009, 10:52

in seiner Momentaufnahme, die als Voraussage verkauft wird, daneben liegt, geht nicht mal auf einem Jahrmarkt als Kaffeesatzleserin durch.

Ich bin da mit dem ehemaligen Pressesprecher des Bundesrates, Oswald Sigg, völlig einer Meinung, der in der NZZ am Sonntag schrieb, man solle die SRG-Umfragen schlicht und einfach verbieten, weil sie einen unerwünschten Eingriff in den Abstimmungsprozess darstellten.

Nein, mit diesem Resultat hat nun wirklich niemand gerechnet.

Die Frage ist nun, ob das Schweizer Stimmvolk tatsächlich so blöd ist, wie viele behaupten oder ob bei dieser Abstimmung auch gilt, was sonst immer gesagt wird, nämlich dass das Volk staatsbürgerliche Reife bewiesen habe.

Man kann ja nicht mal so und dann wieder so.  Interessant ist ja, wie die Kommentare der Journalisten der ausländischen Medien und die Kommentare in den Foren dieser Medien auseinanderklaffen. Während die einen politisch korrekt ihrer Abscheu kundtun, rufen die anderen - das Volk - Bravo.

Vergessen wir mal diesen Verfassungszusatz über eine Bauvorschrift, von dem ich noch immer der Meinung bin, es sei absurd, einen solchen in der Verfassung zu verankern. Nehmen wir das, was passiert ist zum Nennwert: Hier fand und findet eine intensive Diskussion über die eigenen und die Werte von anderen statt.

Was bitte ist daran so schlecht?

Während sich in anderen Ländern eine solche Diskussion lediglich in (gelenktem) medialem Rahmen  abspielt, sich mal in dieser oder jener repräsentativen Umfrage niederschlägt oder dann alle vier Jahre im Wahlresultat für extremistische Kräfte, findet in der Schweiz auch dazu ein für alle verbindlicher Urnengang statt.

Jetzt haben wir das Resultat.

Ob einem das Resultat nun in den Kram passt oder nicht: Ich halte diesen Vorgang für eine reife Leistung, weil er nicht auf der Strasse sondern in demokratischem Rahmen stattfindet.

Dazu gehört nun mal, dass man am anderen Tag die Konsequenzen seines Handelns trägt. Und das tut die Schweiz ohne Zweifel. Wobei wir etwas gelassen davon ausgehen können, dass wir jetzt einfach noch ein weiteres Problem haben.

Doch auf eines mehr kommt es in dieser komplexen Welt wohl auch nicht mehr an.  

Tolerant kann nur der sein, der weiss, wo die Grenze zum Kniefall gezogen wird. Insofern wäre es eine Fehlinterpretation des Resultats, würde man nun davon ausgehen, hier habe in den letzten Wochen eine Le-Penisierung der Schweiz stattgefunden.

Nein, was wir erlebt haben, ist eine Diskussion, die überfällig war. Doch zur schweizerischen Eigenheit gehört halt, dass wir nicht nur in den Leserbriefspalten und in der Arena diskutieren (und in Blogs); sondern dass wir nach der Diskussion noch eine verbindliche Entscheidung fällen (wollen).

Mit allen Konsequenzen, die daraus entstehen.

Und genau das ist die Worterklärung von "reifer Leistung".

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 30. November 2009 auf "arlesheimreloaded.ch"

Sven von Storch

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