Als das Negerli bei jeder Münze dankbar nickte

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Als das Negerli bei jeder Münze dankbar nickte
Datum: 15.06.2009, 12:27

Entwicklungshilfe ist eine Religion. Deshalb kann man sie nicht einfach abschaffen.

Wir wurden in unserer Jugend konditioniert, den Leuten in Afrika, die wir noch Neger nannten, helfen zu müssen. Zu Weihnachten schickten wir ihnen jeweils ein Päkli mit einer Schoggi, einem Nastuch und einem Bleistift und während des Jahres steckten wir Fünferli und Zehnerli ins Holzkässeli und freuten uns, weil das Negerli bei jeder Münze dankbar nickte.

Wenn Intellektuelle aus Afrika uns sagen, wir sollten endlich aufhören mit der Entwicklungshilfe, dann erschüttern sie die Grundfesten unseres Glaubens. Dies tut in der aktuellen Weltwoche Dambisa Moyo aus Sambia.

"    Als Anfang der sechziger Jahre die Entwicklungshilfe startete, waren ihre Ziele, das Wirtschaftswachstum zu steigern und die Armut zu reduzieren. Doch alle Programme haben hinsichtlich dieser Messgrössen versagt. In den vergangenen fünfzig Jahren sind mehr als zwei Billionen Dollar Hilfe von den reichen an die armen Länder geflossen. Dennoch steht Afrika heute schlechter da als vor fünfzig Jahren. Lebten damals nur 10 Prozent der Einwohner unter der Einkommensgrenze von zwei Dollar, so sind es heute 70 Prozent. Während der letzten dreissig Jahre sank das Wirtschaftswachstum jährlich um 0,2 Prozent.  "

Auch dieses lesenswerte Interview wird kein Umdenken bewirken. Das liegt an den "Mediating Factors".

Dieses vom Medienwissenschaftler Joseph Klapper in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts beschriebene Phänomen besagt, dass wir unsere Meinung aufgrund von Zeitungsberichten nur ändern können, wenn wir die Meldung unvoreingenommen, d.h. ohne Prädisposition, wahrnehmen.

Weil dies zumeist nicht möglich ist, schon gar nicht beim emotionalen Thema "Entwicklungshilfe", treten unsere Meinungsfilter in Aktion und verstärken oder bestätigen lediglich unsere bereits vorhandene Einstellung zum Thema. Anders ist es bei neuen Themen oder bei solchen, welche in die Richtung eines bereits in Gang gesetzten Einstellungswandels zielen. (Für Interessierte siehe auch das S-O-R Modell.)

Weil wir von Kindheit an auf Entwicklungshilfe getrimmt sind, weil allein in der Schweiz die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Existenzen von Hundertausenden auf der Idee der Entwicklungshilfe basieren – man denke etwa an Max Havelaar, Drittweltläden, all die Bundesämter, nicht zu vergessen die Parteien – wird sich auch auf lange Zeit nichts ändern.

Der neue Ansatz wäre demnach, dass wir sagen: Vielleicht wissen es die Leute in Afrika, wie beispielsweise Dambisa Moyo, James Shikwati und Andrew M. Mwenda tatsächlich besser als wir. Also beginnen wir doch, auf sie zu hören.

www.arlesheimreloaded.ch

Sven von Storch

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