Luftbrücke und Hilfs-Industrie

Eines muss man der Hilfsindustrie lassen: Sie hat ihre Lektionen gelernt. Kein anderer multinationaler Konzern setzt die Mittel der Werbung derart massiv, perfekt und wirkungsvoll für sich ein, wie Caritas, UNICEF, Kindernothilfe und wie sie sonst noch alle heißen. Das zeigt sich einmal mehr am heutigen Sonntag, wenn sich das Ende der Berliner Luftbrücke zum siebzigsten Male jährt.

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Denn dieser Festtag wird auf dem Tempelhofer Feld von eben diesen Hilfsindustrieellen bestritten. Sie stellen sich in die Tradition jener Leistung, die damals Westberlin retten und als Stachel im Fleisch des sozialistischen  Reichs lassen konnte. Der Trick, mit dem sie diese Propagandalüge verbreiten, ist einfach und daher am Ende womöglich erfolgreich. Man stellt die Luftbrücke von damals dar als humanitäre Aktion, die darauf zielte, den Hilflosen selbstlos zu unterstützen. Wie selbstverständlich umschreibt man damit zugleich den eignen Antrieb: Selbstlos die Elenden der Welt mit Brot, Wasser und Bildung zu versorgen. Mit dieser Propagandalüge im Hinterkopf kann sich womöglich sogar die politische Linke für die Luftbrücke erwärmen, die für den Sozialismus die erste von vielen Niederlagen bedeutete.

Dabei verrät schon ein erster Blick, dass der Vergleich so ziemlich überall hinkt. Das beginnt schon mit den Zielen, mit denen die Hilfsaktionen begannen. Die Luftbrücke diente von ersten Tag auch den Interesse von Engländern und Amerikanern. Sie machten durchaus keinen Hehl daraus, dass sie in Berlin auch sich selber gegen die Russen vertraten. Die Berliner wurden über Nacht zu Verbündeten im Kampf gegen den Sozialismus. Dass die erst vor kurzem noch Bombardierten den moralischen Strohhalm ergriffen, war ein nützlicher Nebeneffekt. Nur wäre kein Politiker in London oder Washington auf die Idee gekommen, die Luftbrücke als altruistischen Hilfsakt zu deuten. Das haben ihnen später linke Politiker unterstellt, um ihnen dann nachzuweisen, dass sie lediglich ihre Interessen vertraten.

Die Hilfsindustrie ist es, die nach dieser Masche tatsächlich verfährt. Wenn die studentischen Hilfskräfte von UNICEF vor Kaufhäusern lauern, um mit Kinderaugen bei Passanten Geld abzugreifen, dann steht immer und überall fest: Wir betteln hier in aller Selbstlosigkeit. Man muss die Bettler lediglich fragen, was sie für das Betteln erhalten. Die bösen Blicke sind dem Fragenden sicher. Für die Piloten einer C-47 war der Flug nach Berlin dagegen Dienst an der Waffe. Die freudigen Kindergesichter im versorgten Landegebiet waren sicher willkommen und gaben dem Dienst mitunter einen tieferen Sinn; doch im Kern herrschten Pflichtgefühl und militärische Ordnung. Keinem wäre es eingefallen, seinem Dienst höhere moralische Weihen zu geben, wie es für sämtliche Mitarbeiter der Hilfsindustrie so selbstverständlich erscheint.

Und so schält sich eines der Hauptmerkmale heraus, das die Aktionen der angloamerikanischen Flotten von den Wolfsrudeln der Hilfsindustrie unterscheidet: Die Helfer, die in Afrika Kinder versorgen, versorgen ganz zuerst ihr eigenes Selbstwertgefühl und erst in zweiter Linie die Kinder. Insbesondere handeln sie auch nicht im Interesse jener, deren Geld sie verschenken. Hier dominiert Egoismus in Reinform, hat die Konsumgesellschaft im Tausch Spende gegen Ware ihre höchste Form der moralischen Selbsterbauung gefunden. Der Spender, dem man seinen Reichtum verdankt, wird zum Objekt der Begierde, dem der Helfer auf jedem Werbeplakat den Eintritt in die moralische Seligkeit attestiert, wenn er nur spendet. Die Essensausgabe an die Hungernden wird zum letzten Glücksrausch am Überfluss verhungernder Wohlstandskinder.

Wenn man nun noch beachtet, dass sich die Asylindustrie ganz zuerst aus den Mitgliedern der Hilfsindustrie rekrutiert bzw. mit ihnen personell eng vereint ist, wird der Vergleich von Luftbrücke und Hilfspolitik grotesk. Denn selbstverständlich zielte kein einziger Befehlshaber und ganz sicher kein Pilot auf die Auflösung der Nation, zu der er gehörte. Man vertrat über Berlin das eigene, das amerikanische und das englische Volk, wie vier Jahre vorher bei den Luftangriffen gegen die Hauptstadt des feindlichen Staates.

Und auch die Versorgten sahen das so. In der berühmten Rede Ernst Reuters vor der Reichstagsruine heißt es: "Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien! Schaut auf diese Stadt und erkennt, daß ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt!" - Allein in diesen zwei Sätzen spricht Reuter dreimal von Volk. Seine Rede ist von einer Deutlichkeit, die es jedem linken Hilfsindustrieellen, der diese Rede zu vereinnahmen sucht, Magenkrämpfe verursacht, wenn er denn lesen kann. - Reuter: "Wir möchten der SED nur einen Rat geben: Wenn sie ein neues Symbol braucht, bitte, nicht den Druck der Hände, sondern die Handschellen, die sie den Berlinern anlegten. Die Handschellen, die sind in Wirklichkeit das Symbol dieser erbärmlichen Kümmerlinge, die für dreißig Silberlinge sich selbst und ihr Volk an eine fremde Macht verkaufen wollen." - Soviel ist sicher: Die Lumpen, die unser Volk heute an Fremde verkaufen, sind Lichtjahre von diesem Bürgermeister entfernt. Etwa 40 Mal spricht Reuter vom "Volk". Dafür wäre ihm in unserer Zeit der Hass eines Maas, eines Habeck und einer Merkel sicher. Und er würde auch sicher nicht ins Präsidium des Bundestages gewählt.

Nein, die Luftbrücke von Engländern und Amerikanern ist in nichts aber auch gar nichts den Aktionen der Hilfsindustrien auch nur ähnlich. Die Hilfsindustrie versucht seit 70 Jahren vor allem im Namen der UNO Hilfe zu leisten. Doch die Not ist durch keine Spende geringer geworden; keine Entwicklungshilfe hat auch nur einen Staat in der Welt zu Wohlstand und Frieden geführt. Nur die Hilfsindustrie ist zu einem lukrativen multinationalen Unternehmen geworden.

Wie anders die Luftbrücke von Berlin. Sie war ein Erfolg. Royal Air Force und US Army Air Force versorgten ca. 2 Millionen Westberliner über ein Jahr lang und danach fand Westberlin zu sich selber. Ernst Reuters Worte am Beginn seiner Rede waren prophetisch: "Wir kommen wieder! Wir kommen wieder in den Ostsektor Berlins, wir kommen auch wieder in die Ostzone Deutschlands!"

Damals wurde ein Volk erfolgreich gerettet; heute werden die Völker Europas und Afrikas von der Hilfsindustrie systematisch zerstört.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Markus Estermeier

Die Frage ist berechtigt: Haben die UNO und all die namhaften Hilfsorganisationen in den mehr als 60 Jahren die ich zurück denken kann, auch nur einem einzigen Land Frieden und Wohlstand gebracht?
Nein! Es wäre auch nicht in ihrem Interesse, denn würden sie ihre Aktionen erfolgreich abschließen könnten sie ihren Laden mangels weiterer Aufgaben dicht machen.

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