Lückenpresse oder doch mehr?

Am Montag dem 23.7.2018 um 20.00 Ortszeit brach der fast fertiggestellte Staudamm Xepian-Xe Nam Noy in Laos. 5 Milliarden Kubikmeter Schlamm und Wassermassen ergossen sich über mehrere Dörfer. Offizielle Bilanz: (angeblich nur) 27 Tote, aber Hunderte vermisste Personen — zumeist Kinder — und fast 7000 Obdachlose. Eine schreckliche Tragödie.

Veröffentlicht: | Kategorien: Blogs, Blogs - Empfohlen, Blogs - Politik, Blogs - Politik - Empfohlen | Schlagworte:
von

Solche Unglücke im Zusammenhang mit der Gewinnung elektrischer Energie und Naturereignissen — hier außergewöhnliche Regenfälle — wird es immer wieder geben. Nur Laien glauben an „gute“ und „böse“ Arten von Energie. Es soll hier nicht um die technischen Aspekte gehen, sondern das Warum steht hier im Vordergrund und die (zweifelhafte) Reaktion der Medien in Deutschland.

Die Demokratische Volksrepublik Laos ist einer der ärmsten Länder in Asien. Ein vom Kommunismus gebeuteltes Land. Mehr als 23% der Bevölkerung haben weniger als 2 US$ pro Tag zur Verfügung. Von einschlägigen Kreisen wird es wegen seiner Topographie gern als „Batterie Südostasiens“ bezeichnet. Der Mekong durchfließt das Land auf rund 2000 km Länge. Zahlreiche laotische Flüsse münden in ihm. Besonders diese Nebenflüsse werden mit Stauseen zur Stromerzeugung gepflastert. Geld hierfür fließt zur Zeit in Strömen — nicht nur aus China — denn Staudämme sind wie Windräder gut für das Klima. Besonders all die Anleger, die aus der „bösen Kohle“ aussteigen, brauchen dringend neue profitable Geldanlagen. Der gerade zusammengebrochene Xepian-Damm hat bereits über eine Milliarde US$ verschlungen. Er sollte eine Leistung von 410 MWel haben und 1860 GWh pro Jahr liefern. Dies ergibt aufschlußreiche Zahlen: Die spezifischen Investitionskosten betragen somit etwa 2400 US$ pro KWel. Aber halt, da ist ja noch eine zweite Zahl: Geplante Produktion 1860 GWh pro Jahr. Hoppla, das sind ja gerade 4536 Vollbenutzungsstunden. So ist das halt mit den wetterabhängigen Umweltenergien. Ein Kernkraftwerk läuft mindestens 7885 Vollaststunden pro Jahr, also fast doppelt so lange. Und dies immer dann, wenn man den Strom braucht und nicht wenn der Wettergott Lust hat. Somit dürften die gleichwertigen Investitionskosten also rund 4200 US$ pro kWel betragen. Das ist die Antwort, warum ganz Asien Kernkraftwerke (nahezu keine Brennstoffkosten, aber entsprechende Infrastruktur erforderlich) oder Kohlekraftwerke baut.

Hinzu kommt noch ein anderes Problem: Konventionelle Kraftwerke sind nahezu standortunabhängig und benötigen nur wenig Fläche. Wasserkraftwerke können praktisch nur noch in Diktaturen gebaut werden: In diesem Fall mußten sechs Dörfer mit ihren Einwohnern verschwinden. Entschädigung? Es handelte sich um eine Minderheit von Bergstämmen. Wer bekommt den Strom? Die „Eingeborenen“ wären gar nicht in der Lage die elektrische Energie zu bezahlen. Deshalb sollen 90% der Stromproduktion nach Thailand exportiert werden. Langfristige Verträge über 27 Jahre sichern den Banken ihren Rückfluß des eingesetzten Kapitals — plus einer netten Rendite. Umweltbelastung? Bei einem Wasserkraftwerk kommt zwar kein „böses CO2“ aus dem Schornstein, aber jeder Staudamm belastet das „Ökosystem Fluß“. Wenn man dutzende miteinander verbundene Wasserkraftwerke baut, wird das einen erheblichen Einfluß auf Flora und Fauna haben. Der Mekong ist aber die Lebensader für die Flußanrainer von China bis Vietnam.

Die Berichterstattung in unserem Lande

Erinnern sie sich noch an Fukushima? Von morgens bis abends gab es kein anderes Thema. Nun ist Laos auch nicht weiter als Japan. In beiden Fällen war die Ursache ein Naturereignis. In Laos ein Tropensturm mit außergewöhnlichen Niederschlägen und in Japan ein Tsunami. Die immerwährenden Wasserschäden halt. Naturgewalt wird man nie ausschließen können, lediglich sich dagegen durch viel Technik wappnen können. In beiden Fällen entstand erheblicher Sachschaden. Nicht nur für die Anlagenbetreiber, sondern auch für viele völlig unbeteiligte Personen in weiterer Entfernung. In einem Fall wahrscheinlich hunderte Tote durch die direkte Einwirkung der Anlage, im anderen Fall sind keine Menschenleben zu beklagen. Was macht nun den Unterschied in der Wahrnehmung beider Ereignisse aus?

In der Wahrnehmung „normaler Menschen“ gibt es kaum einen Unterschied. Im Gegenteil dürfte das Mitfühlen für die Angehörigen der Todesopfer (überwiegend Kinder) in Laos eher größer sein. Man erinnere sich nur an die Kinder-Fußballmannschaft in Thailand. Weltweit wurde tagelang mit den in der Höhle eingeschlossenen mitgefiebert. Aus aller Welt traf Unterstützung ein. Warum also, reagierten die Medien in Deutschland — das muß ausdrücklich betont werden — so desinteressiert? Es ist ja nicht so, daß kein Bildmaterial oder Hintergrundinformationen vorhanden sind. Es liegt alles vor für eine „Enthüllungs-Geschichte“ a la „Panama-Papers“ etc.: Diktatoren, Indigene Minderheiten, Ausbeutung der „3. Welt“, Banken, internationale Konzerne, großräumige Umweltzerstörung usw. Kurz, alles was einen Linken elektrisiert. Ne richtige „Spiegel Story“ so zu sagen.

Man könnte die Antwort in einem Satz geben: Was nicht sein darf, findet auch nicht statt. Die totale Realitätsverweigerung. Wie einst in der DDR. Tschernobyl hielt erst mit tagelanger Verzögerung Einzug in die Aktuelle Kamera. So funktionieren halt staatliche Medien. Nur mit dem Unterschied, daß die DDR sich selbst gegenüber so ehrlich war, ihre Medien direkt aus dem Staatshaushalt und nicht über eine Zwangsabgabe für Wohnungen zu finanzieren. Die Wirkung ist die gleiche: Von den Regierenden mit üppigen Mitteln und unzähligen Privilegien ausgestattet, weiß man auch ohne direkte Anweisung, was zu tun ist.

Die Vorgabe ist einfach und auch von „Nachrichten-Vorlesern“ mit geringer Bildung auszuführen: Die Energiewende ist um jeden Preis zu verteidigen. Kernenergie und Kohle sind beides Teufelszeug, müssen daher mit allen Mitteln — besser gesagt Gruselgeschichten — madig gemacht werden. Einzig selig machend ist Wind- und Sonnenenergie mit (noch zu erfindenden) Speichern und deshalb darf der Bruch eines Staudammes nicht stattfinden. Höchsten als Randnotiz, sonst könnte der Bürger noch auf abwegige Gedanken kommen.

Das „GEZ-Fernsehen“ ist schon länger auf dem Niveau der Prawda angekommen: Immer mal rein schauen, damit man weiß, was einem die Regierung zum Thema Energie mitteilen will. Aber als Informationsmedium absolut unbrauchbar. Wer glaubt, was einem dort verkauft wird, macht sich selbst und freiwillig zum Deppen.

Wer Informationen sucht, muß sich notgedrungen im kapitalistischen Ausland umschauen. Dort sind Nachrichten immer noch eine Ware und keine ideologischen Verlautbarungen zur Volksertüchtigung. Deshalb war in wenigen Stunden das Staudammunglück verbreitet — samt Hintergrundinformationen: Wer hat den Damm gebaut, wer hat die Finanzierung gemacht, wie haben sich deren Aktienkurse entwickelt usw. Im Internetzeitalter alles was man braucht, um seinen eigenen Ansprüchen entsprechend weiter zu recherchieren. Genau die journalistische Arbeit, die im Deutschen Fernsehen immer mehr verweigert wird — ob schlicht aus Faulheit oder aus Boshaftigkeit sei dahingestellt. Überdeutlich wird dies immer wieder im Zusammenhang mit Donald Trump: Bevor man sich seine Rede selbst anhört, verwendet man lieber einen Beitrag eines klassenbewußten „Experten“ darüber, was der Präsident angeblich gesagt haben soll. Sicher ist sicher, wie bei der Energiewende. Wenn man mit den Wölfen heult und immer nur das nach quatscht, was die einschlägigen „Größten Denker“ vorgekaut haben, ist man immer auf der richtigen Seite. Schlimmstenfalls haben sich halt alle anderen auch geirrt. Die üppige Pension ist damit, gemäß deutscher Tradition, auf jeden Fall gesichert. Später sagt man einfach, wenn man das gewußt hätte….

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte
unterstützen Sie mit einer Spende unsere
unabhängige Berichterstattung.

Kommentare zum Artikel

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars die Regeln höflicher Kommunikation.

Gravatar: Angela Rampe

Bei der Selektion, die Online - Medien wie Stürmer online ....

http://www.spiegel.de/forum/politik/enges-verhaeltnis-zu-putin-kontensperrung-fuer-schroeder-thread-133022-24.html#postbit_16276750

... betreiben, kommt es eben zu Lücken.

Die Reaktion unter dem Titel 'Mein Bauch, mein Kind' auf einen Beitrag wie diesen im betreffenden Forum muss dann eben leider verworfen werden ...

http://www.spiegel.de/forum/lebenundlernen/zahlen-des-statistischen-bundesamtes-finanzielle-lage-von-alleinerziehenden-oft-prek-thread-784967-2.html#postbit_67254097

Verworfen / selektiert:

'Nein, Kinder sind Geschäftsmodell, Waffe, Druckmittel und politische Manövriermasse eines stetig wachsenden Prekariats alleinerziehender Mütter, vereinte ProletArierInnen, alle 'Opfer' und entsprechend mehr oder weniger ausgeprägt Denunziantinnen im Sinne des Postmodernismus / Kulturmarxismus / Sexualrassismus.

http://menschundrecht.de/Reichsgesetzblatt.pdf

Die 'Täter' sind immer die anderen.

Frau Bundeskanzlerin retten Gott und die untergehende Welt, Frauen und Kinder zuerst. '


Sie wissen schon, die Mainstream - Medien üben ihr 'Hausrecht' aus.

http://www.spiegel.de/forum/netzwelt/facebook-youtube-twitter-die-meisten-netzdg-beschwerden-sind-nicht-erfolgreich-thread-782930-7.html#postbit_67085460

Muss einem aber schon leidtun für Stürmer online, dass die ihre Selektion nur online und nicht an der Rampe durchführen dürfen, was denen bestimmt lieber wäre.

Aber schon gut, auf die Situation sollte nicht zu oft hingewiesen werden, weil man / frau bei den Mainstream - Medien dann nur noch mehr durchdreht.

Gravatar: Hand Meier

Danke für die Information Herr Dr. Ing. Humpich,

und die Kritik an den Merkel-System-Medien.
Wir wissen welchen Wahnsinn die Merkel-Energie-Wende befeuert, es ist der pure Hass auf das Industrieland und seine Bewohner. Die Vernichtung einer sicheren, preiswerten Stromerzeugung durch Bedarfsgerechte Kernkraftwerke. Welche Entwicklungen international stattfinden wird in der Merkel-Ära verschwiegen, da pflegt man Probleme statt sie intelligent zu lösen wie z. B. in Russland http://nuklearia.de/2016/12/09/strom-aus-atommuell-schneller-reaktor-bn-800-im-kommerziellen-leistungsbetrieb/n

Gravatar: Werner Mueller

Dr. Klaus-Dieter Humpich schreibt:
Lückenpresse oder doch mehr?
„Hoppla, das sind ja gerade 4536 Vollbenutzungsstunden. So ist das halt mit den wetterabhängigen Umweltenergien. Ein Kernkraftwerk läuft mindestens 7885 Vollaststunden pro Jahr, also fast doppelt so lange.“

Hoppla Herr Dr. Klaus-Dieter Humpich,
der weltweite Durchschnitt bei allen Kernkraftwerken ist aber nur ca. 6300 Vollaststunden pro Jahr.

Es sind so ca. 394 GW in betrieb, nach Angabe von IAEA.
Und im 2017 wurden so ca. 2.487.981 GWh an Strom hergestellt, das sind doch dann nur 6314Vollaststunden pro Jahr.

Da haben Sie bei den „mindestens 7885 Vollaststunden pro Jahr“ etwas geschwindelt, das schaffen die wenigsten Kernkraftwerke.

https://www.iaea.org/PRIS/WorldStatistics/NuclearShareofElectricityGeneration.aspx

################

Dr. Klaus-Dieter Humpich schreibt:
„Die spezifischen Investitionskosten betragen somit etwa 2400 US$ pro KWel.

Das kW-Leistung bei dem Kernkraftwerk in England kostet so ca. 8000 US$ pro KWel.

Das kW-Leistung bei dem Kernkraftwerk Barakah in den Vereinigten Arabischen Emiraten kostet so ca. 5000 US$ pro KWel.

Das kW-Leistung bei dem Kernkraftwerk Flamanville koste so ca. 5500 US$ pro KWel.

Gravatar: karlheinz gampe

Für mich ist dieser Artikel pro Kernkraft einseitig geschrieben und unterscheidet sich nicht von Werbebroschüren de Atomindustrie. Risiken und Ewigkeitskosten wurden nicht erwähnt. Die Risikostudien der Kernindustrie sind gefälscht. Nur Glück hat bis jetzt Schlimmeres verhindert.

Gravatar: Werner Mueller

Na Herr Hand Meier,

welche russische Lachnummer haben Sie am 03.08.2018 – 09:34 herausgezogen.

Der BN-800 erreicht ja nicht mal die weltweiten Durchschnittsvolllaststunden.

Das Kernkraftwerk Belojarsk-4 (BN-800) schafft gerade mal ca. 6.300 Volllaststunden in 2017.

Quelle
https://www.iaea.org/PRIS/CountryStatistics/ReactorDetails.aspx?current=451


Und das mit der Baustelle zog sich von 1986 bis zum Jahr 2015 hin, sind doch über 30 Jahre, so sehen Erfolgsgeschichten aus, hab es verstanden Herr Hand Meier.

Die Baukosten je kW Leistung ist irgendwie ein Staatsgeheimnis, aber bei 10.000 US$/kW wird man mal in die Diskussion einsteigen können.

Vermutlich wissen das die Russen selber nicht so genau was da an Geld in den vergangen 30 Jahren versickert ist.

Gravatar: Hans-Peter Klein

Welche (Kern) Botschaft zwischen den Zeilen wollten Sie denn nun rüberbringen?
Etwa:
Kernenergie wäre für Laos die bessere "Alternative " gewesen ?

Vielleicht. (?)
Vielleicht aber auch nicht. ( !!!).
Nur eine von vielen Fragen:
Wo würde Laos jetzt seinen Atommüll entsorgen?
Angesichts ... (überschwemmter Höhlen und so)
MfG, HPK

Gravatar: Hans diehl

Der Der Autor hat ja recht wenn er kritisiert, dass der Bruch des Staudamms bei uns weniger ein Thema war als Fukushima.

Recht hat er auch wenn er sagt, dass viel nachgeplappert , oder von einem klassenbewussten Experten übernommen wird, anstatt selbst zu recherchieren.

Unrecht hat er aber, wenn er der Meinung ist das gilt nicht für die Energiewende.
Es sei denn er hätte da mal recherchiert zu dem was die Wölfe heulen.

Zitat aus dem Artikel:
Sicher ist sicher, wie bei der Energiewende. Wenn man mit den Wölfen heult und immer nur das nach quatscht, was die einschlägigen „Größten Denker“ vorgekaut haben, ist man immer auf der richtigen Seite. Zitat Ende


Nehmen wir nur einen, der wesentlichen Punkte der Energiewende.

Die Energiewende ist zu teuer und für den Normalverbraucher unbezahlbar, solche Aussagen von klassenbewussten Experten, werden doch auch ohne zu recherchieren übernommen.
Und höchstwahrscheinlich auch vom Autor des Artikels.

Wenn er nämlich recherchieren würde könnte er selbst zu der Erkenntnis kommen, dass die Strompreise bei uns ständig steigen, während die Großhandelspreise, sprich Strom Beschaffungskosten für die Versorger, kontinuierlich sinken, und sich zu diesem Paradoxon seine Gedanken machen.

Siehe hier:
http://www.iwr-institut.de/images/seiteninhalte/presse/grafiken/strompreis_terminmarkt.png

Auch sind nicht alle Journalisten zum Recherchieren zu faul.

Schaut mal hier:

https://www.youtube.com/watch?v=a4pslA3NKvQ

Da wird schon akribisch recherchiert.

So ab Minute 3.30 stellt man die Frage, müssten diese Einsparungen nicht an den Förderkosten abgezogen werden.

Die Energiewende ist für den Normalverbraucher nur deshalb so teuer, weil er ausschließlich mit den Kosten belastet wird.

Bei einer Kosten/Nutzen Rechnung wären die Kosten der Energiewende gar kein Thema.

Fazit: Kosten trägt der Verbraucher, den Nutzen haben andere, nämlich diejenigen, die mit den sikenden Börsenpreise am Strommarkt lukrative Geschäfte machen. Geschäfte auf Kosten der Verbraucher die zahlen nämlich bei sinkenden Börsenpreisen höhere EEG Umlage

Ich würde dem Autor des Artikels empfehlen, an Hand der von mir genannten Daten und Fakten, das zu tun, was er bei anderen kritisiert, nämlich nicht nachzuplappern, sondern in diese Richtung zu recherchieren.

Gravatar: Kawarvid

Alles richtig bis auf die Bemerkung, dass es in der DDR keine Rundfunk- und Fernsehgebühren gegeben hätte. Das stimmt einfach nicht.

Schreibe einen Kommentar


(erforderlich)

Zum Anfang