Die Lebenslüge der deutschen Familienpolitik
Die Lebenslüge der deutschen Familienpolitik
Datum: 07.02.2013, 20:12
Nahezu unisono beklagen jetzt die Opposition samt vielen Redaktionen die "verschwenderische Familienförderung in astronomischer Höhe" und deren Fruchtlosigkeit – ganz wie es ihnen der SPIEGEL-Titel nahelegt.
Tatsächlich liefern sie alle gemeinsam ein Lehrstück zu einer der größten bundesdeutschen Lebenslügen: Eltern und Kinder leben eben nicht in dem seit Jahrzehnten statistisch gemalten Familienparadies.
In der deutschen Wirklichkeit sind Kinder Armuts- und Berufsrisiko Nummer eins. Und zwar nicht, weil das viele „Fördergeld“ falsch verteilt wird, sondern weil der Staat es sich nicht nur wieder zurückholt, sondern unterm Strich sogar bei den Familien kräftig abkassiert. Laut dem ifo-Wirtschaftsforschungsinstitut pro Kind insgesamt mindestens 77.000 Euro.
Dieser politisch geschaffene, wirtschaftliche Druck zwingt Väter und Mütter mehr zu arbeiten, als sie eigentlich wollen. So wandeln sich Kinder aus Zeitmangel für immer mehr Paare vom Glücks- zum alltäglichen Streßfaktor. Eine Abschreckung für jede/n die/der, sich eigentlich Nachwuchs wünscht.
Das expertengestützte „Patentrezept“ der Politik – mehr und frühe organisierte (Ganztags)betreuung für die Kleinsten – ist vor diesem Hintergrund nichts anderes als die Einladung zur Kinderlosigkeit: Dann braucht man weder einen wirtschaftlichen, noch beruflichen Absturz zu fürchten und die Frage wohin das Kind zur Betreuung wegorganisiert werden soll, stellt sich einfach gar nicht mehr.
Kurz: Die arbeitsmarktfixierte Familienpolitik aller Bundestagsparteien ist das todsichere Rezept zur Abschaffung der eigenen Zukunft als Gesellschaft.
Von Kostas Petropulos, Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit (HBF)
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.
Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.


Add new comment