Alte Betreuungsgeld-Kritik in neuen Flaschen
Alte Betreuungsgeld-Kritik in neuen Flaschen
Datum: 28.07.2014, 14:06
Seit dem Wochenende hat die Kritik am Betreuungsgeld wieder neue Nahrung erhalten: Eine aktuelle Studie zeige, daß die neue Geldprämie bei bildungsfernen Eltern und Migranten den falschen Anreiz setzte, ihre Kleinkinder nicht in die Kita zu schicken. Damit würden ihnen Bildungsmöglichkeiten vorenthalten und ihre Chancengerechtigkeit gemindert. Die (nicht nur) rot-grünen Gegner/innen des Betreuungsgelds fühlen sich in ihrer prinzipiellen Ablehnung (wieder) bestätigt und einige Kommentatoren stoßen mit ihnen ins gleiche Horn.
Aus dem Blick geraten dabei allerdings die Fakten:
- Über die vermeintlich "neue Studie" vom Wochenende hatte bereits der SPIEGEL im Juni berichtet - ohne das heutige Medien/Polit-Echo auszulösen.
- Die angeblich umfangreiche Untersuchung zum Betreuungsgeld hatte tatsächlich eine völlig andere Fragestellung, bei der die neue Familienleistung nur eine "Marginalie" war, wie der Studienleiter gegenüber dem Heidelberger Büro für Familienfragen und soziale Sicherheit heute (erneut) bestätigt hat.
- Die verwendete Datenbasis ist viel zu dünn, um die vermeintlich weitreichenden Wirkungen des Betreuungsgelds auf das Verhalten der Eltern nachzuweisen.
- Eine erst letzte Woche veröffentlichte Untersuchung liefert zudem handfeste Zweifel an der polit-medial höchst populären These vom "Bildungsvorsprung" durch frühen "Kita"-Besuch.
- Das politische Echo auf diesen längst bekannten Befund vertieft diese Zweifel noch weiter.
All das ficht die Kritiker/innen des Betreuungs(-Taschen-)gelds nicht an. Fragt sich nur, warum sie konsequenterweise nicht gleich weniger (Wahl)Freiheit für „Risikoeltern“ in Namen des „Bildungsprimats“ fordern?
Von Kostas Petropulos, Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit (HBF).
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