Können Eltern mit Geld umgehen?

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Ab dem 01. Januar 2010 haben Eltern pro Kind und Monat 20 Euro mehr in der Tasche. Für die Financial Times Deutschland Grund genug, um beim Meinungsforschungsinstitut Forsa eine Studie in Auftrag zu geben, die der Frage nachgeht, wofür Eltern eigentlich das zusätzliche Geld im nächsten Jahr ausgeben wollen. Vom Ergebnis zeigt sich die FTD erschüttert und titelt: "Das Kindergeld kommt nicht bei den Kindern an“, denn 48 Prozent der Eltern planen, "das Geld für den täglichen Bedarf zu nutzen, zu sparen oder für Urlaub, Schuldentilgung oder Renovierung zu verwenden".

Nur 49 Prozent wollen das „zusätzliche Geld in der Haushaltskasse für die Kinder verwenden“. Auch Spiegel-Online zeigt sich entrüstet: „Eltern wollen Extra-Kindergeld dem Nachwuchs vorenthalten“. Das ist doch wirklich ungeheuerlich! Es kommt aber noch dicker: Vor allem Beamte planen die Kindergelderhöhung für „andere Zwecke“ auszugeben, während sich die in letzter Zeit häufig geäußerte Vermutung, zusätzliche Finanzspritzen würden in ärmeren oder schlechter gebildeten Haushalten zweckentfremdet verwendet, nicht bestätigen ließ. Na immerhin eine gute Nachricht.

Was aber bitte ist „bedenklich“ daran, wenn Eltern die 20 Euro mehr im Monat für frisches Brot, Obst, Gemüse und Vollmilch aus dem Biomarkt, statt vom Discounter verwenden, wie Forsa-Chef Manfred Güllner findet? Warum, liebe FTD, ist es „brisant“, wenn Eltern das Geld für einen Urlaub mit ihren Kindern auf dem Bauernhof, an der Ostsee oder zum Skifahren in den Alpen sparen? Die Renovierung der Wohnung ist Zweckentfremdung des Kindergeldes? Glauben Sie nicht auch, daß der 12jährige Martin nicht mehr unbedingt kleine Dinos an seiner Zimmerwand haben möchte? Dank der Kindergelderhöhung wird sein Zimmer renoviert, der Geigenunterricht aber nicht gestrichen.

Wenn man Kinder bekommt, erhöhen sich logischerweise auch die Ausgaben: Oft muß eine größere Wohnung her, vielleicht ein neues Auto, Kleidung, Windeln, Einrichtung werden gebraucht und nach der Muttermilch steigen die Lebensmittelkosten. Der Urlaub wird teurer. Später folgen Betreuungskosten, eventuell Schulgeld, Hobbys wollen gepflegt und bezahlt werden etc. Kindergeld und Kinderfreibeträge dienen dazu, dieses Mehr an Kosten – die ja gleichzeitig auch immer ein Mehr an Einnahmen für den Staat bedeuten – (mehr oder weniger) im Vergleich zu Haushalten ohne Kinder auszugleichen.

Seit aber die neue Regierung weitere Familienentlastungen beschlossen und das Betreuungsgeld ebenfalls Einzug in den Koalitionsvertrag gefunden hat, stehen Eltern und Familien zunehmend unter einem Rechtfertigungsdruck, wie, wann, wo und ob sie das Geld für ihre Kinder verwenden. Die Fähigkeit verantwortungsbewußt mit den ihnen zugedachten finanziellen Zuwendungen umzugehen, ihre Finanzen auf die Förderung ihres Nachwuchses hin zu planen, wird ihnen damit schlichtweg abgesprochen. Das und nicht das Ergebnis der Umfrage finde ich brisant und bedenklich!

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Vera Siedler

@Stefan Lorenz: wo wird denn Kinderbetreuung verhindert? Die Krippen werden doch ausgebaut und mitfinanziert durch die Steuergelder der Familien, in denen nur ein Elterteil arbeitet. Das ist keine Wahlfreiheit! Durch diesen finanziellen Druck und durch den gesellschaftlichen dazu, sollen die Familien zur Doppelverdienerehe gezwungen werden. Das muss aufhören! Wahlfreiheit heißt: ich darf mein Kind zu Hause betreuuen! Und ich will das auch! Der Artikel hier ist übrigens sehr gut, finde es auch völlig in Ordnung, wenn die Familien das Geld für qualitative Lebensmittel, Renovierungen und kindgerechte Erholungsurlaube verwenden. Was soll man denn sonst davon kaufen? Das 10.000ste Kuscheltier? Nintendo-Spiele? Teure Kinderklamotten? Oder müssen die Kinder dann fünf Tage die Woche immer in einen anderen Kurs gehen, einmal Musik, einmal Sport etc., damit das Geld auch ja in "Bildung" gesteckt wird? Eine Aktivität pro Woche reicht! Ansonsten ist ein geregelter Tagesablauf wichtig für Kinder, deswegen sind auch Bildungsgutscheine Unsinn!

Gravatar: Michael von Prollius

@Stefan Lorenz
Echte Freiheit ist nicht Wahlfreiheit, sondern die Abwesenheit von Zwang. Zwang bedeutet dabei insbesondere den rechtsverletzenden Gebrauch (oder dessen Androhung) physischer Gewalt gegen die Person oder das Eigentum eines anderen.

Grundlage einer freien, offenen Gesellschaft ist die Herrschaft des Rechts, also gleiche Regeln für alle. Niemand kann unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen stets eine Auswahlmöglichkeit bereitstellen. Am besten gelingt das allerdings dem Markt, und die Menschen auf Märkten sind auch für die Bereitstellung von Kindergärten zuständig.
Würde der Staat weniger Zwang durch Regulierung und Wettbewerbsverzerrung ("kostenlose" Angebote) ausüben, dann würde es mehr Kindergärten geben.

Gravatar: Stefan Lorenz

@Christoph Sprich: Nun ja, von Antipolitik zu sprechen halte ich für vermessen. Ich finde es eher schlimm das sich die konservativen Bewahrer immer noch durchsetzen und verhindern das Frauen wieder arbeiten gehen können wenn sie wollen weil eine echte Kinderbetreuung verhindert wird.
Das passiert vor allem weil viele noch gern die Frauen am Herd sehen.
Echte Freiheit ist nämlich vor allem Wahlfreiheit auch für Betreuung!

Gravatar: Christoph Sprich

Liebe Frau Schneider als Vater von drei Kindern kann ich Ihnen nur zustimmen. Angesichts der (Anti-)Familienpolitik der letzten Jahre fühlt man sich heute schon in die Ecke gedrängt, wenn man seine Kinder Zuhause erzieht. Der Staat tut zunehmend so, als könne er Nachwuchs generieren und diesen alleine versorgen. Man muß sich fragen, wie es die Menschheit überhaupt ohne Krippen so weit bringen konnte. Und ich hoffte, das Mißtrauen gegenüber Individuum und Familie sei mit dem Fall der Mauer überwunden gewesen...

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