Wo die Freiheit der Kunst an Grenzen stößt

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Wo die Freiheit der Kunst an Grenzen stößt
Datum: 27.03.2013, 12:14

 

In Berlin wurde letzte Woche der "Echo" verliehen. Für den bedeutendsten Musikpreis Deutschlands waren Künstler in 27 Kategorien nominiert. Und nominiert ist, wer viele Tonträger verkauft hat. Fast alle waren da: Die Toten Hosen, Die Ärzte, Kraftklub und so weiter. Nicht dabei sein durfte die Band Frei.Wild, die über 100 000 Platten verkauft hatte und große Hallen füllt. Vom Veranstalter, der Deutschen Phono-Akademie, rausgekickt. Weil Frei.Wild von der Liebe zur Heimat singt, sind sie politisch nicht korrekt genug.

 

 

Konkurrenten um die begehrten Preise wie die Bands Kraftklub und Mia drohten mit Absage, weil man die Texte der Kollegen "zum Kotzen" finde. Bis zu diesem Ereignis kannte ich Frei.Wild gar nicht. Also hörte ich mal rein. "Ja, unser Heimatland, es ist so wunderschön, das kann man ja an unseren Bergen sehn, sie ragen stolz zum Himmel hinauf, schon unsre Ahnen waren mächtig stolz darauf", singen die Tiroler zu harten Bassklängen. Ist das rechtsradikal? Die Band selbst distanziert sich überall, wo sie auftritt, von Extremismus. Manchmal rufen sie in Konzerten ihre Fans auf, "Nazis raus!" zu skandieren. Aber sie singen von Heimat, Vaterlandsliebe, Stolz. Und das ist den Herrschaften der Phono-Industrie zu viel des Guten.

Die Begründung für den Ausschluss klingt fast albern: "Um zu verhindern, dass der "Echo" zum Schauplatz einer öffentlichen Debatte um das Thema der politischen Gesinnung wird", begründet Florian Drücke vom Bundesverband Musikindustrie deren Verstoß gegen eigene Regularien. Mit diesem Argument hätte man auch Kraftklub und Mia rausschmeißen können, denn sie haben ja die Kontroverse begonnen. Aber sie stehen halt auf der richtigen Seite, gehören zum kulturellen Mainstream.

 

 

Es gilt hier im Namen der Kunstfreiheit als normal, wenn sogenannte Comedians im Radio auf plattestem Niveau alle Politiker zu grenzdebilen Volltrotteln machen. Man darf den Papst auf einer Titelseite jeder Würde berauben – ist ja Kultur. Bei Mohammed ist man vorsichtiger, könnte abends vor der Haustür mal schwierig werden. Man darf über Vergewaltigungs- und Tötungsfantasien singen. Bushido hat viele Musikpreise gewonnen, auch den "Echo". Aber wenn einer singt, dass er stolz auf seine Heimat ist, dann rückt die Kulturpolizei an. Für alle diejenigen, die mich nun falsch verstehen wollen – ich streite nicht für widerwärtige Rassistenbands. Ich streite für Frei.Wild, die von Heimat und Stolz singen. Weil man das in einem freien Land dürfen sollte, ohne ausgesperrt zu werden.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf www.rp-online.de.

 

Sven von Storch

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