Warum Andrea Nahles nicht mehr zu stoppen ist

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Warum Andrea Nahles nicht mehr zu stoppen ist
Datum: 15.12.2014, 17:45

 

Das Rentensystem gerät aus dem Gleichgewicht. Bundessozialministerin Andrea Nahles hat großen Anteil daran. Warum sie in gerade dieser Situation ein Gesetz plant, mit dem immer mehr Menschen früher in Rente gehen können, ist dabei nur ein großes Geheimnis.

 

 

Da haben sich vor langer Zeit einmal kluge Menschen Gedanken darüber gemacht, wie die Altersversorgung in Deutschland sinnvoll geregelt werden kann. Sie entschieden sich für eine dynamische Rente, bei der die Jüngeren mit ihrer Arbeit auch das Geld verdienen, von dem die Älteren im Ruhestand ordentlich leben können. Ein System, das bestens funktioniert, so lange viele jüngere Menschen Arbeit haben und deutlich mehr sind, als diejenigen, die sie mitfinanzieren sollen.

Große Geheimnisse für Andrea-Nahles-Forscher

Nun sind aber die Zeiten nicht so. Viele Menschen hierzulande haben sich für das „Prinzip Ich“ entschieden und ziehen persönliches Wohlergehen, Karriere und Selbstverwirklichung dem Kinderwunsch vor. Das ist bedauerlich – aber erlaubt. Doch so entsteht nun eine Situation, in der immer weniger arbeitende Menschen Beiträge zahlen, von denen immer mehr Rentner leben müssen.

Und das auch noch immer länger, denn erfreulicherweise steigt die Lebenserwartung dank medizinischer Vorsorge und Leistungsfähigkeit weiter an. Immer weniger Einzahler und immer mehr Rausnehmer – das ist die Situation. Wie man in einer solchen Situation auf den Gedanken kommt, ein Gesetz zu machen, mit dem immer mehr Menschen früher in Rente gehen können, ist eines der großen Geheimnisse, mit denen sich später Historiker und Andrea-Nahles-Forscher werden beschäftigen müssen.

Ein ordentlicher Schluck aus der Sozial-Pulle

Mathematiker eher nicht, denn die „Rente mit 63“ ist ein Geschenk der Bundessozialministerin und der sie tragenden Großen Koalition, das eine schwere Hypothek für nachfolgende Generationen bedeutet und mutmaßlich sogar die Altersarmut befördern kann. Die Kosten – da sind sich Sachverständige mittlerweile sicher – werden deutlich höher als veranschlagt sein. Und so ganz nebenbei entziehen wir dem Arbeitsmarkt Fachkräfte, die dringend gebraucht würden, um Deutschland als Hochindustrieland und Exportweltmeister am Laufen zu halten.

Zugegeben, kurzfristig ist es clever, was Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) da macht. Viele Ruheständler bekommen durch Rente mit 63 und Mütterrente einen ordentlichen Schluck aus der Sozial-Pulle, und manch einer wird sich vielleicht demnächst in der Wahlkabine daran erinnern. Dabei ist die Angleichung der Mütterrente der positive Teil des gesamten Rentenpakets der Großen Koalition, wird doch damit eine Benachteiligung der Frauen, die vor 1992 Kinder geboren haben, annähernd ausgeglichen. Aber Rente mit 63? Muss nicht eine Gesellschaft, in der immer weniger Kinder – sprich: Beitragszahler – geboren werden, länger arbeiten statt weniger? Ist es bei steigender Lebenserwartung wirklich eine Zumutung, bis zur Vollendung des 67. Lebensjahres zu arbeiten?

Beitrag erschien zuerst auf: focus.de

 

Sven von Storch

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