Mutter zu sein ist nicht unmodern
Mutter zu sein ist nicht unmodern
Datum: 12.10.2013, 16:34
Noch wissen wir nicht, wie sich die nächste Bundesregierung zusammensetzen wird. Sicher ist jedoch: Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) wird dem neuen Kabinett nicht mehr angehören. Sie hat sich aus der ersten Reihe verabschiedet – mit einer Begründung, die aufhorchen lässt: "Ich kann in meinem Leben noch viel erleben, vieles auch nachholen, aber diese besonderen Stunden mit meiner Tochter kommen nie wieder." Ein Satz wie ein Ausrufezeichen! Das eigene Kind ist wichtiger als die Karriere. Dass ich so etwas einmal von einer prominenten deutschen Politikerin hören würde, habe ich nicht erwartet.
In Wahrheit spricht sie damit ein Thema an, das viele Menschen, meistens Frauen, umtreibt. Was ist wichtiger, ein toller Job mit Mordsgehalt? Oder das tiefe Glück, die ersten Schritte, die ersten Worte des eigenen Kindes mitzuerleben? Haben Sie schon mal einen erfolgreichen Menschen gehört, der im Herbst seines Lebens auf die Frage, was er oder sie versäumt hat, antwortete: Ich hätte gern noch weitere Tantiemen kassiert? Oder: Ich hätte gern noch den neuen A 8 gefahren? Die Wahrheit ist: Fast alle erfolgreichen Menschen sagen dann: Ich hätte gern mehr Zeit mit meinen Kindern verbracht. Und ich bin sicher, das ist die Wahrheit.
Ein Mann, der sagt, Mütter sollten länger bei ihren Kindern bleiben, steht schnell unter Verdacht, Heimchen am Herd schaffen und seine Machtposition verteidigen zu wollen. Dass mit Kristina Schröder eine Frau den Mut hatte, es zu sagen, ist vielleicht das Wichtigste, was sie in den vier Jahren als Ministerin getan hat. Auszusprechen, was viele Mütter empfinden, was aber heute unmodern geworden ist in Zeiten, in denen Familienpolitik zur reinen Wirtschaftspolitik verkommen ist.
Die Vereinbarkeit von Beruf und Karriere mit dem Wunsch, Kinder zu haben und zu erziehen, ist ein herausragendes Thema. Hier muss die Politik noch viele Hausaufgaben machen. Die Erziehungszeiten müssen einen stärkeren Effekt auf die spätere Rente haben. Der Wiedereinstieg in den Beruf muss leichter, flexiblere Arbeitszeitmodelle für Väter und Mütter müssen entwickelt werden. Aber eines sollte klar bleiben: Kinder und ihre verantwortungs- und liebevolle Erziehung sind das Wichtigste. "Ich habe viele schöne Momente mit meiner Tochter verpasst", sagt Kristina Schröder. Und sie verzichtet auf Dienstwagen, Fahrer und Geld, um das zu ändern. Großartig! Sie ist jung genug, um später einen neuen Anlauf zu nehmen – wenn ihr Kind auf eigenen Beinen steht.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf www.rp-online.de
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.
Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.


Add new comment